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PolitikKuba

Im Hinterhof der USA: Was hat Kuba Trump entgegenzusetzen?

Jan D. Walter | Viola Träder
19. März 2026

Die US-Regierung hat den Druck auf Kuba deutlich erhöht. Das Öl-Embargo trifft nicht nur die Bevölkerung. Das kommunistische Regime in Havanna windet sich, doch die Gespräche mit Washington zeigen, wie geschwächt es ist.

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Kuba Havanna 2026 | Die baufällige Innenstadt, in der Mitte das Kapitol mit vergoldeter Kuppel, ist in der Dämmerung trotz landesweitem Stromausfall noch gut zu erkennen
Nur noch eine Touristenattraktion inmitten von Verfall: Das Kapitol in Havanna, der ehemalige Parlamentssitz, steht seit der Revolution 1959 leer - nicht nur wie hier bei StromausfallBild: Norlys Perez/REUTERS

Kuba tappt im Dunkeln - die Bevölkerung im wörtlichen, die Regierung im übertragenen Sinne. Anfang der Woche gingen zum vierten Mal in zwei Jahren auf der ganzen Insel die Lichter aus. Der zehnte großflächige Stromausfall seit Februar 2024 löste teils gewaltsame Proteste aus. Die Führung des Karibikstaats scheint angesichts der Krise und des Drucks aus den USA indes so ratlos, dass sie sogar mit dem Erzfeind verhandelt, um ihre eigene Existenz zu sichern.

Denn spätestens nach der Drohung von US-Präsident Donald Trump, er könne auf die eine oder andere Art Kuba "übernehmen", materialisiert sich über Havanna das Damoklesschwert, das sich Anfang Januar mit der Verhaftung von Nicolas Maduro abzuzeichnen begann. Die Festnahme des venezolanischen Präsidenten in dessen Residenz in Caracas, zeigt dem Regime nicht nur, wozu Trump bereit und in der Lage ist, sie raubte ihm auch einen der engsten Verbündeten und wichtigsten Öllieferanten.

Warum will Trump Kuba "übernehmen"?

Kuba, etwa 150 Kilometer entfernt von der US-Küste, ist den USA seit der Revolution unter Führung von Fidel Castro 1959 ein Dorn im Auge. Dessen kommunistisches Regime hat sich stets gegen den einst großen Einfluss der USA gestellt und gilt als Brückenkopf für gegnerische Regierungen wie denen in Moskau, Peking und Caracas.

Die zaghaften Wiederbelebungsversuche der Beziehungen zu Kuba unter US-Präsident Barack Obama machte Donald Trump schon in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) zunichte - zur Erleichterung vieler Exilkubaner und ihrer Nachkommen weltweit. Viele von ihnen wollen das Castro-Regime fallen sehen. Einer von ihnen ist US-Außenminister Marco Rubio. Die kubastämmige Diaspora ist in den USA eine wichtige Wählergruppe, vor allem im Swing State Florida.

USA Miami 2026 | Eine älteres Ehepaar: Sie mit einer kubanischen Flagge, er mit einem Poster mit vielen Porträtfotos darauf an einem Yacht-Hafen
16. März 2026: Kubanische Exilanten in Miami fordern ein Recht auf Rückkehr nach KubaBild: Carl Juste/Miami Herald/ZUMA/picture alliance

Dass Donald Trump gerade jetzt die Rhetorik verschärft, erklärt Klemens Fischer, Außenexperte der Universität Köln, mit innenpolitischen Motiven: Es sei "möglicherweise der Versuch eines Befreiungsschlags, nachdem es gerade im Iran nicht so läuft, wie er wollte", sagte er im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF). "Er muss zeigen, dass er ein starker Präsident ist. Auf der anderen Seite muss er es sich aber auch ersparen, einen weiteren Krieg zu führen."

Den Druck auf Kuba hatte der US-Präsident allerdings schon früher erhöht: Auf sein Geheiß setzte die venezolanische Vizepräsidentin Delcy Rodriguez im Januar die ohnehin geschrumpften Öllieferungen an Kuba ganz aus. Seit Ende Januar blockieren die USA zudem Seewege zur Karibikinsel und drohen Lieferländern mit Sanktionen. Nach Angaben der kubanischen Regierung hat das Land seit drei Monaten keine Öllieferung mehr erhalten. Die seit Jahren rückläufige heimische Förderung deckte im Jahr 2024 weniger als 30 Prozent des Bedarfs. Die Häufung der Stromausfälle hängt damit direkt zusammen, denn Kubas Strom kommt weitgehend aus Ölkraftwerken.

