USA kündigen Abzug von 5000 Soldaten aus Deutschland an
2. Mai 2026
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat den Abzug von etwa 5000 US-Soldaten aus Deutschland angeordnet. Man gehe davon aus, dass der Abzug innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate abgeschlossen sein werde, teilte ein Sprecher des Pentagons mit. Diese Entscheidung folge einer gründlichen Überprüfung der US-Truppenpräsenz in Europa. Sie trage den Anforderungen der Einsatzgebiete sowie den Bedingungen vor Ort Rechnung, hieß es.
US-Präsident Donald Trump hatte jüngst bereits angekündigt, einen entsprechenden Schritt zu prüfen. Zuvor hatte er deutliche Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz geübt, weil dieser sich kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäußert hatte.
Pistorius: Entscheidung war absehbar
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius machte in einer ersten Reaktion deutlich, dass die Entscheidung nicht unerwartet komme. Dass die USA Truppen aus Europa und auch aus Deutschland abziehen würden, "war absehbar", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich betonte er, die Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa und besonders in Deutschland sei "in unserem Interesse und im Interesse der USA".
Insgesamt unterhält die US-Armee rund 20 Einrichtungen in Deutschland, vor allem im Süden und Südwesten. Die wichtigsten Standorte sind der Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein und das US-Regionalkommando für Europa und Afrika in Stuttgart. Der US-Truppenübungsplatz im bayerischen Grafenwöhr gilt als einer der größten in Europa. Am Fliegerhorst im rheinland-pfälzischen Büchel lagern US-Atomwaffen. In Landstuhl ist das größte Militärkrankenhaus der USA außerhalb der Vereinigten Staaten.
Ein hochrangiger Beamter aus dem Washingtoner Verteidigungsministerium sagte nach Angaben der Agentur Reuters, der nun geplante Abzug aus Deutschland werde die Zahl der US-Truppen in Europa wieder auf das Niveau von vor 2022 zurückführen, als Russlands Invasion in der Ukraine eine Aufstockung durch den damaligen Präsidenten Joe Biden zur Folge hatte. Ein derzeit in Deutschland stationiertes Brigade-Kampfteam werde abgezogen, und ein Fernfeuerbataillon, dessen Entsendung die Biden-Regierung für 2026 geplant habe, komme nun nicht mehr.
NATO will Einzelheiten in Erfahrung bringen
Die NATO versucht derweil nach eigenen Angaben, nähere Einzelheiten zu erfahren. "Wir arbeiten mit den USA zusammen, um die Details ihrer Entscheidung zur Truppenpräsenz in Deutschland zu ergründen", teilte eine Sprecherin des Militärbündnisses auf der Plattform X mit. Die "Anpassung" unterstreiche aber die Notwendigkeit, dass Europa sich stärker im Verteidigungsbündnis engagiere, verstärkt in die Verteidigung investiere und einen größeren Teil der Verantwortung für die gemeinsame Sicherheit übernehme.
Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit mit einer Reduzierung des Truppenkontingents in Deutschland gedroht. Sein Nachfolger Joe Biden stoppte die Pläne jedoch nach seinem Amtsantritt Anfang 2021.
Drohungen auch an Italien und Spanien
Vor dem Hintergrund des Streits um das Vorgehen der USA im Iran-Krieg drohte der US-Präsident inzwischen auch Italien und Spanien mit einem Abzug von US-Truppen. "Das werde ich wahrscheinlich tun, warum sollte ich es auch nicht tun?", antwortete er am Donnerstag auf eine entsprechende Journalistenfrage.
In Europa gibt es seit Jahrzehnten Dutzende große US-Militärstützpunkte. Bei den weltumspannenden Einsätzen der Amerikaner - etwa im Nahen Osten - sind sie von großer Bedeutung, weil dort Truppen, Waffen, Schiffe und Flugzeuge stationiert sind. An den Stützpunkten werden beispielsweise auch Drohnen gesteuert oder Verletzte versorgt. Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 86.000 Soldaten in Europa stationiert - davon rund 39.000 in Deutschland. Die Zahl verändert sich regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen.
Der US-Kongress hatte Ende vergangenen Jahres einen Sicherheitsmechanismus beschlossen: Die Gesamtzahl der Streitkräfte, die dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europa-Kommandos sind, darf nicht länger als 45 Tage unter 76.000 liegen. Danach müssten bestimmte Berichtswege eingehalten werden, um eine Verringerung anzustrengen.
gri/pg (dpa, afp, rtr)