Faktencheck: Polen schickt keine Kampfjets in die Ukraine | Welt | DW | 01.03.2022
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Welt

Faktencheck: Polen schickt keine Kampfjets in die Ukraine

Die ukrainische Luftwaffe behauptet, dass sie künftig “Kampfaufgaben” von polnischen Flughäfen aus starten könne. Doch diese Behauptung ist falsch.    

Ukraine | Training Luftwaffe | Kampfjet Mig-29

Kampfjets werden nicht aus dem NATO-Mitglied Polen in die Ukraine geschickt.

Die EU will der Ukraine künftig Kampfjets zur Verfügung stellen, um sich gegen Russland zu verteidigen. Das verkündete der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Sonntagabend. Nun behauptet die ukrainische Luftwaffe auf Facebook, dass sie 70 Kampfjets aus Bulgarien, der Slowakei und Polen erhalten werde. Zudem könnten ukrainische Piloten von polnischen Flughäfen aus "Kampfaufgaben" starten. Diese zwei Behauptungen sind falsch. Auch namhafte Medien wie das US-amerikanische Politikmagazin Politico, der britische Independent und andere Medien und Webseitenhatten die Posts der ukrainischen Luftwaffe als Quelle für ihre Berichterstattung genutzt.  Auch die Deutsche Welle hatte sie zitiert, das Zitat mittlerweile aber entfernt.  

Screenshot Facebook | Statement ukrainische Luftwaffe

Dieses Statement der ukrainischen Luftwaffe ist falsch.

Ukraine bekommt aktuell keine 70 Kampfjets aus Bulgarien, Polen und der Slowakei  

Die Behauptung, dass der Ukraine von Bulgarien, Polen und der Slowakei 70 Kampfjets zur Verfügung gestellt würden, ist falsch. Konkret erklärte die ukrainische Luftwaffe, 30 Kampfjets von Bulgarien zu bekommen. Laut der Bulgarischen Nachrichtenagentur stellte der bulgarische Premierminister Kiril Petkov klar, dass Bulgarien Kiew keine Kampfjets zur Verfügung stellen werde.   

Außerdem hatte die ukrainische Luftwaffe erklärt, dass Polen der Ukraine 28 Kampfjets zur Verfügung stellen würde, die Slowakei 12. Eine Bestätigung dieser Länder gibt es jedoch nicht. Der slowakische Verteidigungsminister Jaroslav Nad schrieb dazu auf Facebook, dass die Slowakei dies nicht plane und die Ukraine die Kampfjets nicht angefragt habe.    

Screenshot Facebook | Verteidigungsminister Slowakei Jaroslav Naď zu Kampfflugzeugen

Der slowakische Verteidigungsminister Jaroslav Nad widerspricht den Behauptungen der ukrainischen Luftwaffe.

Polen schickt von seinen Flughäfen keine Kampfjets in die Ukraine

Auch die Behauptung, ukrainische Piloten könnten von polnischen Flughäfen aus "Kampfaufgaben" starten, ist falsch. Der polnische Präsident Andrzej Duda und NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg dementieren dies  auf einer Pressekonferenz.    

"Wir schicken keine Militärflugzeuge in die Ukraine, denn das würde eine militärische Einmischung in den Ukraine-Konflikt bedeuten", erklärte Duda bei der Pressekonferenz auf dem polnischen Luftwaffenstützpunkt Lask. "Wir mischen uns nicht in den Konflikt ein. Die NATO ist nicht Teil des Konflikts", stellte der polnische Präsident klar. Jens Stoltenberg erklärte auch, dass die NATO solidarisch mit der Ukraine sei, aber nicht Teil des Konflikts. Die Allianz schicke keine Truppen in die Ukraine sowie keine Flugzeuge in den ukrainischen Luftraum.  

Auch der Politikwissenschaftler Frank Sauer der Universität der Bundeswehr in München schätzt ein, dass eine solche Handlung von Russland als Kriegsgrund gesehen werden könnte. "Wenn Flugzeuge von NATO-Gebiet aus starten, um im Lauftraum der Ukraine russische Flugzeuge zu bekämpfen, dann wäre das eine Kriegshandlung. Ob da am Ende ein ukrainischer Pilot drin sitzt - das wäre Russland wohl egal", erklärt er im DW-Interview. 

Fazit: Die Behauptung der ukrainischen Luftwaffe, dass sie künftig "Kampfaufgaben" aus Polen starten könnte und sie 70 Kampfjets aus Bulgarien, Polen und der Slowakei erhalte, ist falsch. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hatte zwar zugesichert, der Ukraine Kampfjets zur Verfügung zu stellen, um sich zu verteidigen. Wann das  geschehen soll, um wie viele Flugzeuge es geht und aus welchen Ländern diese bereit gestellt würden, ist weiterhin unklar.  

Dieser Artikel wurde am 1. März veröffentlicht und zuletzt am 2. März aktualisiert. Zum besseren Verständnis des Faktenchecks wurde die Reihenfolge von zwei Absätzen getauscht und ein Zitat des Politikwissenschaftlers Frank Sauer zur Einordnung hinzugefügt.

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