Filmförderung: Blockbuster made in Germany?
28. Mai 2026
"Mit dem heutigen Kabinettsbeschluss zünden wir für den deutschen Film eine neue Stufe im internationalen Standortwettbewerb", verkündet Wolfram Weimer am Mittwoch in Berlin. Der Staatsminister für Kultur und Medien ist von Amts wegen für die Filmförderung zuständig. Den von der Bundesregierung vorgelegten Gesetzentwurf, über den das Parlament noch abstimmen muss, bezeichnet der parteilose Politiker als "Filmbooster".
Mehr als 300 Millionen Euro aus der Staatskasse
Man habe entschieden, so viel Geld wie nie zuvor in die heimische Filmbranche zu geben, sagt Weimer. Konkret: 250 Millionen Euro - fast doppelt so viel wie vorher. Mit diesem und anderen Fördertöpfen stelle der Bund sogar mehr als 300 Millionen Euro für Filmproduktionen bereit, heißt es. Hinzu kämen Fördermittel der Länder.
Mit staatlichen Finanzspritzen allein wären allerdings keine großen Sprünge möglich. Deshalb sollen Streamingdienste wie Netflix, Amazon oder Disney ebenso zu Investitionen verpflichtet werden wie private und öffentlich-rechtliche TV-Sender. Sie alle profitieren mit ihren Angeboten vom deutschen Markt, dem mit fast 84 Millionen Einwohnern größten Europas.
520 Millionen Euro von Streamingdiensten und Privatsendern?
Mindestens acht Prozent ihrer mit Abonnements und Werbung erzielten Einnahmen sollen Medienunternehmen künftig in den Filmstandort Deutschland stecken. Der Verband Privater Medien (VAUNET) rechnet 2026 mit einem Jahresumsatz von 6,5 Milliarden Euro. Auf der Basis dieser Prognose müssten Streamingdienste und Pay-TV-Sender 520 Millionen Euro investieren - ob sie wollen oder nicht.
"Unser Ziel ist, dass mehr Aufträge nach Deutschland und Europa gehen", begründet Finanzminister Lars Klingbeil die Pläne der Bundesregierung. "Wir wollen, dass europäische Inhalte gestreamt werden. Und wir fördern die Arbeit unabhängiger Produzentinnen und Produzenten", betont der Sozialdemokrat.
Wolfram Weimer: Filmwirtschaft soll Chance nutzen
Die Bundesregierung hofft zudem, dass Streamingdienste und Sender freiwillig noch mehr investieren. Dafür will sie Anreize setzen: Ab einer Investitionsquote von zwölf Prozent soll es erlaubt werden, von einigen Detailvorgaben des noch zu beschließenden Gesetzes abzuweichen. Ziel dieser Öffnungsklausel sei es, Aufträge für die deutsche Filmwirtschaft sicherzustellen, ohne unverhältnismäßig in die Geschäftsmodelle der Unternehmen einzugreifen.
Der für Kultur und Medien zuständige Staatsminister Weimer hält das Gesamtpaket für fair und tragfähig: Damit könne die gesamte Filmwirtschaft erstmals wirklich verlässlich über Jahre hinaus planen. "Nun ist es an der Branche, diese Chance zu nutzen, um Filmhits 'made in Germany' in Serie zu produzieren."
"Im Westen nichts Neues" wurde in Tschechien gedreht
Sollte die Rechnung der Bundesregierung aufgehen, könnten davon wohl vor allem traditionsreiche Studios profitieren: Babelsberg in Potsdam und Bavaria südlich von München. Viele kommerzielle Erfolge wurden zuletzt in anderen Ländern gedreht. So standen die Kulissen für die mit vier Oscars prämierte Netflix-Verfilmung von Erich-Maria Remarques Antikriegsroman "Im Westen nichts Neues" fast komplett in Tschechien.
Der Vorsitzende des Kultur- und Medienausschusses im Deutschen Bundestag, Sven Lehmann, hofft nun auf eine Trendumkehr: "Endlich geht es vorwärts in der Filmpolitik", kommentiert der Grünen-Abgeordnete die geplante Investitionsverpflichtung. Angesichts der hohen Umsätze von Netflix, Amazon und anderen Anbietern in Deutschland sei klar: "Wer hier gute Geschäfte macht, muss auch einen fairen Beitrag zur Finanzierung des Filmstandorts Deutschland leisten."
Wurden die Kinos vergessen?
Allerdings befürchtet Lehmann, dass Kinos leer ausgehen könnten: "Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Filmkultur in Deutschland." Deshalb brauche es eine verbindliche Quote, die sicherstelle, dass ein angemessener Anteil der Investitionen auch Kino-Produktionen zugutekomme. Ob sein Wunsch in Erfüllung geht, hängt vom Bundestag ab. Dessen Abgeordnete haben das letzte Wort und können noch Einfluss auf den Gesetzentwurf der Regierung nehmen.
Nach dem vorgesehenen Zeitplan soll die reformierte Filmförderung Anfang 2027 wirksam werden. Der Branchenverband der Informations- und Telekommunikationswirtschaft (Bitkom) blickt mit Sorge auf den neuen Kurs. "Das Ziel, den Film- und Serienstandort Deutschland zu stärken, teilen wir", betont Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Der vorliegende Gesetzentwurf werde diesem Ziel aber nicht gerecht.
"Deutschland braucht mehr starke Geschichten"
Vorgaben für neue Produktionen griffen tief in redaktionelle und unternehmerische Entscheidungen ein und führten dazu, dass Inhalte nicht mehr nur nach Qualität und Publikumsinteresse, sondern auch nach regulatorischen Vorgaben entstünden. "Deutschland braucht mehr starke Geschichten, mehr kreative Exzellenz und bessere Standortbedingungen, nicht mehr Zwang und Kleinteiligkeit", meint Rohleder.