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Trumps Papst-Kritik: Der US-Präsident legt nach

15. April 2026

US-Präsident Donald Trump hört nicht gerne mahnende Worte, wenn sie ihm nicht in den Kram passen. Kritiker müssen mit Breitseiten rechnen. So auch Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni und Papst Leo.

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USA Washington D.C. 2026 | Donald Trump steht vor der Terrassentür zum Oval Office (13.04.2026)
US-Präsident Trump vor dem Weißen Haus (am Dienstag): "Schreckliche Außenpolitik"Bild: CNP/ADM/Capital Pictures/picture alliance

Seit Papst Leo XIV. am Samstag ein Ende aller Kriege in der Welt forderte und damit auch den Iran-Krieg meinte, herrscht Aufruhr im Weißen Haus in Washington. US-Präsident Donald Trump hat das Oberhaupt der katholischen Kirche inzwischen mehrfach verbal angegriffen. Wiederholt überzog er Leo mit rhetorischen Attacken und forderte den Papst auf, sich zusammenzureißen und aus der Politik herauszuhalten.

Nun hat Trump noch einmal nachgelegt: "Kann bitte jemand Papst Leo sagen, dass der Iran in den vergangenen zwei Monaten mindestens 42.000 unschuldige, völlig unbewaffnete Demonstranten getötet hat?", schrieb der Präsident der USA besserwisserisch am späten Dienstagabend (Ortszeit) auf seiner Plattform Truth Social.

Es sei "absolut inakzeptabel", dass der Iran über eine Atombombe verfüge, postete der 79-jährige zu später Stunde. Bereits zuvor hatte Trump dem Papst vorgeworfen, eine "schreckliche" Außenpolitik zu betreiben.

Trumpscher Zorn gegen Leo-Unterstützerin Meloni

Auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni - bislang bei Trump wohl gelitten - ist nun im Weißen Haus in Ungnade gefallen: Meloni hatte es gewagt, die harsche Kritik am Papst als "inakzeptabel" zu bezeichnen.

Trump antwortete Meloni in einem Interview mit der italienischen Zeitung "Corriere della Sera": "Ich bin schockiert über sie. Ich dachte, sie hätte Mut. Ich habe mich geirrt."

Sie leiste "keinerlei Hilfe, um Öl zu beschaffen", warf Trump der italienischen Regierungchefin mit Blick auf den Konflikt mit dem Iran vor. Er könne sich nicht vorstellen, dass dies den Italienern gefalle.

Ägypten Scharm el Scheich 2025 | Donald Trump gibt Giorgia Meloni die Hand und flüstert ihr etwas ins Ohr (13.10.2026)
Vertraute Meloni und Trump (im Oktober in Scharm el Scheich): "Ich bin schockiert"Bild: Evan Vucci/AP Photo/dpa/picture alliance

Immer wieder kritisiert Trump internationale Partner, dass sie sich nicht aktiver im Iran-Krieg einbringen. Streitpunkte waren unter anderem die Nutzung von Militärstützpunkten sowie eine Mission zur Öffnung der Straße von Hormus.

Meloni ihrerseits lehnte mit Blick auf den Iran-Krieg von Anfang an eine italienische Beteiligung ab. Zuletzt hatte Italien auch US-Flugzeugen die Landung auf einem Stützpunkt auf der Mittelmeerinsel Sizilien verweigert.

Trump und Meloni eigentlich enge Verbündete

Italiens rechte Ministerpräsidentin zählt in Europa eigentlich zu den Regierungschefs, die einen guten Draht zu Trump haben. Meloni hatte immer wieder versucht, als Brückenbauerin zwischen der Europäischen Union und der Trump-Regierung zu agieren.

Trump wiederum lobte die Politikerin mehrfach. Unter anderem nannte er sie "unglaublich" und eine "sehr erfolgreiche Politikerin".

Die USA und Israel hatten Ende Februar den Krieg gegen den Iran begonnen - unter anderem mit dem Ziel, das Atomprogramm Teherans und damit auch die Fähigkeit zum Bau von Atomwaffen zu verhindern. Derzeit gilt eine zweiwöchige Waffenruhe.

Ende Dezember hatten im Iran Proteste begonnen, die zunächst durch eine Wirtschaftskrise ausgelöst worden waren. Rasch entwickelten sich die Demonstrationen jedoch zu politischen Aufständen gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Der Sicherheitsapparat ging brutal gegen die Proteste vor.

Papst warnt vor "Tyrannei der Mehrheit"

Der in den USA geborene Leo XIV. hatte am Samstag in Rom bei einem Friedensgebet im Petersdom mit eindringlichen Worten ein Ende von Kriegen gefordert. Zuletzt hatten die Friedensappelle des sonst zurückhaltenden Papstes vor allem mit Blick auf den Iran-Krieg an Deutlichkeit zugenommen. Trumps harsche Drohungen gegen den Iran verurteilte Leo ungewöhnlich scharf und nannte sie "wirklich inakzeptabel".

Algerien Annaba 2026 | Papst Leo XIV. feiert Messe in der Basilika Sankt Augustin (14.04.2026)
Papst Leo XIV. bei einer Messe in Annaba (am Dienstag): Eindringliche WorteBild: Guglielmo Mangiapane/REUTERS

Und offenbar lässt sich der Papst nicht von der Kritik von Trump und dessen Vize JD Vance einschüchtern. Auf seiner Afrika-Reise warnte Leo am Disnetag davor, dass Demokratien ohne moralisches Wertefundament Gefahr liefen, in eine Tyrannei der Mehrheit abzugleiten. Damit könnte der Papst viele Länder gemeint haben - auch die USA unter Donald Trump.

AR/pgr (dpa, rtr, afp)

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