Digitale Sicherheit für Journalisten | Medienentwicklung | DW Akademie | DW | 13.12.2013
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Medienentwicklung

Digitale Sicherheit für Journalisten

Live Video-Sessions, Blog-Einträge und Diskussionen im Chat - eine Woche lang debattierten Experten und Journalisten über die digitalen Gefahren im Internet. Und wie man sich vor ihnen schützen kann.

Die Recherche im Internet und die Nutzung von Apps gehören zum Berufsalltag von Journalisten. Nur wenige denken dabei über digitale Sicherheit nach. "Bis sie dann irgendwann tatsächlich ausgespäht werden", sagte Anne Roth von der Nichtregierungsorganisation "Tactical Tech" bei der Auftaktveranstaltung des offenen Online-Workshops der DW Akademie "Digital Safety for Journalists". "Und dann ist es in der Regel zu spät."

Bloggerin Ala'a Shehabi und Hauke Gierow, Reporter ohne Grenzen (Foto: DW Akademie/Steffen Leidel).

Bloggerin Ala'a Shehabi und Hauke Gierow, Reporter ohne Grenzen

Wie sich das anfühlt, das musste die Aktivistin und Bloggerin Ala'a Shehabi aus Bahrain erfahren. Sie hatte ahnungslos einen Email-Anhang geöffnet, der ihr vertrauenswürdig erschien. Daraufhin installierte sich ohne ihr Wissen eine Spionage-Software, die es dem bahrainischen Geheimdienst möglich machte, Shehabis kompletten Computer zu durchforsten. "Das war ein Schock für mich. Doch der weit aus größere Schock war, als ich anschließend erfuhr, dass diese Software von einem deutsch-britischen Unternehmen entwickelt wurde." Denn für Ala'a Shehabi war es bislang unvorstellbar, dass demokratische Staaten ein repressives Land wie Bahrain mit derartigen Computerprogrammen ausstatten. In Deutschland ist diese Software übrigens nicht erlaubt. "Die digitale Überwachung ist privatisiert - und die Regierungen unternehmen nichts dagegen", sagte Hauke Gierow, Internetexperte bei "Reporter ohne Grenzen". "Dabei gehen digitale Überwachung und physische Gewalt in manchen Ländern Hand in Hand, zum Beispiel wenn es darum geht, ein Passwort herauszubekommen."

Sich selbst und seine Kontakte schützen

Live Video-Session (Foto: DW Akademie/Steffen Leidel).

Live Video-Session

"Journalisten in repressiven Staaten sind sicherlich gefährdeter als Journalisten in der westlichen Welt", sagte Christian Stöcker von "Spiegel Online". "Trotzdem ist es unerlässlich, dass sich Journalisten mit dem Thema digitaler Sicherheit auseinander setzen." Jeder sollte wissen, wie er sich und vor allem seine Kontakte vor Zugriff Dritter schützen kann. Konkrete Anwendungsbeispiele hierzu lieferte der kostenlose Online-Workshop, den die DW Akademie in Zusammenarbeit mit Reporter ohne Grenzen Anfang Dezember organisierte. Mit großem Erfolg: Mehr als 400 Teilnehmer registrierten sich, der Projekt-Hashtag "#digisafe" wurde in der Woche intensiv im Kurznachrichtendienst genutzt.

"Unser Ziel ist es, bei Journalisten und Medienschaffenden insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern ein Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen und praktische Hinweise zu geben", sagte Holger Hank, Leiter DW Akademie Digital. "Wichtig ist: Es gibt keine einfachen technischen Lösungen - schließlich haben auch die NSA-Enthüllungen gezeigt, dass die digitale Kommunikation nicht komplett abzusichern ist." Jeder müsse für sich individuell herausfinden, welche Sicherheitsstrategie am besten passe. Das Know-how hierzu wurde in sechs Live-Sessions mit Internetexperten vermittelt, die von bis zu 80 Teilnehmern verfolgt wurden. Ein begleitender Blog präsentierte zusätzlich Hilfestellungen und Anwendungen, mit denen sich Journalisten sicher im Netz bewegen können.

Anne Roth von der Nichtregierungsorganisation Tactical Tech (Foto: DW Akademie/Steffen Leidel).

Anne Roth, Tactical Tech

"Dabei geht es darum, nicht in der Paranoia vor ständiger Überwachung zu leben", sagte Anne Roth in einer der Live-Sessions. Aber es gebe einige grundsätzliche Sicherheitsvorkehrungen, die leicht zu befolgen seien und auf der Webseite des Online-Workshops dokumentiert sind. Dazu gehöre beispielsweise die Verschlüsselung der Festplatte und des Email-Verkehrs, die Nutzung der Software TOR, die anonymes Surfen im Internet möglich macht, oder der Verzicht auf Apps, die persönliche Daten abspeichern. Steffen Leidel, Projektmanager des Online-Workshops: "Viele Tools im Internet werden von Journalisten genutzt, weil sie kostenlos und praktisch sind. Doch das hat seinen Preis: Man zahlt mit seinen persönlichen Daten. Journalisten sollten sich genau überlegen, ob sie diesen Preis zahlen wollen."

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  • Datum 13.12.2013
  • Autorin/Autor Nadine Wojcik
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  • Permalink https://p.dw.com/p/1AZIt
  • Datum 13.12.2013
  • Autorin/Autor Nadine Wojcik
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