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Enhanced Games - Doping-Spiele mit deutscher Beteiligung

Stefan Nestler
20. Mai 2026

In den USA finden die ersten Enhanced Games statt, eine Sportveranstaltung, bei der Doping ausdrücklich erlaubt ist. Im Schwimmen und im Sprint sind zwei Deutsche am Start. Worum geht es bei dem Event? Wer finanziert es?

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 Marius Kusch aus Deutschland macht sich bei den Weltmeisterschaften 2024 für den Start im 50-Meter-Schmetterling-Rennen warm
Schwimmer Marius Kusch startet bei den umstrittenen Enhanced Games Bild: Jo Kleindl/Eibner-Pressefoto/picture alliance

Was sind die Enhanced Games?

Die Enhanced Games, wörtlich übersetzt "Verbesserte Spiele", sollen nach Angaben der Veranstalter "Vorreiter einer neuen Ära im Leistungssport" sein, "die wissenschaftliche Fortschritte nutzt, um die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit zu erweitern". Mit anderen Worten: Doping ist erlaubt - unter ärztlicher Kontrolle, wie die Organisatoren sagen.

Sie versprechen Sportlerinnen und Sportlern, so wörtlich, "erstklassige Antritts- und Preisgelder sowie zusätzlichen Boni in siebenstelliger Höhe für neue Weltrekorde". Für Bestmarken im 100-Meter-Sprint in der Leichtathletik und über 50 Meter Freistil im Schwimmen werden eine Million US-Dollar ausgelobt, für andere Disziplinen 250.000 Dollar.

Die erste Ausgabe der Enhanced Games findet nun vom 21. bis 24. Mai 2026 in Las Vegas in den USA statt. Es wird dabei ausgesuchte Wettbewerbe in der Leichtathletik (Sprint, Kugelstoßen, Hochsprung) und über die kürzeren Schwimmstrecken (50 bis 200 Meter) geben, dazu Wettkämpfe im Gewichtheben und unter dem Label "Strongman" im Extrem-Kraftsport.

Allerdings sind die Enhanced Games eher eine kleine Veranstaltung. Laut Homepage sind in den drei Haupt-Sportarten Leichtathletik, Schwimmen und Gewichtheben insgesamt gerade einmal 42 Athletinnen und Athleten gemeldet.

Wer steckt hinter den Enhanced Games?

Gründer und Präsident ist der Jurist und Geschäftsmann Arno D'Souza. Der Australier, der inzwischen als Gesicht der Organisation durch den Deutschen Maximilian Martin ersetzt wurde, hat eine langjährige Beziehung zu Peter Thiel, einem deutsch‑amerikanischen Unternehmer und Mitgründer von PayPal und Palantir, dessen KI‑Technologie weltweit in militärischen Kontexten eingesetzt wird. Thiel war einer der ersten Geldgeber und Investoren und finanziert die Enhanced Games nach wie vor.

D’Souza leitet inzwischen "Objection", das er als eine Art KI‑gestützte Wahrheitsprüfung für Medien beschreibt. Dabei entscheidet eine von ihm eingesetzte KI auf Anfrage von Einzelpersonen oder Organisationen über die Glaubwürdigkeit von Berichterstattung.

Peter Thiel hält 2022 in Miami Beach bei der Bitcoin Conference einen Vortrag
Peter Thiel, Trump-Fan, MAGA-Anhänger und Tech-Multimilliardär, ist einer der Geldgeber der Enhanced GamesBild: Rebecca Blackwell/AP Photo/picture alliance

Zu den weiteren Geldgebern zählt Donald Trump Jr., der älteste Sohn des US-Präsidenten, der ebenfalls milliardenschwere deutsche Investor Christian Angermayer sowie der indisch-amerikanische Unternehmer Balaji Srinivasan. Geld kommt auch aus Saudi-Arabien.

Finanzielles Ziel der Investoren ist es, mit dem Verkauf von Pharmazeutika über die eigene Website Geld zu verdienen - als Teil des größeren "Enhanced"-Geschäftsmodells. Die vorgestellten Athleten haben auf der Homepage der Veranstaltung keinen eigenen Profile, während Produktseiten für Peptide, Testosteron oder Mittel zur Fettreduktion deutlich ausführlicher gestaltet sind.

Wer sind die deutschen Starter bei den Enhanced Games?

Marius Kusch ist ein deutscher Schwimmer, der seit 2016 in den USA lebt und trainiert. Der Sprint-Spezialist im Schmetterlingsschwimmen feierte seinen größten Erfolg 2019, als er in Glasgow Kurzbahn-Europameister über 100 Meter wurde. Bei der Kurzbahn-WM 2022 in Melbourne gewann er über die gleiche Strecke Bronze.

