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Oscars 2026 - Wer wird gewinnen?

13. März 2026

Als Top-Favoriten gelten in diesem Jahr "Blood & Sinners" von Ryan Coogler und "One Battle After Another" von Paul Thomas Anderson. Im Vorfeld sorgten Äußerungen von Timothée Chalamet für Gesprächsstoff.

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Filmstill: Eine blutüberströmte Gestalt mit übernatürlich langen Fingern
Von Kritikern gefeiert und außerdem ein Kassenschlager: Ryan Cooglers Vampirdrama "Blood & Sinners"Bild: Collection Christophel/picture alliance

Filmfans gleichen vor der Oscar-Verleihung Sportbegeisterten vor einem großen Finale: Sie diskutieren über das "Rennen" um die Academy Awards, analysieren Chancen und Quoten und spekulieren darüber, welche Produktionen und welche Schauspielerinnen oder Schauspieler bei dieser großen Kino-Olympiade am Ende vorne liegen. 

Und tatsächlich hat die 98. Oscar-Verleihung, die am Sonntag (15. März) in Los Angeles stattfindet,  alles, was eine epische Oscar-Show braucht. Zwei brillante, originelle und äußerst erfolgreiche Filme - Ryan Cooglers "Blood & Sinners" und Paul Thomas Andersons "One Battle After Another" - stehen sich im Rennen um den besten Film gegenüber. Und zwei der spannendsten und originellsten Hollywood-Schauspieler unter 40 - Michael B. Jordan, Star von "Blood & Sinners", sowie Timothée Chalamet, nominiert für Josh Safdies "Marty Supreme" - liegen im Rennen um den besten Hauptdarsteller Kopf an Kopf.

Filmstill aus dem Film "Marty Supreme" mit Timothée Chalamet als Marty Mauser mit Tischtennisschläger in der Hand
Timothée Chalamet in "Marty Supreme": Hat er nach seinen umstrittenen Äußerungen noch Chancen? Bild: Tobis Film/dpa/picture alliance

Auch in weniger prominenten Kategorien gibt es reichlich Potenzial für Überraschungen und Sensationen, insbesondere bei den Anwärtern auf den Preis für den besten Nebendarsteller und die beste Nebendarstellerin. Das macht die diesjährigen Oscars zu einer der seltenen Preisverleihungen, bei denen die Gewinner nicht von vornherein festzustehen scheinen.

"Blood & Sinners" - Vampire in den Südstaaten

"Blood & Sinners" bricht den Rekord: Er geht mit 16 Nominierungen in die Oscar-Verleihung - so viele wie noch kein Film zuvor - und übertrifft damit den bisherigen Rekord von 14 Nominierungen, den sich "All About Eve" (1950), "Titanic" (1997) und "La La Land" (2016) teilten.

Von seinem Indie-Debüt "Fruitvale Station" im Jahr 2013 bis zu seinem Marvel-Superhelden-Epos "Black Panther" im Jahr 2018: Regisseur Ryan Coogler war stets erfolgreich. Doch mit "Blood & Sinners" schafft er das fast Unmögliche: Er liefert einen zutiefst persönlichen Blockbuster mit einer überaus originellen Prämisse. Der im Jahr 1932 angesiedelte Action-Horror-Historienfilm zeigt Michael B. Jordan in einer Doppelrolle als die eineiigen Zwillingsbrüder Stack und Smoke: zwei Gangster, die in ihre Heimatstadt in den rassistisch geprägten Süden der USA zurückkehren und dort auf  übernatürliche Gestalten in Form von irischen Einwanderer-Vampiren treffen.

"Blood & Sinners"  ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit Amerikas gewaltvoller Geschichte von Rassismus und kultureller Aneignung - und zugleich ein präzise gebautes Stück Hollywood-Unterhaltung. Er spielte schon jetzt weltweit über 370 Millionen US-Dollar (ca. 320 Millionen Euro) ein und ist damit der kommerziell erfolgreichste Blockbuster im diesjährigen Oscar-Rennen.

