Wie Donald Trump zum größten Antreiber von Corona-Fake-News wurde | Start | DW | 02.10.2020
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Desinformation

Wie Donald Trump zum größten Antreiber von Corona-Fake-News wurde

US-Präsident Trump wurde Corona-positiv getestet. Zuvor hatte er die Gefahren verharmlost, angebliche Wundermittel gepriesen und damit - einer Studie zufolge - maßgeblich zur Verbreitung von Falschmeldungen beigetragen.

Die Häme ließ nicht lange auf sich warten. Minuten nachdem US-Präsident Donald Trump via Twitter mitgeteilt hatte, dass er und seine Frau Melania positiv auf das Coronavirus getestet wurden, hagelte es Spott in den Sozialen Medien: "Jetzt gibt es tatsächlich mal eine Nachricht von Donald Trump, die positiv ist", "mögest du dich schnell wieder von Donald Trump erholen. Gute Besserung COVID", "tja, Karma" oder "ich empfehle eine Flasche Desinfektionsmittel auf Ex", schrieben Nutzer auf Twitter.

Die Tatsache, dass manche Menschen mit Schadenfreude auf Trumps Erkrankung reagieren, liegt zum einen an dessen polarisierender Politik, zum anderen möglicherweise auch an Trumps bisheriger Rolle in der Corona-Krise. Diese ist mit Blick auf die Verbreitung von Falschinformationen zum Coronavirus nach Erkenntnissen eines Forscherteams der US-Universität Cornell größer als bislang angenommen.

Was besagt die Studie?

Die Privatuniversität in Ithaca im Bundesstaat New York wertete 38 Millionen englischsprachige Medienberichte aus aller Welt aus. Demnach wurden in mehr als 522.000 dieser Artikel, die zwischen dem 1. Januar und dem 26. Mai veröffentlicht wurden, falsche Informationen zum Coronavirus erwähnt. In der nach eigener Aussage ersten großangelegten Studie, die klassische und Onlinemedien auf Corona-Desinformationen untersuchte, kommen die Forscher aus Ithaca zu dem Schluss, "dass der Präsident der Vereinigten Staaten wahrscheinlich der größte Treiber für COVID-19-Desinformation war". In 37,9 Prozent der Fälle von Falschinformation sei Donald Trump genannt worden.

Corona-Schlagzeilen in US-Zeitungen (23.03.2020)

Corona-Schlagzeilen in US-Zeitungen (im März): Medien als Plattform für Trump-Behauptungen?

Das vierköpfige Forscherteam untersuchte mittels einer Cloud-basierten Datenbank mehr als sieben Millionen Medien aus den Bereichen Print, Fernsehen und Online. 1,1 Millionen Artikel enthielten nach Angaben der Wissenschaftler Falschinformationen zu COVID-19, das entspreche rund drei Prozent aller untersuchten Beiträge.

Welche Falschinformationen hat Trump verbreitet?

Bei den meisten Fällen von "Fake News", die durch US-Präsident Trump verbreitet wurden, ging es demnach um vermeintliche "Wundermittel" gegen das Coronavirus. Besonders viele Artikel erschienen nach der Aussage Trumps im April, wonach sich das Virus durch das Spritzen von Desinfektionsmitteln bekämpfen ließe. Später versuchte sein Beraterteam diese Äußerung als "Idee" darzustellen und Trump selbst wollte die Einlassung als "Sarkasmus" verstanden wissen.

Einen kleineren, aber ebenfalls signifikanten Anstieg von erfassten Berichten gab es nach Trumps Einlassungen zum Malaria-Mittel Hydroxychloroquin. Das Medika­ment sei ein "Geschenk Gottes" und könne einer der größten Durchbrüche der Medizin­geschichte werden, schwärmte Trump. Die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin gegen das Coronavirus ist jedoch nicht erwiesen. Andere durch Trump verbreitete Falschinformationen waren Aussagen wie, dass das Virus "wie von Zauberhand und ganz plötzlich verschwinden" werde oder dass man Theorien "noch öfter hören werde", wonach das Virus aus einem chinesischen Labor stamme.

