1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
GlaubeVatikan

Papst Leo: Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung

13. April 2026

Donald Trump ist bekannt für seine verletzenden und unflätigen Äußerungen in sozialen Medien. Jetzt greift der US-Präsident Papst Leo XIV. verbal an. Die Replik folgt prompt.

https://p.dw.com/p/5C4z4
Italien Fiumicino 2026 | Papst Leo XIV. winkt vor seinem Abflug nach Algier an der Tür des Flugzeugs
Papst Leo XIV. vor seinem Abflug nach Algier an diesem MontagBild: Gregorio Borgia/AP Photo/picture alliance

Papst Leo XIV. will sich auch künftig "lautstark gegen Krieg aussprechen". Das bekräftigte der Papst vor Journalisten an Bord eines Flugzeugs auf dem Weg nach Algerien. Das muslimische Land ist die erste Station des Oberhauptes der katholischen Kirche auf seiner Reise durch vier afrikanische Länder

Papst: Zu viele unschuldige Menschen werden getötet

Leo XIV. sagte weiter, er werde sich auch künftig "dafür einsetzen, den Frieden zu fördern, den Dialog und multilaterale Beziehungen zwischen den Staaten zu stärken, um gerechte Lösungen für Probleme zu finden". Er sei kein Politiker. Er lade alle Menschen dazu ein, Brücken für Frieden und Versöhnung zu bauen und nach Wegen zu suchen, um Krieg zu vermeiden. Zu viele Menschen litten in der Welt. Zu viele unschuldige Menschen würden getötet. "Und ich denke, jemand muss aufstehen und sagen, dass es einen besseren Weg gibt."  

USA Washington D.C. 2026 | Donald Trump spricht mit Reportern
Donald Trump: "Ich bin kein großer Fan von Papst Leo"Bild: Alex Brandon/AP Photo/picture alliance

Der Papst wies mit Blick auf US-Präsident Donald Trump darauf hin, was er sage, sei keineswegs als Angriff auf irgendjemanden gemeint. Zugleich betonte er: "Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung." 

"Deklaration der Ohnmacht"

Zuvor hatte ein Mitarbeiter des Vatikans die Verbalattacke von Trump gegen Papst als "Deklaration der Ohnmacht" eingeordnet. Der Jesuit Antonio Spadaro, Untersekretär in der Kulturbehörde des Vatikans, schrieb am Montagmorgen in sozialen Medien: "Wenn politische Macht eine moralische Stimme attackiert, dann liegt es oft daran, dass sie diese Stimme nicht in ihre Schranken weisen kann."

Italien Rom 2021 | Antonio Spadaro
Der Italiener Antonio Spadaro war früher Chefredakteur der einflussreichen Jesuitenzeitschrift "La Civiltà Cattolica" (Archivbild) Bild: Maurizio D Avanzo/IPA/IMAGO

Weiter erklärte der 59-Jährige: "In diesem Sinn ist die Attacke eine Deklaration der Ohnmacht."

Trump beschimpft den Papst als "Katastrophe in der Außenpolitik"

Trump hatte Sonntagnacht auf seiner eigenen Plattform Truth Social geschrieben, Leo XIV. sei "SCHWACH im Umgang mit Kriminalität und eine Katastrophe in der Außenpolitik". "Ich will keinen Papst, der glaubt, es sei in Ordnung, wenn der Iran eine Atomwaffe hat", so der US-Präsident.

"Leo sollte dankbar sein", führte Trump weiter aus. "Wäre ich nicht im Weißen Haus, wäre Leo nicht im Vatikan", behauptete er. "Er stand auf keiner Liste der Papstkandidaten und wurde von der Kirche nur deshalb dort draufgesetzt, weil er Amerikaner war und man dachte, das wäre der beste Weg, um mit Präsident Donald J. Trump umzugehen."

Trump warf seinem Landsmann vor, sich selbst und der Kirche mit seiner "laschen" Haltung zu schaden: "Leo sollte sich als Papst zusammenreißen, seinen gesunden Menschenverstand einsetzen, aufhören, der radikalen Linken nach dem Mund zu reden, und sich darauf konzentrieren, ein großer Papst zu sein, kein Politiker".

US-Bischofskonferenz ebenfalls entsetzt

Die katholischen Bischöfe in den USA verurteilten Trumps verbale Angriffe mit scharfen Worten. "Ich bin bestürzt darüber, dass der Präsident derart abfällige Worte über den Heiligen Vater gewählt hat", heißt es in einer Mitteilung des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Paul Stagg Coakley.

Erzbischof Paul Stagg Coakley während einer Messe
Paul Stagg Coakley, Erzbischof von Oklahoma City (Archivbild) Bild: Claudio Peri/dpa/picture alliance

Der Papst sei weder ein Gegner des US-Präsidenten, noch ein Politiker, erklärte Coakley.

Papst: Drohungen gegen zivile Ziele sind "inakzeptabel"

Der für seine bedachte ​Wortwahl bekannte Leo XIV. hatte zuletzt mehrfach den Ende Februar begonnenen amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran kritisiert. Nachdem Trump am vergangenen Dienstag dem Regime in Teheran mit der Auslöschung einer "ganzen Zivilisation" gedroht hatte, verurteilte der in den Vereinigten Staaten geborene Papst Drohungen gegen zivile Ziele im Iran als "inakzeptabel".

Zudem forderte er ein Nachdenken über die ‌Behandlung ​von Migranten in den USA unter der Trump-Regierung.

Vatikan 2026 | Papst Leo XIV., Emmanuel Macron und Brigitte Macron blicken auf ein Dokument und ein aufgeschlagenes Buch
Papst Leo XIV. empfängt den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dessen Ehefrau Brigitte im Vatikan (10.04.2026)Bild: Vatican Media/Catholic Press Photo/ipa-agency/picture alliance

Zuletzt hatte Leo XIV. am Samstag gemeinsam mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs zu Frieden in der Welt aufgerufen. Der Pontifex kritisierte scharf die "sinnlose und unmenschliche Gewalt" im Nahen Osten und erklärte, Christen könnten nicht an der Seite jener stehen, die "heute Bomben abwerfen". Vor Gläubigen im Petersdom in Rom sagte der Papst: "Genug des Krieges!"

se/pgr (kna, rtr, ap, epd, afp, dpa)