Verdacht gegen Kronprinzen im Kashoggi-Mord erhärtet | Aktuell Nahost | DW | 07.02.2019
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Fall Khashoggi

Verdacht gegen Kronprinzen im Kashoggi-Mord erhärtet

Der saudische Thronfolger soll einem Bericht zufolge von "einer Kugel" gegen den Journalisten Jamal Khashoggi gesprochen haben. Die UN hatte Saudi-Arabien kurz zuvor Behinderungen bei den Mordermittlungen vorgeworfen.

Einem Bericht der "New York Times" zufolge erhärten neue Erkenntnisse von US-Geheimdiensten den Verdacht, Kronprinz Mohammed bin Salman habe den Mord an Kashoggi in Auftrag gegeben. Demnach soll der Thronfolger in einem Gespräch mit einem Mitarbeiter gesagt haben, der in Washington im Exil lebende Kashoggi müsse nach Saudi-Arabien gelockt oder mit Gewalt zurückgeholt werden. Wenn das nicht gelinge, würde er "mit einer Kugel" gegen den regierungskritischen Journalisten vorgehen.

Am Donnerstag erst hatte die UN-Expertin Agnes Callamard schwere Vorwürfe gegen die saudische Staatsspitze im Mordfall Kashoggi erhoben. Die Behörden hätten keine sorgfältige Untersuchung des Tatorts ermöglicht, sagte Callamard. Die Expertin, die dem UN-Menschenrechtsrat über Massentötungen und Hinrichtungen berichtet, hatte Ermittlungen in der Türkei vorgenommen.

Saudi-Arabien Tabuk Mohammed bin Salman (picture-alliance/abaca/Royal Palace/B. Al Jaloud)

Was hat Kronzprinz Mohammed bin Salman mit dem Fall Kashoggi zu tun?

Die Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi verlange die "dringliche Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft, einschließlich der Vereinten Nationen", forderte sie nun in Genf. Callamard war Ende Januar in die Türkei gereist und hatte sich dort unter anderem mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu getroffen.

Die Führung in Riad steht seit Khashoggis Tod international unter Druck. Der im Exil in den USA lebende Journalist war im Oktober 2018 im Konsulat in Istanbul von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando ermordet und zerstückelt worden. Seine Leiche wurde nicht gefunden. Er wollte in dem Konsulat Papiere für seine geplante Hochzeit mit einer Türkin abholen.

Istanbul Agnes Callamard Sonderberichterstatterin willkürliche Hinrichtungen (picture-alliance/AP/C. Yurttas)

Sonderberichterstatterin Agnes Callamard war Ende Januar nach Istanbul gereist

Die gesammelten Beweismittel zeigten, dass der regierungskritische Journalist  "das Opfer einer brutalen und vorsätzlichen Tötung" gewesen sei, geplant und ausgeführt von Vertretern Saudi-Arabiens, teilte Callamard weiter mit. Zudem verurteilte sie den Missbrauch der diplomatischen "Immunität" durch Saudiaraber, um "ungestraft" einen Mord zu begehen.

Nach Darstellung der Führung in Riad ordneten der inzwischen entlassene Vize-Geheimdienstchef Ahmed al-Assiri und der königliche Medienberater Saud al-Kahtani den Einsatz an. Kronprinz Mohammed bin Salman sei nicht informiert gewesen, hieß es. Doch bleibt der Verdacht, dass er der eigentliche Verantwortliche ist.

uh/qu (dpa, afp)

 

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