Venezuela nennt US-Erstürmung eines Öltankers "Piraterie"
11. Dezember 2025
Die venezolanische Regierung hat die Erstürmung eines Öltankers vor der Küste des südamerikanischen Landes durch das US-Militär scharf verurteilt. Der bewaffnete Einsatz sei "ein dreister Raubüberfall und ein Akt internationaler Piraterie", erklärte das Außenministerium in Caracas und fügte hinzu, man werde den Vorfall vor internationale Gremien bringen.
US-Justizministerin Pam Bondi und FBI-Chef Kash Patel hatten die außergewöhnliche Aktion damit begründet, dass das Schiff einem illegalen Netzwerk diene, das "ausländische Terrororganisationen" unterstütze. Der Tanker sei für den Transport von sanktioniertem Öl aus Venezuela und dem Iran genutzt worden, schrieb Bondi auf der Plattform X.
US-Präsident Donald Trump sagte, es handele sich um den größten Tanker, der jemals beschlagnahmt worden sei. Trump kündigte an, es würden noch "andere Dinge" passieren, nannte aber keine Details. Auf die Frage, was mit dem Öl an Bord des Schiffers geschehe, antwortete er: "Wir behalten es, schätze ich."
Soldaten seilen sich ab
Bondi und Patel veröffentlichten ein Video, das die spektakuläre Aktion zeigen soll. Darauf ist ein Tanker zu erkennen, dem sich ein Hubschrauber nähert. Soldaten seilen sich aufs Deck ab und sichern das Schiff mit gezückten Waffen. Von der Mannschaft ist nichts zu sehen. An der Übernahme waren nach Angaben Bondis die Küstenwache, das FBI und das Heimatschutzministerium mit Unterstützung des Pentagons beteiligt.
Der britischen maritimen Risikomanagement-Gruppe Vanguard zufolge dürfte es sich um den Tanker "Skipper" handeln. Die Vereinigten Staaten hatten Sanktionen gegen das damals noch "Adisa" heißende Schiff verhängt, weil es nach Angaben aus Washington am Handel mit iranischem Öl beteiligt war. Die Seebehörde in Guyana erklärte, die "Skipper" sei fälschlicherweise unter der Flagge des venezolanischen Nachbarlandes gefahren, und sprach zugleich von einem inakzeptablen Trend, die Flagge Guyanas unerlaubt zu nutzen.
Mit der Erstürmung des Schiffes haben die Spannungen zwischen Washington und Caracas eine neue Eskalationsstufe erreicht. In den vergangenen Monaten hatte das US-Militär wiederholt Schnellboote in der Karibik versenkt, die angeblich mit Drogen beladen waren. Außerdem zogen die USA in der Region eine schlagkräftige Streitmacht aus Kampfflugzeugen, Soldaten und Kriegsschiffen zusammen, darunter der weltgrößte Flugzeugträger.
Konkurrenz unter sanktionierten Mächten
Die Beschlagnahmung ist allerdings die erste bekannte Aktion gegen einen Öltanker, seit Trump den Druck auf Venezuelas autoritären Machthaber Nicolás Maduro sichtbar erhöht hat. Das Land mit rund 31 Millionen Einwohnern ist stark von Exporteinnahmen abhängig und liefert sein Öl vor allem an den US-Rivalen China. Dabei konkurriert der lateinamerikanische Staat, der über die größten bekannten Erdölreserven der Welt verfügt, zunehmend mit ebenfalls sanktioniertem Öl aus Russland und dem Iran. Im vergangenen Monat exportierte Venezuela mehr als 900.000 Barrel pro Tag.
Maduro wirft der Trump-Regierung vor, es bei der Eskalation des Konflikts vor allem auf diesen Energieträger abgesehen zu haben und einen Machtwechsel in Caracas erzwingen zu wollen. "Jetzt zeigen sich die wahren Gründe für die andauernde Aggression gegen Venezuela. Es geht nicht um Migration. Es geht nicht um Drogenhandel. Es geht nicht um Demokratie. Es geht nicht um Menschenrechte", heißt es in der Stellungnahme des venezolanischen Außenministeriums. "Es geht immer um unsere Bodenschätze, unser Öl, unsere Energie, um die Ressourcen, die ausschließlichen dem Volk Venezuelas gehören."
Seit Monaten lässt Trump den Konflikt mit Venezuela schrittweise eskalieren. Seine Regierung rechtfertigt den Einsatz militärischer Gewalt als notwendiges Mittel im Kampf gegen organisierte Drogenkriminalität und Rauschgift schmuggelnde "Terroristen", die eine Gefahr für die Bevölkerung der USA darstellten. Aus Sicht von UN-Menschenrechtsexperten verstößt Trumps Regierung damit gegen das Völkerrecht.
Trump: Maduros Tage sind gezählt
Der US-Präsident betonte mehrfach, dass er auch Einsätze an Land nicht ausschließe. Zuletzt entgegnete er im Interview des Nachrichtenportals "Politico" auf die Frage nach einer möglichen amerikanischen Bodeninvasion in Venezuela, er wolle weder etwas bestätigen noch ausschließen. Auch auf die Frage, wie weit er gehen würde, um Präsident Maduro aus dem Amt zu drängen, wollte Trump nicht antworten. Er betonte aber: "Seine Tage sind gezählt." Der US-Präsident warf Maduro vor, das venezolanische Volk "furchtbar" zu behandeln.
jj/wa (dpa, afp, rtr)
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