"Ich bin stolz darauf, was ich erreicht habe, aber die Wahrheit ist, dass der Sport mir niemals die finanzielle Stabilität gab, um mir eine Zukunft aufzubauen", begründet der 32-Jährige auf Instagram seine Entscheidung, bei den Enhanced Games zu starten.

"Zum ersten Mal kann ich auf einer Bühne antreten, die Athleten fair belohnt, Leistung wertschätzt und uns die Möglichkeit gibt, unsere Karriere selbst in die Hand zu nehmen."

In der Leichtathletik tritt Sprinter Mike Bryan für Deutschland an. Er ist in den USA geboren und hat einen amerikanischen Vater und eine deutsche Mutter. Bryan war zwischen 2010 und 2015 für das College-Team der Texas A&M University aktiv. Seine gemeldete Bestzeit über 100 Meter liegt bei 10,39 Sekunden.

Warum sind die Enhanced Games umstritten?

Ziel der Veranstaltung sei es, "die bestmöglichen Leistungen der Athleten unter höchster medizinischer und klinischer Aufsicht transparent und sicher freizusetzen - unter Nutzung legaler, lizenzierter und von der US‑Arzneimittelbehörde FDA zugelassener Substanzen", erklärten die Organisatoren gegenüber der Deutschen Welle (DW). Kritiker argumentieren jedoch, dass durch chemische Leistungssteigerung erzielte Rekorde bedeutungslos seien und dass deren Verfolgung unter solchen Umständen lebensgefährlich sei.

"Das ist kein Sportereignis, das ist eine Show, ein Zirkus", findet Michael Cepic, Vorsitzender der Zentralen Europäischen Anti‑Doping‑Agentur. Im Gespräch mit der DW bezeichnet Cepic die Vorstellung, bei den Enhanced Games stehe die Sicherheit der Athleten im Vordergrund, als unsinnig.

Symbolbild Doping: Oberkörper von muskulösem Mann, der Spritze in der Hand hält
Rekorde und Bestzeiten ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit? Doping ist bei den Enhanced Games erlaubtBild: blackday/Zoonar/picture alliance

"Es gibt eine ganz einfache Sache, die jeder verstehen kann: Pharmazeutische Produkte werden für Menschen entwickelt, die krank sind. Wenn man sie einnimmt, obwohl man keine solchen Probleme hat, kann das nicht gut für den Körper sein."

Ein Sprecher der Enhanced Games fügte hinzu, dass die Ergebnisse auf einer Website der US‑Regierung zur wissenschaftlichen Überprüfung veröffentlicht würden, betonte jedoch, dass die Öffentlichkeit nicht erfahren werde, welche Substanzen einzelne Athleten einnehmen.

"Wir können keine individuellen Protokolle veröffentlichen, da dies gegen den Schutz persönlicher Gesundheitsdaten verstoßen würde. Wir werden jedoch noch in dieser Woche eine aggregierte Gesamtübersicht der verwendeten Substanzen über alle Athleten hinweg bereitstellen", sagte er am Dienstag.

Welche Risiken bestehen für Athleten bei den Enhanced Games?

Auch wenn die Einnahme von Substanzen nicht verpflichtend ist und es offenbar einige Athleten gibt, die darauf verzichten, geht Cepic davon aus, dass die meisten die Möglichkeit nutzen werden, sich straffrei dopen zu dürfen. Unabhängig davon, welche Mittel für welche Sportart eingesetzt werden, sei die Gefahr von Tod und gesundheitlichen Schäden sehr real, meint er.

Athleten befinden sich seit einiger Zeit in einem Trainingslager unter medizinischer Aufsicht in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo individuelle Programme erstellt wurden, damit sie an diesem Wochenende ihren Leistungszenit erreichen.

"Ich denke, als Gesellschaft müssen wir uns fragen, welche Entwicklung wir in den letzten 2.000 Jahren durchgemacht haben. Im Römischen Reich gab es ebenfalls außergewöhnliche Kämpfer, die gegeneinander kämpften, bis einer tot umfiel", sagt Cepic. "Heute gefährden Menschen ihre eigene Gesundheit, nur um dem Publikum eine große Show zu liefern - und für Geld."

Wie stehen die internationalen Sportverbände zu der Veranstaltung?

Die Athleten-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sprach von einem "Verrat an allem, wofür wir stehen".

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) bezeichnete die Enhanced Games als "ein gefährliches und unverantwortliches Konzept" und drohte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit Sanktionen. 

Die Originalversion vom 25. September 2025 wurde am 20. Mai 2026 aktualisiert.

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