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WM-Auslosung: Trump, Infantino und der Friedenspreis

Matt Pearson
5. Dezember 2025

An diesem Freitag werden die Gruppen der Fußball-WM 2026 ausgelost. Ist FIFA-Chef Gianni Infantino wirklich ein enger Freund von US-Präsident Donald Trump oder versucht er nur, sich mit ihm gut zu stellen?

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Donald Trump (l.) und Gianni Infantino beim Besuch des Finals der Klub-WM 2025 zwischen Chelsea und Paris St. Germain
Donald Trump (l.) und Gianni Infantino betonen öffentlich ihre Freundschaft - alles nur Show?Bild: Ulrich Hufnagel/IMAGO

Die Augen der politischen Welt waren das ganze Jahr 2025 über fest auf Washington gerichtet, an diesem Freitag kommen auch die Augen der Fußballwelt hinzu. Dann werden in Washington die Gruppen für die Weltmeisterschaft 2026 ausgelost. Die WM-Endrunde - erstmals mit 48 Mannschaften statt bisher 32 - wird vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen.

Das deutsche Supermodel Heidi Klum sowie die US-Schauspieler Kevin Hart und Danny werden die Veranstaltung im John F. Kennedy Center moderieren. Gianni Infantino, der Präsident des Fußball-Weltverbands FIFA, leitet die Auslosung. Aber selbst der mächtigste Mann im größten Sport der Welt wird wahrscheinlich im Schatten von US-Präsident Donald Trump stehen, trotz der öffentlich immer wieder bekundeten Freundschaft zwischen beiden.

"Ich habe wirklich Glück. Ich habe ein großartiges Verhältnis zu Präsident Trump, den ich als einen engen Freund betrachte", sagte Infantino kürzlich und hob zu einer Lobrede auf Trump an: "Natürlich war er bei allem, was wir für die Weltmeisterschaft tun, sehr, sehr hilfreich. Er hat eine unglaubliche Energie, die ich wirklich bewundere. Er handelt. Er tut, was er sagt. Er sagt, was er denkt. Er sagt eigentlich das, was viele Menschen auch denken, aber vielleicht nicht zu sagen wagen."

Trump und Infantino - ein Zweckbündnis? 

Angesichts der Tatsache, dass die USA die meisten Spiele des Turniers 2026 ausrichten werden, findet Sylvia Schenk die enge Zusammenarbeit zwischen Infantino und Trump normal.

"Wenn die Weltmeisterschaft nicht in den USA stattfinden würde, würde sich Trump gar nicht um Infantino scheren", sagt die ehemalige Leichtathletin, die 1972 bei den Olympischen Spielen in München im 800-Meter-Lauf startete, im Gespräch mit der DW. "Umgekehrt gilt das Gleiche. Infantino braucht nächstes Jahr ein gutes Turnier, und dafür benötigt er eine funktionierende Beziehung zu Trump."

Sylvia Schenk bei einer Podiumsdiskussion der SPOBIS-Konferenz im Januar 2024 in Hamburg
Sylvia Schenk hält die öffentlich bekundete Freundschaft zwischen Trump und Infantino für eine pragmatische VerbindungBild: Steinbrenner/IMAGO

Die Juristin Schenk arbeitet für die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, ist Schlichterin am Internationalen Sportgerichtshof (CAS) und war Mitglied des Menschenrechtsbeirats der FIFA, der von 2017 bis 2021 tagte.

Infantino müsse einen schwierigen Balanceakt vollbringen, um Trump bei Laune zu halten, glaubt Schenk. Dabei helfe ihm, dass die beiden ähnliche Charaktereigenschaften hätten.

"Beide sind eitel, wollen geschmeichelt werden und haben ein sehr, sehr, sehr großes Ego", sagt die 73-Jährige, die während ihrer Arbeit bei der FIFA Gelegenheit hatte, Infantino kennenzulernen. Je länger der FIFA-Chef an der Macht gewesen sei, desto weniger Interesse habe er an Menschenrechtsfragen gehabt, erinnert sich Schenk.

Wie unpolitisch ist die FIFA?

Infantino pocht ständig auf die politische Neutralität der FIFA. Der Weltverband verbietet offene politische Gesten von Spielern oder auch Trainern. Dennoch trat der FIFA-Chef selbst etwa bei den Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas für den Gazastreifen an der Seite des US-Präsidenten auf.

