Fotograf kontert Donald Trump mit Obama-Bildern | Bücher | DW | 16.10.2018
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Fotografie

Fotograf kontert Donald Trump mit Obama-Bildern

Um Donald Trumps Politik anzuprangern, verbreitet Pete Souza in den sozialen Medien Bilder von Barack Obama. Jetzt erscheint ein Bildband des offiziellen Fotografen des Weißen Hauses unter Obama und Ronald Reagan.

Im Instagram-Zeitalter erzählt ein Foto in Kombination mit ein paar Hashtags oft eine ganze Geschichte. Pete Souza, Fotograf im Weißen Haus während der achtjährigen Amtszeit von US-Präsident Barack Obama, weiß das nur allzu gut. Der Mann, der Obama um die ganze Welt begleitete und exklusiven Zugang zum 44. Präsidenten der USA hatte, ist zu einem Meister der Verbindung von Bild und Text geworden.

Am 20. Januar 2017 schaltete er seinen offiziellen Instagram-Account ab, der das Leben des Präsidenten dokumentierte. Seitdem veröffentlicht er unter seinem eigenen Namen Fotografien aus seiner Zeit mit Obama. Seinen Bildern fügt er kurze Sätze oder Bemerkungen bei, die auf politische Ereignisse unter dem aktuellen US-Präsidenten Donald Trump anspielen.

Ohne den neuen Mann im Oval Office jemals explizit beim Namen zu nennen, nutzt Souza die Bildunterschriften auf seinem Instagram-Profil dazu, die aktuelle US-Politik zu kommentieren.

Pete Souza (picture-alliance/AP Photo/C. Dharapak)

Pete Souza im Rosengarten des Weißen Hauses 2013

Aktiver Trump-Kritiker: Pete Souza

Mit seiner subtil-bissigen Art der Kritik, die im anglo-amerikanischen Raum "throwing shade" (deutsch: Schatten werfen) oder einfach "shade" genannt wird, hat er bereits mehr als zwei Millionen Follower gewinnen können.

Am 16. Oktober 2018 erscheint sein aktuelles Buch "Throwing Shade: A Tale of Two Presidents". Darin kombiniert er eine Auswahl aus den mehr als zwei Millionen Fotos, die er von Obama während dessen Amtszeit geschossen hat mit kurzen Texten, Schlagzeilen und Tweets von und über Donald Trump, die als Bildunterschriften dienen, um den Kontrast zwischen den beiden Präsidenten hervorzuheben.

Screenshot Instagram Pete Souza (instagram.com/petesouza)

Auf Plattformen wie Instagram äußert Souza immer wieder Kritik an der Trump-Regierung

Anlässlich der jüngsten Anhörung von Brett Kavanaugh - Trumps umstrittenem Wunschkandidaten für das Richteramt im Supreme Court - vor dem US-Senat, postete Souza ein Bild von Obama mit dessen damaliger Kandidatin Elena Kagan. Daneben schrieb er sinngemäß: "Um ihre Nominierung musste nicht vor dem Senat gestritten werden."

Sorge um die Demokratie

Auch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ist Souza aktiv. Auch hier äußert er sich zum aktuellen politischen Geschehen. Er nimmt zum Beispiel Bezug auf die Anfang November in den USA stattfindenden "Midterm Elections". Bei diesen Zwischenwahlen stehen Sitze in Senat und Repräsentantenhaus zur Wahl. Außerdem werden Gouverneure und Parlamente der meisten US-Bundesstaaten neu gewählt. Nachdem Kavanaugh, trotz der schweren Anschuldigungen gegen ihn, als Richter des Supreme Court bestätigt wurde, rief Souza unter dem Hashtag #VoteThemOut dazu auf, dessen Unterstützer in den Reihen der republikanischen Kongressabgeordneten im November abzuwählen.

Ebenfalls unter einem Hashtag, nämlich #ThrowShadeThenVote, stellt Souza aktuell in New York aus. Er beteuert, dass er mit seinem politischen Engagement keine bestimmte Partei unterstützen wolle. Er sei vielmehr besorgt um die Zukunft der Demokratie.

Souza war bereits unter dem Republikaner Ronald Reagan als offizieller Fotograf tätig. Später dokumentierte er als freier Fotograf unter anderem die Flüchtlingskrise im Kosovo in den späten 1990er Jahren und die Eroberung der afghanischen Hauptstadt Kabul durch NATO-Truppen im Herbst 2001.

Neuer Bildband: "Shade: A Tale of Two Presidents"

Neben zahlreichen Bildbänden aus seiner Zeit mit Obama hat Souza auch eine Auswahl seiner Arbeit aus der Reagan-Ära in zwei Bänden veröffentlicht. Doch schon bevor "Shade: A Tale of Two Presidents" in den Buchhandlungen steht, dürfte klar sein: Es wird wie keines von Souzas Büchern zuvor die Bestsellerlisten stürmen. Denn der Fotograf hat sich nicht nur eine treue Fangemeinde, vor allem in den sozialen Netzwerken, aufgebaut, sondern zudem ein innovatives und geistreiches Format geschaffen, in dem Worte ebenso viel Bedeutung haben wie das Bild selbst.

Durch die Gegenüberstellung der beiden Präsidenten spielt Souza zweifelsohne mit Nostalgie, einem Gefühl, das in diesem Fall genauso irreführend wie notwendig ist. Der britische Psychiater und Philosoph Neel Burton schrieb in seinem Buch "Heaven and Hell: The Psychology of Emotions", dass man argumentierten könne, Nostalgie würde die Wahrnehmung der Vergangenheit verzerren und sie idealisieren. Schon die antiken Römer hätten einen Ausdruck für das gehabt, was Psychologen heute als "rosy retrospection" bezeichnen, einen verklärten Blick auf die Vergangenheit.

Nostalgie macht optimistisch

Der Obama auf dem Umschlag von Souzas neuem Buch trägt keine rosarote, sondern eine rot-weiß-blaue Lamellen-Sonnenbrille. Dennoch könnte das Buch mit seinem nostalgischen Reiz den Leser dazu bewegen, Obamas Präsidentschaft genau durch ebendiese "rosarote Brille" zu sehen. Eine kritische Betrachtung bliebe auf der Strecke.

Dieses Spiel mit nostalgischen Gefühlen mag zunächst verwerflich klingen, kann aber durchaus auch einen positiven Effekt haben. In einer 2013 im "Personality and Social Psychology Bulletin" veröffentlichten Studie zur Persönlichkeits- und Sozialpsychologie stellten Forscher fest, dass Nostalgie eine Art Zukunftsoptimismus bewirken kann, auch weil sich die Menschen sozial stärker mit anderen verbunden fühlen. Souzas kritische Beiträge in den sozialen Medien und sein neues Buch könnten einen ähnlichen Effekt erzielen - und damit auch den dringend benötigten Optimismus zurückbringen.

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