Liebe, Business, Pferde - Sophie Hinners und Richard Vogel
26. Mai 2026
"Ich weine nicht oft. Aber heute ist es ein schöner Grund, Tränen in den Augen zu haben", sagte Richard Vogel nach dem größten Erfolg seiner bisherigen Karriere. Soeben hatte der 29-Jährige auf seinem Hengst United Touch den Großen Preis von Aachen gewonnen - den weltweit wichtigsten und prestigeträchtigsten Wettbewerb im Springreiten.
Die Prüfung gehört zum Rolex Grand Slam, einer hochdotierten Major-Turnierserie. Da Vogel im März bereits den Grand Prix in s'Hertogenbosch in den Niederlanden gewonnen hatte, brachte ihm der Sieg in Aachen zusätzlich zur Siegprämie von 500.000 Euro einen Bonus von einer weiteren halben Millionen Euro ein.
Wichtiger als das Geld war Vogel aber der Titel an sich. "Hier zu gewinnen, ist das Nonplusultra", sagte er. "Das ist ein absoluter Kindheitstraum, der in Erfüllung geht."
Nach zwei fehlerfreien Umläufen blieb Vogel in Aachen im Stechen erneut ohne Abwurf und setzte sich mit der schnellsten Zeit vor José Maria Larocca aus Argentinien und der Deutschen Sophie Hinners durch.
Dass er ausgerechnet gegen Hinners antreten musste, als es um alles ging, war speziell - schließlich sind die beiden nicht nur Konkurrenten im Sattel, sondern seit fünf Jahren privat ein Paar und fast genauso lange erfolgreiche Geschäftspartner.
Fulltime-Job als Gestütsbesitzer neben dem Sport
Gemeinsam betreiben sie in Pfungstadt, rund 50 Kilometer südlich von Frankfurt am Main, einen Stall - das Gestüt Prinzenberg. "Das Zuhause für den Springsport" nennen sie ihre Anlage, auf der sie mit den Pferden trainieren, die sie im Wettkampf reiten, aber auch andere ausbilden, sogar selbst züchten und verkaufen. Mit zum erfolgreichen Trio gehört David Will, ebenfalls einer der besten deutschen Springreiter, der schon in Nationenpreisen für die deutsche Equipe angetreten ist.
Auch wenn der Betrieb in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist und Hinners und Vogel dort mittlerweile einen großen Stab an Mitarbeitern beschäftigen, soll er eine bestimmte Größe nicht überschreiten.
"Ganz wichtig ist, dass man immer noch genug Zeit für das einzelne Pferd hat und es nicht zu einer Art Massenproduktion wird", sagte Vogel gegenüber der Deutschen Welle (DW) bereits vor einiger Zeit.
"Ich denke, es ist unsere größte Stärke, dass wir ein Pferd gezielt ausbilden und auf einem Turnier vorstellen können. Diese Stärke müssen wir uns immer erhalten."
Perfektes Paar - Vogel und United Touch
Vogel ist bereits seit Jahren Teil der Weltelite in seinem Sport. Schon als er an der Schwelle vom Nachwuchs, den sogenannten "Jungen Reitern", zum Seniorenbereich stand, war klar, dass er eine große Zukunft vor sich haben kann.
Spätestens seit 2022, seit er mit United Touch ein Paar bildet, gehören die beiden, überall, wo sie antreten, zum Favoritenkreis. Der Hengst passt mit seinen großen Galoppsprüngen und seinem Mut hervorragend zur Reitweise Vogels, der gerne mit viel Tempo durch den Parcours geht und stets zu den schnellsten Reitern im Feld zählt.
"Ich bin sehr stolz auf ihn", sagte Vogel nach dem Sieg in Aachen und meinte: "Es ist ein Pferd, wie man es wohl nur einmal in seinem Leben als Partner hat. Ich bin unglaublich glücklich, dass ich der Reiter in seinem Sattel sein darf.!"
2022 war der Weltcup-Sieg in Stuttgart für die beiden der Durchbruch auf der ganz großen Bühne. Neben vielen anderen Erfolgen sticht seitdem der Europameistertitel von 2025 heraus, der nun vom Sieg in Aachen noch getoppt wird.
Hinners - festes Mitglied im "Iron Dames"-Projekt
Ungefähr zur gleichen Zeit, zu der Vogel begann, das Feld der Senioren aufzumischen, machte auch Hinners erstmals auf sich aufmerksam. 2021 gewann sie die Deutsche Meisterschaft und startete als jüngste Teilnehmerin erstmals auch beim Großen Preis von Aachen.
Fünf Jahre später ist sie längst in der Weltspitze etabliert und profitiert von der Unterstützung des "Iron‑Dames"‑Projekts, das gezielt Reiterinnen im Springsport fördert und ihnen den Zugang zur Weltspitze erleichtern soll. Hinter dem privat finanzierten Konzept, das ursprünglich aus dem Motorsport stammt und 2023/24 auf den Reitsport übertragen wurde, steht Deborah Mayer.
Die französische Rennfahrerin und Unternehmerin ist Hauptgeldgeberin und investiert im Verbund mit einigen Partner und Sponsoren in Spitzenpferde, die sie ihren Reiterinnen zur Verfügung stellt. Neben Hinners gehören auch die Deutschen Janne-Friederike Meyer-Zimmermann, Jörne Sprehe und Katrin Eckermann zum sechsköpfigen Team.
Sophie Hinners gehört von Beginn an dazu und reitet seitdem mehrere Pferde aus dem Besitz Deborah Mayers, darunter Iron Dames My Prins und Iron Dames Singclair, mit dem sie nun auch in Aachen Dritte wurde, und konnte sich sportlich deutlich weiterentwickeln.
2024 gewann Hinners unter anderem ein Weltcup‑Springen in Abu Dhabi und gewann 2025 mit der deutschen Mannschaft die Bronzemedaille bei den Europameisterschaften. Im gleichen Jahr wurde sie als erfolgreichste Nationenpreis‑Reiterin des Jahres ausgezeichnet.
Gemeinsam im Sport gewachsen
Gewachsen sind die beiden in ihrem Sport gemeinsam - eine Entwicklung, von der sie auch als Paar profitieren. "Wir haben uns kennengelernt, da ist weder Sophie noch ich auf diesem Niveau geritten, geschweige denn, dass wir auf dem Niveau erfolgreich waren", sagte Vogel nach dem Erfolg in Aachen gegenüber der "Münsterschen Zeitung". "Ich glaube, das ist auch etwas, was unsere Beziehung stärkt und bereichert, dass wir uns in einer anderen Situation im Leben kennengelernt haben."
Wenn alles nach Plan läuft, werden die beiden im August nach Aachen zurückkehren und für Deutschland bei der Weltmeisterschaft antreten - gemeinsam in der Mannschaft und gegeneinander im Einzel.
Nach der WM könnten sich Richard Vogel und United Touch noch einen weiteren Traum erfüllen: Der Rolex Grand Slam wird im September in Kanada mit dem Rolex Grand Prix von Spruce Meadows fortgesetzt. Gewinnt Vogel mit seinem Top-Pferd auch dort, bekommt er neben dem Preisgeld von 500.000 Euro einen zusätzlichen Bonus von einer Million Euro ausgezahlt.