Merz bleibt nach Trump-Attacke bei Kritik am Iran-Krieg
29. April 2026
"Das persönliche Verhältnis zwischen dem amerikanischen Präsidenten und mir ist - jedenfalls aus meiner Sicht - unverändert gut", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz vor Journalisten in Berlin. "Wir sind nach wie vor in guten Gesprächen miteinander." Damit reagierte der Kanzler indirekt auf scharfe Angriffe von Donald Trump.
Trumps scharfe Vorwürfe
Trump hatte Merz auf seiner Plattform Truth Social ungewöhnlich deutlich angegriffen. "Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!", schrieb der US-Präsident. Zudem erklärte er, es sei kein Wunder, "dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!"
Darüber hinaus warf Trump dem Kanzler vor, er halte es "für in Ordnung, wenn der Iran Atomwaffen hat". Eine Begründung für diesen Vorwurf lieferte er nicht. Tatsächlich hatte Merz wiederholt betont, dass der Iran keinesfalls in den Besitz von Atomwaffen gelangen dürfe.
Merz sieht USA vom Iran gedemütigt
Merz hatte am Montag bei einer Schulveranstaltung in Nordrhein-Westfalen mit Blick auf die Vereinigten Staaten gesagt, "da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung". Der Bundeskanzler sagte zudem, "die Amerikaner haben offensichtlich keine Strategie". Das Problem bei solchen Konflikten sei immer: "Da muss man ja nicht nur rein, da muss man auch wieder raus. Das haben wir ganz schmerzhaft bei Afghanistan gesehen, 20 Jahre lang. Wir haben das im Irak gesehen", fuhr Merz fort.
"Diese Geschichte ist wie gesagt zumindest unüberlegt, und ich erkenne im Augenblick nicht, welchen strategischen Exit die Amerikaner jetzt wählen, zumal die Iraner offensichtlich sehr geschickt verhandeln oder eben sehr geschickt nicht verhandeln", sagte der CDU-Politiker weiter bei der Veranstaltung am Montag.
Wirtschaftliche Folgen für Europa
Besonders deutlich warnte der Kanzler nun vor den konkreten Auswirkungen des Konflikts auf Deutschland und Europa. "Wir leiden erheblich in Deutschland und in Europa unter den Folgen etwa der Schließung der Straße von Hormus", sagte er.
Die Blockade dieser zentralen Handelsroute habe "unmittelbare Auswirkungen auf unsere Energieversorgung" und "massive Auswirkungen auf unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit". Seit Beginn der Kampfhandlungen ist die Meerenge für den internationalen Öl- und Flüssiggashandel stark eingeschränkt, was weltweit steigende Energiepreise zur Folge hat. "Insofern dränge ich darauf, dass dieser Konflikt beigelegt wird", betonte Merz.
pgr/pg (afp, dpa, rtr)