Corona-Krise in Kenia: „Fact-Checking kann Leben retten!“ | Afrika | DW | 07.04.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Afrika

Corona-Krise in Kenia: „Fact-Checking kann Leben retten!“

Gemeinsam mit "Code for Africa" etabliert die DW Akademie Fact-checking in verschiedenen kenianischen Medienhäusern. Sie legen jetzt einen speziellen Fokus auf Covid-19.

Ghana re:publica Accra (DW/Julius Endert)

Catherine Gicheru leitet das Datenjournalismus-Projekt "Code for Africa"

„Nicht selten kommen zu einer Beerdigung über 500 Menschen.“ So beschreibt Fred Mariwa, Projektmanager der DW Akademie in Kenia, eine typische Beisetzung im ländlichen Kenia. Eine Beerdigung beschäftigt jeden – egal ob Nachbarn, Freunde oder Bekannte, das normale Leben in einem Dorf steht vollkommen still. Unvorstellbar in Zeiten von Corona. Zu einer Beerdigung am 21. März kamen nur 12 Leute.

Fred Mariwa, konnte es kaum glauben: „Das hat es noch nie gegeben. Man konnte die Menschen einzeln zählen; sonst sieht man einfach nur eine riesengroße Menschenmenge." Fred Mariwa selbst lebt normalerweise in einem Vorort von Kisumu am Viktoriasee; wegen der Corona-Krise ist er in sein Dorf auf dem Land (Asembo Nyilima in Siaya County) umgezogen. Dort fühlen er und seine Familie sich sicherer, als in der Millionenstadt Nairobi.

Eine Woche darauf, am 5.4. wurde er Zeuge, wie ein Dorfältester beigesetzt wurde: „Normalerweise kommen bei der Beerdigung eines Ältesten bis zu 1500 Leute und die Beerdigung dauert 24 Stunden. Dieses Mal kamen 15 Leute, nach zwei Stunden war es vorbei." Es ist offensichtlich: Corona ist auch in Kenia angekommen. Menschen haben Angst vor dem neuartigen Virus und damit auch vor großen Versammlungen.

Falschmeldungen und Gerüchte verbreiten sich rasant

Im Heimatdorf von Fred Mariwa haben sich die Menschen richtig verhalten. Allerdings machen landesweit auch extrem viele Falschmeldungen die Runde. Sie sind teilweise so widersprüchlich, dass viele Menschen überhaupt nicht mehr wissen, was sie glauben können: „Das Corona-Virus ist extrem ansteckend. Jemand hustet dich an und du stirbst unweigerlich", oder aber: „Corona ist eine Krankheit der Europäer. Schwarze können es nicht bekommen." Fake News wie diese verbreiten sich vor allem in den Sozialen Netzwerken schnell. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Menschen erkennen, welchen Quellen und Informationen sie vertrauen können – die Bedeutung von Media and Information Literacy (MIL) ist höher denn je.

Afrika Coronavirus Pandemie / Kenia (Reuters/B. Ratner)

Am 14. März gab es den ersten bestätigten Corona-Fall in der Nähe der Hauptstadt Nairobi.

Und genau hier setzt die Arbeit von Catherine Gicheru und „Code for Africa" an. Die Partnerorganisation der DW Akademie hat 2019 Verification-desks in verschiedenen Medienhäusern im Land eingerichtet. Das Datenjournalismus-Projekt "Code for Africa" unterstützt eigentlich Journalisten, Regierungsbehörden und Menschenrechts-NGOs in sehr unterschiedlichen Projekten. Dazu gehören die Digitalisierung von Regierungsunterlagen und Förderung der Informationsfreiheit oder aber Entwicklung von Informationskampagnen gegen weibliche Genitalverstümmelung. Alle ihre Daten und Produkte stellen sie nach dem Open Data-Prinzip öffentlich und kostenlos bereit – so auch die die Produkte rund um Corona.

„Fact-Checking kann Leben retten!“

„Jetzt liegt der Fokus vor allem auf richtiger und verständlicher Berichterstattung über das Virus und seinen Folgeerscheinungen", sagt Catherine Gircheru. Das "Code for Africa"-Team produziert Landkarten und Infografiken zu Fallzahlen und Entwicklungen in Kenia und Medienpartner verbreiten sie.

Ein Promise-tracker auf der Website überprüft außerdem die Versprechen der Politik mittels Datenerhebungen. Gerade jetzt, wo Versprechungen für das Gesundheitssystem gemacht und z.B. zusätzliche Intensivstationen mit Beatmungsgeräten angekündigt werden, ist dieses Tool unabdingbar. Die Räume haben nämlich allenfalls Betten, aber so gut wie keine Beatmungsgeräte.

Studio among others Irene Olwande, Sky FM moderator (DW/B. Ondari)

„Sky FM“ gehört zum Netzwerk der von der DW Akademie unterstützten Lokalradios und wird einen „Health Desk“ aufbauen (Archivbild).

Am Verifizierungsprojekt von „Code for Africa" beteiligen sich u.a. „The Star" – eine der größten und seriösesten Tageszeitungen in Kenia – und Sky FM in Kisumu. Sky FM gehört zum Netzwerk der von der DW Akademie unterstützten Lokalradios und wird einen Health Desk aufbauen. Hier sollen für den gesamten Sendeverband Fehl- und Desinformationen rund um die Corona-Pandemie überprüft und verifiziert werden. Die Journalisten an den Verification Desks lernen dafür Fact-Checking-Tools kennen, um z.B. den digitalen Fußabdruck von Bildern oder Videos zu identifizieren. Der Health Desk soll aber auch Gesundheitstipps und generelle Informationen zu den Folgen und Gefahren von COVID-19 liefern. Catherine Gicheru ist überzeugt: „Fact-checking kann Leben retten!"

„Es ist natürlich wichtig, dass wir mit einem großen Haus wie dem 'Star' arbeiten", sagt Catherine Gicheru. „Aber gerade auf dem Land hören die Menschen ihren lokalen Radiosendern viel eher zu oder greifen zur lokalen Zeitung, einfach weil sie oft sehr viel näher an ihrem täglichen Leben sind."

Wenn die Menschen in Kenia den Ernst der Lage erkennen und sich von größeren Versammlungen fernhalten, auch wenn sie ein wichtiger Teil ihres Zusammenlebens sind, ist das ein großer Erfolg für „Code for Africa". Dementsprechend ist auch Catherine Gicherus Ziel ambitioniert: „Wir wollen 'The Star' dabei unterstützten, DIE zentrale Verifikationsstelle für Fake News in Kenia werden."

Die Redaktion empfiehlt