Naher Osten: Mediennutzer fit machen! | Nahost/Nordafrika | DW | 21.12.2017
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Nahost/Nordafrika

Naher Osten: Mediennutzer fit machen!

In Ländern des Nahen Ostens lernen junge Menschen den kritischen Umgang mit Medien. Die DW Akademie hat Multiplikatoren in Amman zusammen gebracht, um sich über Erfahrungen und Ziele auszutauschen.

Die 13-jährige Juman Salameh aus der Nähe von Ramallah versteht genau, wie sie von mehr Medienkompetenz profitiert: „Ich weiß jetzt, wie ich Informationen prüfen oder selbst Medieninhalte produzieren kann. Ich wünschte, dass alle Schülerinnen und Schüler die Chance bekommen, in Medienkompetenz unterrichtet zu werden.“

Wie entstehen Nachrichten? Wie erkenne ich Gerüchte und Propaganda? Welche Informationen sollte ich überhaupt von mir preisgeben? Um diese Fragen geht es bei „Media and Information Literacy“ (MIL). Einige Schulen des Nahen Ostens leisten Pionierarbeit und haben MIL schon in ihren Schulalltag integriert, beispielsweise in Jordanien und Palästina.

„MIL ist kein normales Programm“

Auch im Libanon ist MIL bereits als Schulfach stellenweise etabliert. Zum Beispiel an der Jesus und Mary Schule nördlich von Beirut. Lehrer vermitteln, wie eine Nachricht zustande kommt, wie man Fake News erkennen kann oder wie Bildergeschichten entstehen. Außerdem lernen die Schülerinnen und Schüler neue Apps kennen. Rita Zgheib ist Akademische Betreuerin der Jesus und Mary Schule. Sie war skeptisch, als sie zum ersten Mal von MIL erfuhr. Zu viele Akteure, zu viele Programme, die im Nahen Osten mitmischen wollen, so schien es ihr. Inzwischen ist Zgheib überzeugt: “Die Verbreitung von MIL ist kein normales Programm”, sagt sie. “Es ist ein Muss! Es kann Bildung, kritisches Denken, Verständnis und vor allem Frieden fördern. Und das ist das, was unsere Region so dringend braucht.”

Jordanien Konferenz Media and Information Literacy in Amman (DW/V. Kleber)

Warum ist MIL in Palästina wichtig? Das erklärt Samia Salah Aldeen von Pyalara.

Um Medienkompetenz in der Region zu stärken, nimmt sie, genauso wie die Schülerin Salameh, an der Konferenz „Media and Information Literacy – National and Regional Needs“ in Amman teil. Die Konferenz wurde von der palästinensischen Jugend-NRO Pyalara mit der DW Akademie und dem jordanischen Medieninstitut organisiert.

Große regionale Unterschiede

Unter den 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern: Lehrer, Journalisten und Mitarbeiter des palästinensischen Bildungsministeriums sowie Schüler aus dem Libanon, Tunesien, Ägypten, Palästina und Jordanien. Um Informations- und Medienkompetenz regionsübergreifend zu vermitteln, braucht es engagierte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ebenso wie Unterstützung von politischer Seite.

Jordanien Konferenz Media and Information Literacy in Amman (DW/V. Kleber)

Aus Ägypten, Tunesien, Palästina und Jordanien sind MIL-Vertreter nach Amman gereist.

Jordanien gilt vielen als Vorreiter, zahlreiche Schulen und Universitäten ziehen bereits bei den Medienkompetenz-Programmen mit. “Wir haben uns einiges vorgenommen”, sagt Bayan Tal vom Jordan Media Institute. “Wir wollen das Bildungssystem reformieren, so dass die Schülerinnen und Schüler aktiver werden und kritisch denken lernen.”

In Jordanien sei das beispielsweise wichtig: radikale Gruppen nutzen hier die Sozialen Medien verstärkt zur Verbreitung ihres Gedankenguts und Gewinnung neuer Mitglieder. “Wir müssen die Menschen daher mit Bildung bewaffnen, damit sie gegen Propaganda und falsche Informationen ankommen”, so Bayan Tal.

Das hofft auch Rita Zgheib, die Akademische Betreuerin aus dem Libanon: „Hier gibt es verschiedene Religionen, verschiedene politische Gruppen, die sich seit Jahrzehnten verfeindet gegenüber stehen. Mit Hilfe von MIL können wir den Zirkel durchbrechen. Unsere Region könnte die Ursache für einen dritten Weltkrieg sein oder aber ein Ort, der zeigt, dass Frieden trotz allem möglich ist.”