Ramstein Air Base: Militärisches Drehkreuz der USA in Europa
9. März 2026
Der Stützpunkt Ramstein ist eine Welt für sich. Im Westen Deutschlands, nahe dem Ort Ramstein-Miesenbach, erstreckt sich ein weitläufiges Militärgelände mit Landebahnen, Hangars und zahlreichen Gebäuden. Die Luftwaffenbasis ist wie eine eigene kleine Stadt mitten im ländlichen Rheinland-Pfalz, streng abgeriegelt von der hügeligen Landschaft darum herum. Und auch wenn die Ramstein Air Base auf deutschem Staatsgebiet liegt, genießt sie doch ähnlich wie eine ausländische Botschaft Immunität: Deutsche Beamte und Politiker dürfen sie nur mit Zustimmung des US-Kommandeurs betreten.
Rund 9000 Menschen arbeiten hier. Es ist der größte Luftwaffenstützpunkt der USA in Europa. "Die Ramstein Air Base ist ein unglaublich wichtiges logistisches Drehkreuz für das US-Militär", sagt der frühere NATO-Direktor William Alberque im Interview mit der DW. "Die Air Base wird auch das Tor nach Europa genannt. Von hier aus gehen die Flüge aus den USA weiter nach Afrika und in den Nahen und Mittleren Osten." Was Ramstein nicht ist, sagt Alberque auch: "Ramstein ist kein Drehkreuz für Kampfeinsätze."
Zu den rein militärischen Einrichtungen kommt noch das nahe gelegene Landstuhl Regional Medical Center, das größte amerikanische Militärkrankenhaus außerhalb der USA. Insgesamt leben in der Region rund 50.000 Amerikaner einschließlich ihrer Familien. Es gibt eigene Schulen, Läden und Dienstleister, gezahlt wird oft in Dollar. Die US-Einrichtungen haben auch für die regionale Wirtschaft eine große Bedeutung.
Ramstein wurde immer wichtiger
Angefangen hat alles 1952 auf einem Flugplatz, den Adolf Hitlers Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg genutzt und den die US-Armee kurz vor Ende des Krieges 1945 erobert hatte. Aus dem Flugplatz und einem Verwaltungstrakt wurde nach und nach ein immer größerer Komplex für die US-Truppen in Deutschland und schließlich für die NATO.
Seit 1971 ist in Ramstein das Military Airlift Command mit seinen Transportflugzeugen stationiert. 1973 wurde das Hauptquartier der United States Air Forces in Europe von Wiesbaden nach Ramstein verlegt. Ein Jahr später bekam Ramstein zusätzlich eine NATO-Kommandobehörde zur Führung von Luftstreitkräften. Von Ramstein aus überwacht die NATO die Raketenabwehr des Bündnisses sowie die Weltraumaktivitäten der Mitgliedsstaaten. Auch die NASA nutzt Ramstein manchmal für Forschungsflüge.
In den 80er Jahren war die Ramstein Air Base zweimal weltweit in den Schlagzeilen: Im August 1981 verübten Mitglieder der linksextremistischen Rote Armee Fraktion einen Sprengstoffanschlag auf den Stützpunkt, bei dem 20 Personen zum Teil schwer verletzt wurden. US-Militäreinrichtungen waren damals wiederholt Ziele linksextremer Attentäter.
Im August 1988 fand eine Flugschau in Ramstein statt. Als Maschinen einer italienischen Kunstflugstaffel in der Luft kollidierten, stürzte eines der Flugzeuge in die Zuschauermenge. 70 Menschen starben, hunderte weitere wurden verletzt. Es war eine der größten Flugschau-Katastrophen der Geschichte. Seitdem hat es in Ramstein keine Flugschauen mehr gegeben.
Vermutlich bis 2005 - offiziell wurde das nie bestätigt - lagerten auf der Air Base auch Atomwaffen, die nach Ansicht von Experten in dem Jahr abgezogen wurden. Der Stützpunkt Büchel in der Eifel gilt heute als einziger Ort in Deutschland, wo US-Kernwaffen gelagert werden.
