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Italienischer Regisseur Paolo Taviani verstorben

1. März 2024

Die Brüder Taviani gehörten über Jahrzehnte hinweg zu den wichtigsten Regisseuren Italiens. Für Filme wie „Padre Padrone“ bekamen sie viele Preise. Nach Vittorio ist nun auch Paolo Taviani gestorben.

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Paolo Taviani
Paolo Taviani hatte 2022 zuletzt am Wettbewerb der Berlinale teilgenommenBild: picture alliance/Vianney Le Caer/Invision/AP

Der preisgekrönte italienische Regisseur Paolo Taviani ist tot. Der Filmemacher starb am Donnerstag im Alter von 92 Jahren, wie der Bürgermeister von Rom, Roberto Gualtieri mitteilte. "Mit Paolo Taviani verlässt uns ein Großmeister des italienischen Kinos", schrieb Gualtieri im Onlinedienst X. Nach italienischen Medienberichten starb Paolo Taviani nach kurzer schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie in einem Krankenhaus der Hauptstadt. Er soll demnach am Montag in Rom beerdigt werden.

Taviani hatte mit seinem Bruder Vittorio jahrzehntelang ein gefeiertes Regie-Duo gebildet, beide drehten gemeinsam rund 15 Filme, die zusammen Dutzende internationale Preise gewannen. Vittorio Taviani war bereits 2018 mit 88 Jahren verstorben. 

Goldene Palme und Goldener Bär

Ihren ersten gemeinsamen Spielfilm drehten die beiden 1967: "I sovversivi" ("Die Subversiven") setzte sich mit der politischen Linken in Italien auseinander. Ihren internationalen Durchbruch hatten die Brüder 1977 mit "Padre Padrone" ("Mein Vater, mein Herr"). Der Film bekam in Cannes die Goldene Palme. 2012 erhielten die Tavianis für den Film "Cäsar muss sterben", ein Doku-Drama über die Theaterproben für eine Aufführung des Shakespeare-Stücks "Julius Cäsar" im Gefängnis, auf der Berlinale den Goldenen Bären.

Euromaxx Regisseur Paolo Taviani und Vittorio Taviani
Arbeiteten meist im Duo: Paolo Taviani und Vittorio Taviani (Archivbild)Bild: DW

Paolo Taviani wurde 1931 in San Miniato in der Toskana als Sohn eines antifaschistischen Anwalts geboren. Schon mit Mitte 20 drehte er über seinen Geburtsort 1954 einen Dokumentarfilm, der den Tod von 60 Menschen im Dom der Stadt durch deutschen Granatenbeschuss zehn Jahre zuvor zeigte. Die politisch damals stark marxistisch geprägten Brüder griffen das Thema Jahrzehnte später noch einmal in ihrem Spielfilm "Die Nacht von San Lorenzo" (1982) auf.

Inspiriert vom Meisterregisseur des Neo-Realismus, Roberto Rossellini, waren die Brüder vorrangig an sozialen Themen interessiert. In ihren Filmen, die oft von einem literarischen Stil geprägt waren, kombinierten sie Elemente aus Geschichte, Psychoanalyse und Poesie.

Nur im Doppelpack zu haben

Für viele Cineasten waren die beiden Filmkünstler nur im Doppelpack denkbar; um den einen zu beschreiben, brauchte man den anderen: Vittorio galt als der Bedächtige, Paolo dagegen eher als mondän und etwas egozentrisch. Auch äußerlich nahmen sich "Vittoriopaolo", wie viele sie knapp nannten, in den letzten Jahren nicht viel: graue Haare, markante Brille, Paolo jedoch ohne Hut und ohne Bart.

Der letzte gemeinsam inszenierte Film war "Una questione privata" ("Eine Privatsache") - basierend auf dem gleichnamigen Roman des italienischen Schriftstellers Beppe Fenoglio. Nach dem Tod seines Bruders Vittorio schrieb und inszenierte Paolo allein "Leonora addio", inspiriert von einer Novelle des Italieners Luigi Pirandello. Damit nahm er 2022 nochmals am Wettbewerb der Berlinale teil. Zuletzt arbeitete er an einem neuen Film, "Il canto delle meduse" ("Der Gesang der Medusen"): Das Projekt sollte vier Geschichten erzählen, die mit dem Verlauf der Corona-Pandemie 2020 verbunden sind.

kle/jj (afp, dpa)