Worum geht es beim Konflikt zwischen Venezuela und den USA?
12. Dezember 2025
Mit der Beschlagnahmung eines - wie Donald Trump es nannte - "sehr großen" Öltankers vor der Küste Venezuelas geht der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Venezuela in die nächste Runde.
In den vergangenen Monaten entsandte der US-Präsident verdeckt agierende CIA-Agenten nach Venezuela, versprach, hart gegen die Drogenbanden des Landes vorzugehen, schob massenhaft Venezolaner aus den USA ab, ließ nicht nur den weltgrößten Flugzeugträger, sondern auch Kampfjets und 15.000 Soldaten in die Region verlegen und versenkte Dutzende Boote, die angeblich Drogen aus Venezuela transportierten. 87 Menschen kamen Berichten zufolge dabei um.
Wie konnte es zu dieser Entwicklung kommen?
Waren die Beziehungen schon immer so angespannt?
Schon seit 1999 sind die Beziehungen zwischen den beiden Ländern von Spannungen geprägt. Damals wurde der linkspopulistische Hugo Chavez Präsident von Venezuela. 2002 beschuldigte er die USA, einen fehlgeschlagenen Putschversuch gegen ihn unterstützt zu haben und verwies bald darauf den US-Botschafter des Landes.
Die Spannungen verschärften sich langsam, nachdem der amtierende aber umstrittene Präsident Nicolas Maduro 2013 nach dem Tod von Chavez die Amtsgeschäfte übernahm. 2019, während der ersten Amtszeit von Trump, erreichten die Beziehungen einen ersten Tiefpunkt. In einem bis 2023 anhaltenden Streit um die Präsidentschaftswahl von 2018 unterstützten die USA den Gegenkandidaten Maduros, Juan Guaido. Die Weltöffentlichkeit war in ihrer Unterstützung der rivalisierenden Kandidaten gespalten.
2024 schlug Maduro den unabhängigen Kandidaten Edmundo Gonzalez und wurde als Präsident im Amt bestätigt. Maduros wichtigste Kontrahentin, MarÍa Corina Machado, war vom Obersten Gerichtshof des Landes von der Präsidentschaftswahl ausgeschlossen worden. In einem von vielen internationalen Beobachtern als konstruiert eingestuften Fall war sie zuvor wegen der Beteiligung an einem "Korruptionskomplott" mit Guiado verurteilt worden.
Das Wahlergebnis wurde weithin angezweifelt. Die USA hätten "ernsthafte Bedenken, dass das veröffentlichte Ergebnis nicht den Willen des venezolanischen Volkes widergibt", so der damalige US-Außenminister Antony Blinken.
Im Oktober wurde bekanntgegeben, dass Machado den Friedensnobelpreis erhalten solle. Am Mittwoch nahm ihre Tochter den Preis stellvertretend bei einer Zeremonie in der norwegischen Hauptstadt Oslo entgegen. Kurz darauf traf Machado trotz der Sorgen um ihre Sicherheit verspätet und überraschend in Oslo ein. Sie betonte, dass sie nach Venezuela zurückkehren wolle, wo sie seit nahezu zwei Jahren im Untergrund lebt.
Sollte Maduro aus dem Amt gedrängt werden, würde sie nach Annahme vieler Präsidentin werden.
Möchten die USA Maduro ersetzen?
Im September warf Maduro den USA vor, sie strebten "einen Regimewechsel durch militärische Drohungen" an. In der vergangenen Woche fügte er hinzu, Trump konstruiere "eine absurde, eine vulgäre, kriminelle und vollständig erfundene Geschichte", um einen Vorwand für sein Vorhaben zu finden.
Trump äußert sich etwas weniger direkt und sagte in Bezug auf den Öltanker lediglich, "andere Dinge" würden geschehen, ohne näher darauf einzugehen. In einem Gespräch mit dem Medienportal Politico erklärte er vergangene Woche jedoch, Maduros Tage seien "gezählt" und schloss eine Invasion mit Bodentruppen nicht aus.
