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FIFA-Chef Infantino für Rückkehr Russlands in Weltfußball

Jonathan Harding
3. Februar 2026

FIFA-Präsident Gianni Infantino sieht die Zeit gekommen, die Verbannung Russlands aus dem internationalen Fußball zurückzunehmen. In der Ukraine sorgen seine Worte für Empörung.

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FIFA-Präsident Gianni Infantino schüttelt 2019 bei einem Treffen im Kreml Russlands Präsident Wladimir Putin die Hand
FIFA-Präsident Gianni Infantino - hier 2019 mit Wladimir Putin - geht auf Russland zuBild: Yuri Kadobnov/AFP via Getty Images
  • Nach Ansicht von FIFA-Präsident Gianni Infantino ist es an der Zeit, die nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verhängte Verbannung Russlands vom internationalen Fußball wieder zurückzunehmen.
  • Das Echo auf Infantinos Worte ist nicht überraschend: Empörung in der Ukraine, Zustimmung aus Russland.
  • Infantinos Worte haben keinerlei Auswirkung auf die unmittelbar bevorstehenden Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo (6. bis 22 Februar). Dort dürfen nur wenige "neutrale" Aktive aus Russland starten.

Was hat Infantino genau gesagt?

Eine Reporterin des britischen Senders Sky fragte FIFA-Präsident Gianni Infantino, ob der Weltverband FIFA seiner Meinung nach die Verbannung Russlands aus dem Fußball aufheben sollte.

"Oh, auf jeden Fall. Das müssen wir. Ja, zumindest auf Jugendebene", antwortete Infantino. "Dieser Bann hat nichts gebracht. Er hat nur zu mehr Frustration und Hass geführt." Und der FIFA-Chef ergänzte: "Es wäre hilfreich, wenn Mädchen und Jungen aus Russland in anderen Teilen Europas Fußball spielen könnten."

Russland ist seit seinem Einmarsch in der Ukraine im Februar 2022, also seit vier Jahren, vom internationalen Fußball ausgeschlossen. Das russische Nationalteam durfte deshalb in jenem Jahr nicht bei der Weltmeisterschaft in Katar antreten und auch nicht an der Qualifikation für die Endrunde 2026 teilnehmen, die im kommenden Sommer (11. Juni bis 19. Juli) in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen wird. Seit Beginn des Banns hat die russische Nationalmannschaft der Männer nur noch Freundschaftsspiele bestritten.

2023 plante der europäische Fußballverband UEFA kurzzeitig, russische U17-Mannschaften wieder international zuzulassen. Begründung: Man wolle Kinder nicht für die Handlungen einer Regierung bestrafen. Aufgrund des Widerstands eines Dutzends nationaler Verbändesetzte die UEFA diesen Plan jedoch nicht um.

Das Exekutivkomitee der UEFA tritt am 11. Februar zusammen und hat theoretisch die Befugnis, Russland wieder zu seinen Vereins- und internationalen Turnieren zuzulassen. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat jedoch erklärt, Russland könne nur dann in den internationalen Fußball zurückkehren, wenn die Invasion in der Ukraine beendet sei.

Wie fielen die Reaktion auf Infantinos Worte aus?

Erwartbar. Der ukrainische Sportminister Matwij Bidny sagte gegenüber Sky News: "Gianni Infantinos Worte klingen unverantwortlich - um nicht zu sagen kindisch. Sie lösen den Fußball von der Realität, in der Kinder getötet werden." Krieg sei ein Verbrechen, keine Politik, fuhr Bidnyi fort.

"Es ist Russland, das den Sport politisiert und ihn zur Rechtfertigung von Aggressionen nutzt. Solange die Russen weiterhin Ukrainer töten und den Sport politisieren, haben ihre Flagge und ihre nationalen Symbole keinen Platz unter Menschen, die Werte wie Gerechtigkeit, Integrität und Fairplay respektieren." Außenminister Andrij Sybiha bezeichnete Infantino indirekt als "moralisch degeneriert".

Lob für den FIFA-Präsidenten gab es dagegen aus Russland. "Wir haben diese Erklärungen gesehen und begrüßen sie", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow: "Das ist etwas, worüber man schon vor langer Zeit hätte nachdenken sollen." Der russische Fußballverband gab zu Protokoll, dass er die "Position von Herrn Infantino voll und ganz" unterstütze.

Hat Infantinos Vorstoß eine Auswirkung auf die anstehenden Olympischen Winterspiele?

Nein. Wintersportlerinnen und -sportler aus Russland und Belarus dürfen bei den Spielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo nur als "neutrale" Einzelathleten starten - eine Sonderbezeichnung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für Aktive, deren Nationale Olympische Komitees suspendiert oder ausgeschlossen sind.

Die Aktiven aus Russland und Belarus dürfen keine Verbindungen zur Armee oder Sicherheitsdiensten haben und sich nicht öffentlich für den russischen Angriffskrieg in der Ukraine ausgesprochen haben. Ein dreiköpfiges IOC-Prüfgremium erteilt die finale Starterlaubnis.

Nach IOC-Angaben werden voraussichtlich 13 Wintersportlerinnen und -sportler aus Russland und sieben aus Belarus dabei sein (Stand: 29. Januar 2026). Das relativ kleine Aufgebot aus Russland steht in starkem Kontrast zu den beiden vorangegangenen Olympischen Winterspielen, obwohl es auch bei diesen bereits Sanktionen gegen das Land gab.

Ein russischer Eisschnelllauf Fan hält eine Russlandfahne über eine Bande, auf der die Olympischen Ringe zu sehen sind
Seit den Winterspielen 2014 in Sotschi, nach denen ein staatlich unterstütztes Dopingsystem entlarvt wurde, sind russische Fahnen bei Olympia tabuBild: David J. Phillip/AP Photo/picture alliance

Nachdem ein staatlich gefördertes Dopingsystem in Russland enttarnt worden war, durften Aktiven von dort bei den Spielen 2018 in Pyeongchang nur unter der Bezeichnung "Olympische Athleten aus Russland" antreten. Mehr als 160 russische Sportlerinnen und Sportler nahmen teil und gewannen 17 Medaillen.

2022 in Peking waren mehr als 200 russische Aktive dabei und holten 32 Medaillen. Wegen des Dopingskandals starteten sie erneut unter neutraler Flagge, diesmal mit der Bezeichnung "Russisches Olympisches Komitee". Vier Tage nach dem Ende der Winterspiele marschierte Russland in die Ukraine ein.

Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "FIFA boss Infantino wants Russia to return to football" adaptiert.