10 Oscar-Preisträger, die Filmgeschichte schrieben

Der Film wird in vielen Kategorien gehandelt: Ryan Coogler könnte der erste schwarze Filmemacher werden, der den Oscar für die beste Regie gewinnt. Seine Frau und Produktionspartnerin, Zinzi Coogler, könnte die erste schwarze Produzentin werden, die den Oscar für den besten Film bekommt. Und schließlich könnte "Blood & Sinners" auch den Allzeitrekord für die meisten Oscar-Gewinne übertreffen. Derzeit liegt der Bestwert bei elf Auszeichnungen - gehalten von "Ben-Hur" (1959), "Titanic" (1997) und "Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs" (2003).

Glaubt man jedoch den Wettbüros, ist "Blood & Sinners" nur in einer Handvoll Kategorien der klare Oscar-Favorit, darunter "Bestes Originaldrehbuch" und die neue Kategorie "Beste Besetzung". Im Rennen um die Hauptpreise - "Beste Regie" und "Bester Film" - hat "One Battle After Another" die Nase vorn.

"One Battle After Another" - absurd und ernst 

In Paul Thomas Andersons temporeicher Action-Komödie spielt Leonardo DiCaprio einen ehemaligen revolutionären Hitzkopf, der zum ausgebrannten Dauerkiffer geworden ist. Als seine Tochter Willa (Chase Infiniti) entführt wird, sieht er sich gezwungen, von seiner Couch aufzustehen und erneut aktiv zu werden. 

Paul Thomas Anderson (r.) bei Dreharbeiten auf einer Wiese, vor ihm läuft geduckr Leonardo DiCaprio
Hoffnung auf den Oscar: Paul Thomas Anderson (rechts) bei den Dreharbeiten zu "One Battle After Another" mit Leonardo DiCaprio Bild: Warner Bros./Ghoulardi Film Company/Collection Christophel/picture alliance

"One Battle After Another", eine freie Adaption von Thomas Pynchons Roman "Vineland" aus dem Jahr 1990, ist ein Spiegel der polarisierten politischen Landschaft in den USA. Auf der einen Seite wird ein Migranteninternierungslagers befreit, auf der anderen Seite gibt es von der Regierung geschützte Zufluchtsorte für gewaltbereite christliche Nationalisten, die fest entschlossen sind, Amerika "wieder groß" zu machen.

Die Geschichte ist ernst und zugleich bis ins Absurde überspitzt. Die Nationalisten nennen sich selbst die "Christmas Adventurers" und begrüßen einander mit einem enthusiastischen "Hail Saint Nick!". Sean Penn verkörpert einen ihrer ergebenen Gefolgsleute - eine karikaturhafte Schurkenfigur, die in khakifarbener Hose und einem viel zu engen schwarzen T‑Shirt und einer absurd ungelenken Steifheit herumspaziert.

Seit dem Kinostart im vergangenen Herbst gilt "One Battle After Another" als Favorit auf den Oscar für den besten Film. Die Chancen stehen gut, dass sowohl der Film als auch Paul Thomas Anderson - der schon 14 Mal für einen Oscar nominiert war, aber noch nie eine Trophäe mit nach Hause nehmen konnte - am Sonntagabend zu den großen Gewinnern gehören werden.

Während "Blood & Sinners" als starker Konkurrent wahrgenommen wird, scheinen andere Anwärter wie Chloé Zhaos Shakespeare‑Drama "Hamnet" und Josh Safdies Dramedy "Marty Supreme" nur noch geringe Chancen zu haben. 

Beste Hauptdarstellerin: Jessie Buckley als Favoritin

Jessie Buckley, die in "Hamnet" die Rolle der Agnes spielt, der naturverbundenen Ehefrau von William Shakespeare (Paul Mescal), hat große Chancen, den Oscar als beste Hauptdarstellerin zu gewinnen. Die irische Schauspielerin ist klare Favoritin in einer Kategorie, die traditionell für Überraschungen bekannt ist.

