Widerstand gegen die Olympischen Spiele in Tokio 2020 wächst | Sport | DW | 23.03.2020
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Corona-Pandemie

Widerstand gegen die Olympischen Spiele in Tokio 2020 wächst

Kanada verzichtet wegen der Corona-Krise auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio, sollte es beim geplanten Termin im Sommer bleiben. Auch Australien bereitet seine Athleten auf eine Verschiebung vor.

"Es geht nicht nur um die Gesundheit der Sportler - es geht um die öffentliche Gesundheit", heißt es in der Erklärung der Olympischen (COC) und Paralympischen Komitees Kanadas (CPC). "Mit COVID-19 und den damit verbundenen Risiken ist es für unsere Athleten und die Gesundheit und Sicherheit ihrer Familien und der gesamten kanadischen Gemeinschaft nicht sicher, dass die Athleten weiterhin für diese Spiele trainieren." Deshalb würden keine Athleten nach Tokio geschickt, sollte es bei den geplanten Terminen für die Olympischen Spiele (24. Juli bis 9. August) und die Paralympics (25. August bis 6. September) bleiben. Das COC und das CPC appellieren "dringend" an das Internationale Olympische Komitee (IOC) und Internationale Paralympische Komitee (IPC), die Veranstaltungen wegen der Corona-Krise um ein Jahr zu verschieben.

Ähnlich äußerte sich auch das Australische Olympische Komitee (AOC). "Es ist klar, dass die Spiele nicht im Juli ausgetragen werden können", sagte Ian Chesterman, Chef de Mission der Australier nach einer Krisensitzung des AOC. "Unsere Athleten haben eine hervorragende positive Einstellung zum Training und zur Vorbereitung gezeigt, aber der Stress und die Unsicherheit waren für sie eine große Herausforderung". Die Gesundheit der Sportler und ihrer Familien müsse Vorrang haben, ergänzte AOC-Vorstandschef Matt Carroll.

Freitag: "Hinhaltetaktik des IOC"

Fechter Max Hartung nimmt nicht an den Sommerspielen in Tokio in 2020 teil (picture-alliance/dpa/G. Kirchner)

Fechter Max Hartung nimmt nicht an den Sommerspielen in Tokio in 2020 teil

Auch in Deutschland formiert sich der Widerstand. Säbelfechter Max Hartung, Vorsitzender des Vereins "Athleten Deutschland", gab bekannt, dass er nicht an den Spielen in Tokio teilnehmen werde, wenn sie doch im Sommer stattfinden sollten. "Ich mache mir Gedanken, wie ich als Sportler dazu beitragen kann, dass wir möglichst alle gut durch die Krise kommen. Für mich war schnell klar, dass das bedeutet, zu Hause zu bleiben", sagte Hartung.

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, warf dem IOC "eklatantes Führungsversagen" vor. "Die Hinhaltetaktik des IOC produziert einen massiven Vertrauensverlust", sagte die SPD-Politikerin in einem Radio-Interview mit "hr-iNFO": "Da zerplatzen gerade Lebensträume. Die Sportler haben teilweise vier Jahre auf dieses Ereignis hin trainiert. Ich persönlich wäre sehr dafür, eine Verschiebung ins nächste Jahr zu planen, das halte ich für machbar."

Auch der japanische Premierminister Shinzo Abe zog erstmals öffentlich in Betracht, die Spiele zu verlegen. "Wenn man mich fragt, ob die Olympischen Spiele in diesem Moment durchgeführt werden können, müsste ich antworten, dass die Welt nicht in einem solchen Zustand ist", sagte Abe bei einer Parlamentssitzung. Er hoffe auf eine Gelegenheit, mit IOC-Präsident Thomas Bach darüber sprechen zu können.

Verschiebung um ein Jahr?

Am Sonntag hatte das IOC erklärt, innerhalb von vier Wochen darüber zu entscheiden, ob die Spiele in Tokio wegen der Corona-Pandemie verschoben werden müssen. "Menschenleben haben Vorrang vor allem, auch vor der Austragung der Spiele. Das IOC will Teil der Lösung sein", sagte IOC-Chef Thomas Bach.

Optionen wären, die Sommerspiele auf kommenden Herbst, auf Sommer 2021 oder auf 2022 zu verlegen. Am wahrscheinlichsten dürfte ein Termin im kommenden Jahr sein - auch wenn es zu Terminkollisionen mit den dann geplanten Weltmeisterschaften der Schwimmer in Fukuoka in Japan (16. Juli bis 1. August) und der Leichtathleten in Eugene in den USA (6. bis 15. August) kommen könnte. Der Leichtathletik-Weltverband World Athletics erklärte, man sei bereit, mit dem IOC über einen anderen Termin zu verhandeln.

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