Coronavirus: Ausbreitung ist in Deutschland ″keine Katastrophe″ | Aktuell Deutschland | DW | 05.03.2020
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COVID-19

Coronavirus: Ausbreitung ist in Deutschland "keine Katastrophe"

Deutschland verzeichnet rund 100 neue Ansteckungsfälle mit dem Coronavirus innerhalb eines Tages. Behörden warnen aber vor Panikmache. Zwei Staaten schließen sämtliche Schulen und Universitäten.

Zwei Hunde mit Atemschutzmasken vor der Schnauze (Reuters/A. Song)

Schnauzenschutz fürs Haustier, hier in Shanghai - in Hongkong ist ein infizierter Hund in Quarantäne

Inzwischen sind in Deutschland 349 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen worden. Das sind rund einhundert bestätigte Fälle mehr als noch am Mittwoch. Die neuen Infektionen gehen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in erster Linie auf Ansteckungen innerhalb Deutschlands zurück. Sachsen-Anhalt ist das einzige Bundesland, in dem noch keine Infektion nachgewiesen wurde.

Lothar Wieler, Präsident des RKI, appellierte an Ärzte und die Bevölkerung, Tests nur bei begründeten Verdachtsfällen mit Symptomen zu machen. Es gehe darum, das System nicht zu überlasten. "Vielleicht wird sogar zu viel getestet", sagte Wieler. Die Dunkelziffer an Infektionen mit Sars-CoV-2 hält er in Deutschland deshalb für niedrig.

349 zu 119.280 Fällen

Wieler verwies auf die aktuellen Zahlen zur Grippe, die ebenfalls zu Lungenentzündungen führen kann. Seit Jahresbeginn wurden in Deutschland bereits 119.280 Grippefälle gemeldet, bis zur vergangenen Woche waren 202 Todesfälle im Zusammenhang mit Influenza bekannt.

Video ansehen 02:38

Coronavirus in Deutschland: Menschen bleiben besonnen

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe spricht angesichts der Ausbreitung des neuen Coronavirus bewusst noch nicht von einer Katastrophe. Deren Präsident, Christoph Unger, sagte, man müsse den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit wahren. Die Bürger sollten sich besser auf wirkliche Katastrophenfälle vorbereiten.

Rüffel vom WHO-Chef

Weltweit ist das neue Coronavirus nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation in 79 Ländern aufgelistet. Unter 95.270 registrierten Fällen gab es demnach bisher 3280 erfasste Todesfälle, darunter vor allem ältere Menschen. Noch nicht in der Statistik erfasst ist unter anderem Südafrika, das nun auch eine erste Infektion meldet.

Angesichts der Verbreitung von Sars-CoV-2 zeigt sich WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus "besorgt, dass manche Länder dies entweder nicht ernst genug nehmen oder entschieden haben, dass sie eh nichts tun können". Die Regierungen müssten mit allen Ministerien geschlossen hinter dem Kampf gegen das Virus stehen, verlangte Tedros. "Wir sind besorgt, dass der Umfang des politischen Engagements und der dafür nötigen Maßnahmen dem Umfang der Bedrohung, der wir uns alle gegenübersehen, nicht entsprechen."

Video ansehen 02:09

Coronavirus: Drastische Maßnahmen in ganz Italien

Der Iran ist weiter eines der stärksten betroffenen Länder. In den vergangenen 24 Stunden wurden dort 591 weitere Personen positiv aus das Virus Sars-CoV-2 getestet. Damit gibt es mehr als 3500 Infizierte in der islamischen Republik. Bis zum 20. März bleiben im Iran Schulen und Universitäten geschlossen, wie Gesundheitsminister Said Namaki ankündigte.

Auch die italienische Regierung hat wegen der Coronavirus-Krise alle Schulen, Universitäten und Kindergärten im Land geschlossen. Innerhalb von 24 Stunden starben in Italien 41 Menschen an dem Virus, wie die Zivilschutzbehörde mitteilte. Damit steigt die Zahl der Toten auf 148. In demselben Zeitraum wurden knapp 770 Neuinfektionen registriert. Damit gibt es in Italien knapp 3860 Infizierte.

Italien Coronavirus Uni Mailand (picture-alliance/ZUMAPRESS.com/LaPresse/C. Furlan)

Vorlesung vor leeren Rängen - dieser Professor an einer Hochschule in Mailand unterrichtet via Webcam

In Israel befinden sich Medienberichten zufolge rund 100.000 Menschen in Heimquarantäne. Ab Freitag gelten zudem verschärfte Einreiseregeln für Deutschland, die Schweiz, Österreich, Frankreich und Spanien. Nicht-israelische Staatsangehörigen aus diesen Ländern dürfen nur einreisen, wenn sie belegen können, dass sie eine 14-tägige Heimquarantäne antreten können. Diese Regel gilt bereits für zahlreiche asiatische Staaten und Italien. Wie die Tourismusministerin der Palästinensergebiete, Rula Maayah, mitteilte, dürfen in den nächsten zwei Wochen keine Touristen in das Westjordanland reisen.

Abgelaufene Schutzmasken noch tauglich

Einige Länder haben die Ausfuhr von Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung untersagt, darunter Deutschland und Frankreich. In Österreich lieferte das Bundesheer 1,6 Millionen Atemschutzmasken aus den "eisernen Reserven" an die Behörden. Die Schutzmasken waren bei der Vogelgrippe 2006 von der damaligen Gesundheitsministerin angeschafft worden und lagerten seitdem in den Depots der Armee. Sie tragen das Haltbarkeitsdatum 2016, seien bei Tests aber für immer noch tauglich befunden worden, heißt es vom Verteidigungsministerium. 

Coronavirus Iran Mashhad (WANA via REUTERS)

Das Coronavirus kann überall sein - gründliche Desinfektion im Imam-Reza-Schrein im Iran

Weltweit werden immer mehr Veranstaltungen abgesagt oder verschoben - um die Ausbreitung des Virus nicht zu unterstützen. Italien sucht einen neuen Termin für ein wichtiges Verfassungsreferendum, das Ende März hätte abgehalten werden sollen. Verschoben wird auch der EU-Indien-Gipfel. Freitag in einer Woche wollten sich Indiens Ministerpräsident Narendra Modi, EU-Ratspräsident Charles Michel und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Brüssel treffen. Dabei sollte es unter anderem um die Handelsbeziehungen der EU und Indiens gehen.

Zudem wird die Plenarsitzung des EU-Parlaments von Straßburg nach Brüssel verlegt. Er habe die Entscheidung aufgrund einer Neubewertung der Lage in Frankreich durch den medizinischen Dienst des Parlaments getroffen, schrieb Parlamentspräsident David Sassoli in einem Schreiben an die Abgeordneten. Eigentlich hätte die kommende Plenarwoche in Straßburg stattfinden sollen. Die EU-Parlamentarier tagen zwar die meiste Zeit in Brüssel, reisen für Plenarsitzungen aber regelmäßig nach Straßburg. Dafür machen sich durchschnittlich 2500 Europaabgeordnete, Assistenten, Dolmetscher, Bedienstete sowie Lobby- und Medienvertreter auf den Weg nach Frankreich.

ust/ww (dpa, afp, rtr, kna)

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