Filmstill aus "Hamnet", auf dem Menschen in historischen Kostümen vor einer Bühne stehen
Gilt als sichere Kandidatin für einen Oscar: Jessie Buckley als Agnes in "Hamnet" Bild: Agata Grzybowska/Focus Features/AP Photo/picture alliance

Timothée Chalamet hingegen, der in "Marty Supreme" die Titelrolle des Marty spielt - einen egozentrischen Gauner, der davon träumt, Tischtennis-Weltmeister zu werden -, schien zunächst auf dem besten Weg zu sein, den Oscar als bester Hauptdarsteller zu bekommen. Doch sein Kommentar während der Award-Kampagne, in dem Chalamet Ballett und Oper abtat als Kunstformen, "für die sich heute niemand mehr interessiert", löste einen viralen Backlash aus. Stattdessen wird nun "Blood & Sinners"- Star Michael B. Jordan als Favorit gehandelt. 

Spannend werden in diesem Jahr auch die Nebenrollen-Kategorien: Sean Penns in "One Battle After Another" tritt an gegen den schwedischen Schauspielveteranen Stellan Skarsgård, der für Joachim Triers norwegisches Melodram "Sentimental Value" nominiert ist.

Bei den besten Nebendarstellerinnen zeichnet sich ein potenzieller Dreikampf ab zwischen Amy Madigan, nominiert für ihre Rolle als Hexe in Zach Creggers Horror-Hit "Weapons - Die Stunde des Verschwindens", Teyana Taylor als innerlich zerrissene Revolutionärin in "One Battle After Another", sowie Wunmi Mosaku, nominiert für ihre Darstellung der Hoodoo-Heilerin Annie in "Blood & Sinners".

Filmstill aus "Sentimental Value": Stellan Skarsgård und Elle Fanning am Strand
"Sentimental Value" - mit neun Oscar-Nominierungen im RennenBild: Kasper Tuxen/Neon/AP Photo/picture alliance

In der Kategorie "Bester internationaler Film" gilt "Sentimental Value" des Norwegers Joachim Trier als Favorit. Ebenfalls hoch im Kurs stehen Jafar Panahis "It Was Just an Accident" und Kleber Mendonça Filhos Thriller "The Secret Agent".

Hollywood vs. Netflix

Netflix dürfte mit Guillermo del Toros opulentem Frankenstein zwar einige technische Auszeichnungen einfahren - voraussichtlich in den Kategorien Maske, Kostümdesign und Szenenbild. Und auch der Überraschungserfolg "KPop Demon Hunters" gilt als gesetzt: Der Film hat beste Chancen auf den Oscar für den besten Animationsfilm und für den besten Song - dank des Chart-Hits "Golden". 

Ein Flimstill aus "Frankenstein" zeigt Jacob Elordi als angeschnalltes Monster auf einer Bahre und Oscar Isaac als Victor Frankenstein
Ebenfalls hoch im Kurs: Guillermo del Toros Netflix-Produktion "Frankenstein"Bild: Netflix/AP Photo/picture alliance

Doch sofern sich kein großes Wunder ereignet, wird das Filmstudio Warner Bros., das sowohl "One Battle After Another" als auch "Blood & Sinners" produzierte, als diesjähriger König der Oscars hervorgehen.

Trotz dieser guten Nachrichten für Hollywood liegt ein Hauch von Melancholie über der 98. Oscar-Verleihung, denn der erwartete Triumph von Warner Bros. findet vor dem Hintergrund einer bevorstehenden Übernahme durch Paramount Global statt. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass Künstliche Intelligenz die Filmindustrie grundlegend erschüttern, wenn nicht gar zerstören könnte.

Adaption aus dem Englischen: Petra Lambeck