Hat Trump die Gefahr bewusst verharmlost?

Davon ist inzwischen auszugehen. US-Reporter-Legende Bob Woodward veröffentlichte kürzlich in seinem Buch "Rage", dass der Präsident in einem Interview schon am 7. Februar gesagt habe: "Das ist ein tödliches Zeug. (…) Es ist auch tödlicher als die Grippe." Öffentlich klang Trump ganz anders. Besonders zu Beginn der Pandemie hatte er die Gefahr von COVID-19-Erkrankungen heruntergespielt und behauptet, dass die Sterberate niedriger als bei einer Grippe sei. Gleichzeitig hielt er Wahlkampfveranstaltungen mit vielen Zuschauern ab und machte sich über seinen Herausforderer Joe Biden lustig, der oft einen Mundschutz trage.

Buch Rage von Bob Woodward

Woodward-Buch "Rage": "Das ist ein tödliches Zeug"

Im Gespräch mit Woodward räumte Trump da längst ein, dass er die Öffentlichkeit bewusst im Unklaren über die wahren Gefahren lasse. "Um ehrlich mit Ihnen zu sein, Bob, ich wollte es immer herunterspielen. Ich spiele es auch immer noch gern herunter, weil ich keine Panik erzeugen will", sagte Trump in einem Interview mit dem Journalisten am 19. März.

Welchen Schaden hat Trump mit den Desinformationen angerichtet?

Eine direkte Kausalkette zwischen verbreiteter Desinformation und Erkrankungen beziehungsweise Todesfällen durch das Coronavirus lässt sich kaum ziehen. Zu viele andere Faktoren spielen bei der Verbreitung der Pandemie eine maßgebliche Rolle. Zudem stellt sich die Frage, ob eine Person allein für die Verbreitung der Desinformation verantwortlich sein kann.

Allerdings macht Sarah Evanega, die Leiterin der Cornell-Studie, klar, dass es dennoch Hinweise zur Gefahr durch Falschinformationen gebe: "Wenn Menschen durch unwissenschaftliche und unbegründete Behauptungen über diese Krankheit in die Irre geführt werden, ist womöglich die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie sich an offizielle Richtlinien halten." Die Menschen könnten so zur Verbreitung des Coronavirus beitragen.

Zudem gab es tragische Fälle wie in den USA: Dort starben kurz nach den Aussagen von Trump zur angeblich heilenden Wirkung von Desinfektionsmittel vier Menschen, die Handdesinfektionsmittel getrunken hatten. Weitere Personen erlitten Vergiftungen, teilten US-Gesundheitsämter mit.

Welche Rolle spielen die Medien?

Keine Falschinformation kann sich ohne Medien verbreiten. US-Präsident Trump nutzte auch während der Pandemie den Kurzmitteilungsdienst Twitter, um seinen Ansichten zum Coronavirus zu verbreiten. Darüber hinaus boten aber auch die Massenmedien ihm und seinen Behauptungen eine Plattform.

Das Forscherteam der Universität Cornell fand heraus, dass nur in 16,4 Prozent der Fälle von verbreiteten Desinformationen ein journalistischer Faktencheck stattgefunden habe. Die Mehrheit der Falschbehauptungen sei somit ohne Hinterfragung oder Korrektur verbreitet worden. Die Medien spielen daher eine "übergroße Rolle" bei der Verbreitung von Desinformation. "Durch unkritische Berichterstattung über Aussagen und Bemerkungen durch einflussreiche Persönlichkeiten, ohne diese notwendigerweise zu verifizieren oder die Korrektheit der Behauptungen zu prüfen, riskieren Medien ungewollt zur Verbreitung von Desinformation beizutragen", heißt es in der Schlussfolgerung der Studie.

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Ehepaar Trump Corona-positiv getestet

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