Steuerung von Kampfdrohnen
Eine wachsende Bedeutung hat Ramstein durch seine Flugleitzentrale für die Steuerung von US-Kampfdrohneneinsätzen. Das führte immer wieder zu Debatten über eine mögliche Verwicklung Deutschlands in die gezielte Tötung von Terrorverdächtigen in Asien und Afrika.
Auch ein Gerichtsprozess gegen den deutschen Staat wurde zu dieser Frage geführt. Es ging um tödliche Drohnenangriffe auf Ziele im Jemen, die 2012 von Ramstein gesteuert worden waren. Beschwerdeführer waren zwei Jemeniten, deren Verwandte bei diesem US-Drohneneinsatz getötet worden waren. Das Bundesverfassungsgericht urteilte 2025 zwar, dass Ramstein in diesem Fall rechtmäßig genutzt worden sei. Ein Freibrief für die uneingeschränkte militärische Nutzung Ramsteins war das Urteil aber nicht.
In die Schlagzeilen geriet Ramstein darüber hinaus durch mutmaßliche Flüge von entführten Terrorverdächtigen über den US-Stützpunkt in Geheimgefängnisse.
Treffen zur Unterstützung der Ukraine in Ramstein
Auch für Evakuierungsflüge wird der Flughafen regelmäßig genutzt. So spielte Ramstein eine zentrale Rolle bei der Evakuierung von Menschen aus Afghanistan im Sommer 2021 nach der Machtübernahme der Taliban.
Nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine haben eine Zeitlang Treffen der Unterstützerstaaten der Ukraine in Ramstein stattgefunden. Es war der US-Verteidigungsminister, der dazu einlud, nicht der deutsche, ein Zeichen, wer hier das Sagen hat. Bald hatte sich der Ausdruck Ramstein-Gruppe eingebürgert. Die Treffen in Ramstein endeten mit dem Amtsantritt von Donald Trump Anfang 2025.
Trump drohte mit Truppenreduzierung
Donald Trump drohte 2020 während seiner ersten Präsidentschaft eine massive Reduzierung der in Deutschland stationierten US-Truppen an. Begründung: Deutschland zahle nicht genug für seine Verteidigung. Das hätte natürlich auch Ramstein getroffen. Der frühere Oberbefehlshaber der US-Truppen in Europa, General Ben Hodges, kritisierte die Pläne damals im Magazin "Der Spiegel" scharf als "kolossalen Fehler" und sagte: "Die Entscheidung illustriert, dass der Präsident nicht verstanden hat, wie essenziell die in Deutschland stationierten US-Truppen für die Sicherheit Amerikas sind."
Trump hat zwar auch zu Beginn seiner zweiten Amtszeit Anfang 2025 die US-Truppenpräsenz in Deutschland infrage gestellt. Doch inzwischen hat Deutschland seine Verteidigungsausgaben massiv erhöht. Seit dem Amtsantritt von Bundeskanzler Friedrich Merz im Mai 2025 und mehreren Besuchen des Kanzlers in Washington sind solche Töne verstummt. Spätestens mit Beginn der jüngsten Angriffe der USA auf den Iran im März 2026 hat sich erneut gezeigt, welche Bedeutung Ramstein als Logistik-Basis in Europa hat.
Spanien hat seine Stützpunkte für die USA vorübergehend gesperrt, weil die Regierung die Angriffe auf den Iran für völkerrechtswidrig hält. Die Linkspartei in Deutschland fordert das mit derselben Begründung auch für Ramstein.
Aber abgesehen davon, dass sich Kanzler Merz hinter die US-Einsätze gestellt hat - wäre das rechtlich möglich? "Es wäre sehr schwierig für die Bundesregierung, die US-Operationen in Ramstein zu begrenzen", sagt der frühere NATO-Direktor William Alberque der DW. "Wenn sie wollten, könnten sie es tun, aber es wäre sehr ungewöhnlich, und ich glaube nicht, dass sie das wollen."