Das war der jüngste einiger Auftritte Infantinos auf der politischen Bühne, die für Stirnrunzeln sorgten. Ebenso wie seine Entscheidung, einen Friedenspreis der FIFA einzuführen, der am Freitag im Rahmen der WM-Auslosung, nur eine Meile vom Weißen Haus entfernt, erstmals verliehen werden soll.

Obwohl der Preisträger noch nicht offiziell bestätigt ist, liegt die Vermutung nahe, dass er an Trump gehen wird. Der US-Präsident hatte sich selbst als, wie er meinte, verdienten Gewinner des diesjährigen Friedensnobelpreises gesehen. Das Nobelkomitee hatte die Auszeichnung jedoch an die venezolanische Oppositionspolitikerin Maria Corina Machado verliehen - nur wenige Wochen vor der Einführung des FIFA-Friedenspreises.

"Die Frage ist, ob Infantino den Bogen überspannt. Und ich denke, ein Friedenspreis [für Trump - Anm. d. Red.] wäre deutlich drüber", sagt Schenk.

Trump bringt Infantino in Verlegenheit

US-Präsident Trump hat eine Reihe von Entscheidung getroffen, die sich direkt auf das Turnier auswirken werden. In der vergangenen Woche verkündete der iranische Fußballverband zunächst seinen Boykott der WM-Auslosung, weil die US-Regierung einigen Delegierten Einreisevisa verweigerte.

Ein Verbandssprecher wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass Infantino im vergangenen März bei einem Besuch in der Kabine des iranischen Teams zugesichert habe, dass die Anwesenheit der iranischen Delegation "vom Beginn der Auslosungszeremonie bis zum letzten Tag der Teilnahme der Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft, einschließlich der Workshops" garantiert sei.

Zwei Tage vor der Auslosung rückte der iranische Verband von seiner Boykott-Ankündigung ab und erklärte, nun doch mit zwei Vertretern an der Veranstaltung in Washington teilzunehmen.

Irans Fußballer bejubeln im März 2025 einen Treffer im WM-Qualifikationsspiel in Teheran gegen Usbekistan
Irans Fußballer sind für die WM 2026 qualifiziert, ihre Fans aber bleiben aber aller Voraussicht nach beim Turnier außen vorBild: AFP/Getty Images

Der Iran steht - ebenso wie WM-Teilnehmer Haiti - auf einer Liste von Ländern, für die Trump ein pauschales Einreiseverbot verhängt hat. In dem Trump-Erlass werden zwar unter anderen "alle Athleten oder Mitglieder einer Sportmannschaft" ausgenommen, wenn sie "zur Weltmeisterschaft, zu den Olympischen Spielen oder einer anderen vom Außenminister bestimmten großen Sportveranstaltung reisen". Doch Fußballfans dieser Länder sind von der WM ausgeschlossen.

Droht der FIFA ein Dilemma?

Mitte November drohte Trump erneut damit, US-Städten, die von den Demokraten kontrolliert werden, WM-Spiele zu entziehen. "Sollten wir auch nur den geringsten Verdacht auf Probleme haben, würde ich Gianni bitten, die Veranstaltung in eine andere Stadt zu verlegen", sagte Trump mit einem Blick zu Infantino, der neben ihm im Oval Office stand.

Der FIFA-Chef reagierte ausweichend. Die Sicherheit habe für eine erfolgreiche WM höchste Priorität, sagte Infantino. "Wir sehen heute, dass die Menschen Vertrauen in die Vereinigten Staaten haben."

Sylvia Schenk hält es für denkbar, dass Infantino angesichts der politischen Situation irgendwann gezwungen sein könnte, sich gegen den US-Präsidenten stellen.

Andererseite befände sich die FIFA, dann in einem Dilemma, so Schenk: "Wenn Trump eines Tages - in vier Wochen, im Februar oder wann auch immer - sagt: 'Wir werden die Spiele von Los Angeles in eine andere Stadt verlegen', wird es für die FIFA sehr schwierig sein zu erwidern: 'Wir akzeptieren die Risikobewertung der US-Regierung nicht. Wir halten es für sicher und werden dort bleiben.' Das ist ebenfalls riskant."

Der Artikel wurde aus dem englischen Original "World Cup 2026 draw: Trump, Infantino and a peace prize" adaptiert.

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