Auch die viel zitierte Nationale Sicherheitsstrategie des US-Präsidenten sorgt in Lateinamerika für Unruhe. So heißt es in dem Dokument hinsichtlich der "westlichen Hemisphäre": "Wir werden Regierungen, politische Parteien und Bewegungen, die mit unseren Grundsätzen und unserer Strategie im Einklang stehen, unterstützen und belohnen" und "uns dort entschlossen durchsetzen, wo es in der Region erforderlich ist".
Was ist mit US-Sanktionen gegen Venezuela?
Seit 2019 und den Auseinandersetzungen um die Präsidentschaftswahl 2018 haben die USA Venezuela mit umfassenden Sanktionen belegt. Damals unterzeichnete Trump ein Dekret, in dem er verfügte, dass "alle Vermögenswerte und Rechte an Vermögenswerten der Regierung Venezuelas, die sich in den Vereinigten Staaten befinden" gesperrt würden und "nicht übertragen, bezahlt, exportiert, abgehoben oder anderweitig genutzt werden" dürften. Ähnliche Sanktionen bestehen gegen Kuba, Iran und Nordkorea.
Welche Rolle spielt Venezuelas Öl?
"Wir behalten es wohl", sagte Trump über das Öl des vor der Küste Venezuelas beschlagnahmten Öltankers. Doch im Allgemeinen streitet das Weiße Haus ein Interesse an den venezolanischen Ölvorkommen ab. Trotzdem sind viele Beobachter - und natürlich Maduro - überzeugt, dass Venezuelas riesige Ölreserven bei einer gleichzeitig relativ verarmten Bevölkerung das Land zu einem attraktiven Ziel für die Trump-Regierung machen.
Nach Angaben der US Energiebehörde (USEIA) verfügt Venezuela über enorme Rohölvorkommen von etwa 303 Milliarden Barrel. Das entspricht in etwa einem Fünftel aller Reserven weltweit.
Sanktionen haben Venezuela jedoch von lukrativen Ölmärkten weltweit ausgeschlossen. Das Land sieht sich gezwungen, sein Öl preisgünstig an China zu verkaufen. Dank einer Lizenz des US-amerikanischen Unternehmens Chevron importieren die USA jedoch noch immer etwa 100.000 Barrel täglich aus Venezuela. In den späten 1990ern waren es der USEIA zufolge noch etwa 1500 Barrel pro Tag.
Die USA mögen der führende Ölproduzent der Welt sein, Venezuela jedoch produziert ein schwereres Rohöl, das für die Herstellung von Dieselkraftstoff verwendet wird. Der ist weltweit knapp und wird für viele wichtige Produktionsprozesse benötigt.
In einem offenen Brief an die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), der die USA nicht angehören, beschuldigte Maduro die USA; "ausdrückliche Warnungen" gegen sein Land auszusprechen, die "die Stabilität der venezolanischen Ölproduktion und den internationalen Markt ernsthaft gefährden".
Gibt es noch andere Gründe für den Konflikt?
Das US-Außenministerium betont, dass das gestiegene Interesse Trumps an Venezuela auf den Drogenhandel zurückzuführen sei. Die USA hielten entschlossen an "ihren Maßnahmen zur Drogenbekämpfung in der Karibik und an ihrem Einsatz zum Schutz der Amerikaner vor dem tödlichen Gift des Maduro-Regimes", fest. Die tödlichen Angriffe der USA auf Boote nähmen "Narco-Terroristen" ins Visier, insistiert Trump.
Eine solche harte Linie gegen ein Land, das den USA geografisch so nahe ist, dürfte bei Trumps Anhängern in den USA gut ankommen, die Rechtmäßigkeit der Angriffe wird aber von Fachleuten in beiden Ländern angezweifelt.
Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.
Dieser Artikel wurde am 7.1.2026 korrigiert. In einer vorherigen Version hieß es, dass die USA nach wie vor 100 Barrel Rohöl pro Tag aus Venezuela importieren, richtig sind jedoch 100.000 Barrel Rohöl. Die Redaktion bittet, den Fehler zu entschuldigen.