"Wuthering Heights": Neuverfilmung mit Rassismus-Debatte
3. Dezember 2025
Eine neue Verfilmung von "Wuthering Heights" der - so wird sie angepriesen - "größten Liebesgeschichte aller Zeiten", kommt am Valentinstag 2026 in die Kinos. Der Film von Regisseur Emerald Fennell ist mit Stars gespickt, Margot Robbie ("Barbie") als Catherine und Jacob Elordi ("Frankenstein") als Heathcliff spielen die Hauptrollen.
Der Trailer verspricht eine düstere Interpretation von Emily Brontës gleichnamigem Gothic-Roman aus dem Jahr 1847. Die Geschichte spielt in den Mooren West Yorkshires: alte englische Mauern, viel Erotik und eine zum Scheitern verurteilte Liebe. Die schiere Menge an Regen, Nebel und schmerzerfüllten Blicken lässt vermuten, dass es für die unglücklich Liebenden kein gutes Ende geben wird.
Der Trailer enthält auch einen neuen Song, "Chains of Love", von Popstar Charli XCX, die den Soundtrack zum Film geschrieben hat - ihr erstes Album nach ihrem weltweiten Hit "Brat".
Für alle, die den Roman nicht gelesen haben und vielleicht nur den Song "Wuthering Heights" von Kate Bush aus dem Jahr 1978 als einzige Quelle kennen, hier die Handlung in Kurzform: Heathcliff ist ein Waisenkind aus Liverpool, das als "dunkelhäutiger Zigeuner" beschrieben wird - ein Begriff, der im Kontext des 19. Jahrhunderts in Großbritannien Fremdheit oder rassische Unterschiede implizierte. Die hellhäutige Familie Earnshaw nimmt ihn auf, grenzt ihn aber aus. Einzig zu Catherine, der Tochter des Hauses, hat er eine enge Beziehung; doch auch sie weist ihn letztendlich ab und heiratet den reichen Edgar Linton, um ihren sozialen Status zu verbessern. Heathcliffs Liebe verwandelt sich in unbändigen Hass.
"Aufregende" Darstellung von Gewalt
Emily Brontë starb im Alter von 30 Jahren, kurz nachdem der Roman - ihr einziger - veröffentlicht worden war. Er erhielt vernichtende Kritiken und schockierte Leserschaft und Kritik gleichermaßen.
Doch nach ihrem Tod begann sich der Ruf des Buches zu wandeln. Autorinnen wie Virginia Woolf trugen dazu bei, Emily Brontës Arbeit als Meisterwerk der englischen Literatur zu etablieren. Die Geschichte fand über die Jahre hinweg großen Anklang beim Publikum, was zu mindestens 14 großen Verfilmungen sowie Fernsehserien, Theaterstücken und sogar einem Bollywood-Film führte.
Warum fasziniert die Geschichte der "Wuthering Heights" (deutscher Titel: "Sturmhöhe") das Publikum auch heute noch? "Sie verbindet Romantik-Klischees und das unglückliche Ende mit einer Aggressivität und Gewalt, die in dem Roman sehr explizit dargestellt wird und auch nach heutigen Maßstäben noch schockierend ist. Dieser Voyeurismus hat sich über die Jahrhunderte hinweg gehalten", erklärt Caroline Kögler, Professorin für englische Philologie an der Freien Universität Berlin. Brontë stelle Gewalt als "gleichzeitig erschreckend und aufregend" dar.
Rassismus: Das übersehene Problem
Es gibt jedoch einen problematischeren Aspekt des Romans, der über das übliche zentrale Thema der gesellschaftlichen Klasse hinausgeht. Heathcliff wird zu einem Monster gemacht - ein Produkt des kolonialen Kontexts, in dem das Buch geschrieben wurde und leider auch ein Teil dessen, was die Geschichte damals interessant machte.
"Anfangs werden wir ein wenig dazu ermutigt, mit Heathcliff zu sympathisieren, der von seinen Geschwistern misshandelt wurde. Aber dann tritt das in den Hintergrund, und während eines Großteils der Handlung ist er einfach nur dieser Peiniger und Aggressor der Weißen", erklärt Kögler.
"Meine Interpretation und die vieler anderer ist, dass der Roman diese Gewalt und Aggression mit einem rassistischen Thema verbindet, das auch heute noch von Bedeutung ist - wir haben es immer noch mit einer Gesellschaft zu tun, die marginalisierte Gruppen ausgrenzt und sie als gefährlich oder aggressiv darstellt, obwohl sie in Wirklichkeit selbst Opfer sind", ergänzt sie.
Spiel mit Ängsten
Gothic-Romane spielten mit Themen der Angst, darunter die Angst vor dem "Anderen", sei es ein Monster (das Übernatürliche war ein häufiges Motiv in der Gothic-Literatur, so auch in "Frankenstein" oder "Dracula") oder ein Mensch.
In dem berühmten Roman "Jane Eyre" von Emily Brontës Schwester Charlotte gibt es ebenfalls eine rassistisch beschriebene Figur: Bertha. Sie wird wiederholt für alles Schlechte verantwortlich gemacht - eine typische Haltung im viktorianischen Zeitalter.
Als "Wuthering Heights" 1847 in Großbritannien veröffentlicht wurde, war die Sklaverei seit etwas mehr als einem Jahrzehnt verboten. In den USA hingegen war sie noch legal, und viele Briten waren durch Handel und Finanzen wirtschaftlich noch immer involviert.
"Wuthering Heights", so Kögler, sollte die Angst schüren, dass sich eines Tages "die Rollen umkehren könnten und jemand wie Heathcliff als angehender Plantagenbesitzer auftreten könnte, der diejenigen quält und misshandelt, die von ihm abhängig sind".
Filmadaptionen, sagt sie, stünden vor der Frage, wie sie dem Roman treu bleiben können, "ohne diese ziemlich fragwürdige Dynamik zu reproduzieren, bei der ein rassistisch dargestelltes Subjekt für alles verantwortlich gemacht wird".
"Wuthering Heights": unverfilmbar?
Aus diesem und anderen Gründen wurde der Roman von Regisseuren als äußerst schwer zu adaptieren beschrieben; einige Filmemacher bezeichneten ihn gar als fast unverfilmbar.
Peter Kosminsky, Regisseur des Films von 1992, sagte später, er bereue es, seine Version gedreht zu haben, und bezeichnete sie als "wirklich schreckliche Adaption". Der Film von Andrea Arnold aus dem Jahr 2011 dagegen stellte die Frage der ethnischen Zugehörigkeit in den Vordergrund. Die britische Regisseurin besetzte die Rolle des Heathcliff mit einem schwarzen Schauspieler und zeigte eine menschlichere Seite von ihm, als man sie aus Brontës Roman kannte.
Die Besetzung des neuen Films hat bereits Debatten darüber ausgelöst, wie werktreu er sein wird. Margot Robbie, Mitte 30, wird als zu alt angesehen, um die Teenagerin Catherine aus dem Roman zu verkörpern, während Jacob Elordi nicht die ethnische Zugehörigkeit von Heathcliff zu haben scheint. Anfang dieses Jahres verteidigte die Casting-Direktorin des Filmemachers, Kharmel Cochrane, die Auswahl mit der Begründung, es bestehe "keine Notwendigkeit, genau zu sein", da es sich bei der Vorlage "nur um ein Buch" handele. Puristen könnten anderer Meinung sein.
Adaption aus dem Englischen: Katharina Abel