Die schlimmste Wirtschaftskrise seit drei Jahrzehnten 

Der Energiemangel sei jedoch nur eine - wenngleich folgenreiche Facette - der aktuellen Wirtschaftskrise, sagt der in Spanien lebende kubanische Ökonom Elias Amor. Abgesehen von einer leichten Erholungsphase schrumpft die kubanische Wirtschaft seit Beginn der COVID-19-Pandemie 2020 - und zwar um durchschnittlich um 2,75 Prozent pro Jahr. 2025 waren es sogar fünf Prozent: "Die kubanische Wirtschaft befindet sich im schlechtesten Zustand seit dem 'Periodo Especial'", sagt Amor der Deutschen Welle.

Kuba rutscht ohne Öl immer tiefer in die Krise

Als "Sonderperiode in Friedenszeiten" bezeichnet Kubas Regime die tiefe Rezession, die das Land infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion erfasst hatte. Binnen vier Jahren sanken die Realeinkommen um 90 Prozent. Mit vorübergehenden Reformen, einschließlich der schrittweisen Öffnung des Tourismussektors, erreichte die Regierung unter Revolutionsführer Fidel Castro eine partielle Erholung. Wirklich aufwärts ging es jedoch erst wieder, nachdem Hugo Chavez die Staatsführung in Venezuela übernahm und den Platz der UdSSR als Sponsor einnahm.

Womöglich verhindere derzeit die graduelle Öffnung der kubanischen Wirtschaft über die vergangenen Jahrzehnte eine Krise wie in den 1990ern, meint der Ökonom Amor. Doch auch die begrenzten Reformen, die Fidels Bruder Raul Castro und Präsident Miguel Diaz-Canel in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht haben, könnten kaum noch Wirkung entfalten: "Selbst der Tourismus kann diese Krisensituation mittlerweile nicht mehr aufhalten, da die Triebkräfte der Wirtschaft völlig niederliegen."

Was hat Kubas Regierung den USA entgegenzusetzen?

Zwar soll ein Tanker der russischen Schattenflotte auf den Weg nach Kuba sein. Doch der massive Druck von innen und außen hat das kubanische Regime offenbar an den Verhandlungstisch gezwungen. Vergangene Woche bestätigte es Gespräche US-Vertretern, von denen Trump bereits Anfang März sprach. 

Kuba: Energiekrise beeinträchtigt den Tourismus

Anfang der Woche erklärte Vizepremier und Handelsminister Oscar Perez-Oliva, ein Großneffe der Castro-Brüder, Kuba sei bereit für offene Handelsbeziehungen mit US-Unternehmen und Investitionen dort lebender Kubaner. Doch das ist den USA nicht genug. Außenminister Rubio forderte drastische Veränderungen, um die dysfunktionale Wirtschaft zu überwinden. Auch die Freilassung einiger politischer Gefangener dürfte Washington nicht genügen. Nach Zählung der spanischen Menschenrechtsorganisation "Prisioners Defenders" hielt Kuba Ende Februar 1214 Menschen in politischer Gefangenschaft.

Dennoch sieht María José Espinosa, Direktorin des Washingtoner Center for Engagement and Advocacy in the Americas (CEDA), das Regime nicht vor dem unmittelbaren Kollaps: "Der Staatsapparat - die Kommunistische Partei, die Sicherheitskräfte und das militärisch-wirtschaftliche System ("GAESA") - ist nach wie vor relativ geschlossen."

Ergibt sich Kuba dem Druck der USA?

Doch es zeigen sich bereits Risse. Präsident Miguel Diaz-Canel gilt als mehr oder weniger austauschbarer Parteifunktionär und als geschwächt. Fundamentale Änderungen könnte in Kuba nur das Militär anstoßen - und die Castros. "Es ist die Familie Castro, die die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten kontrolliert und leitet", sagte Ted Henken, Lateinamerikaexperte an der City University of New York der DW.

Neben Vizepremier Perez-Oliva gilt auch Raul Castros Enkel Raul Guillermo, genannt "El Cangrejo" (Die Krabbe), als aufstrebender Machtfaktor. "Alles deutet darauf hin, dass sie die Interessen der Familie Castro vertreten und in der einen oder anderen Form die Regierung leiten werden", so Henken. Doch selbst mit einer neuen Generation, glaubt Henken, werde es strukturelle Reformen frühestens in einigen Jahren geben.

Jan Walter Autorenfoto
Jan D. Walter Jan ist Redakteur und Reporter der deutschen Redaktion für internationale Politik und Gesellschaft.
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