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Hadsch trotz Krieg: Mekka empfängt Pilger aus aller Welt

Cathrin Schaer
23. Mai 2026

Die Hadsch findet in einer Zeit statt, in der Saudi-Arabien vom Iran-Krieg betroffen ist und bereits mehrfach direkt angegriffen wurde. Dennoch hält das Königreich an der muslimischen Pilgerfahrt fest.

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Hadsch-Pilger besuchen vor der Wallfahrt die Große Moschee in Mekka, Mai 2026
Hadsch-Pilger besuchen vor der Wallfahrt die Große Moschee in Mekka, Mai 2026Bild: Ali Atmaca/Anadolu/picture alliance

Jahr für Jahr ziehen Millionen Muslime nach Mekka, um dort religiöse Riten zu vollziehen. Dieses Ritual, die sogenannte Hadsch, soll jeder Gläubige der islamischen Lehre zufolge zumindest einmal im Leben ausführen - vorausgesetzt, er ist dazu in der Lage. Die Hadsch zählt zu den größten Menschenansammlungen weltweit.

Die diesjährige Pilgerfahrt findet vom 24. / 25. bis 29. Mai statt. In Saudi-Arabien werden auch in diesem Jahr rund 1,5 Millionen Pilger erwartet - trotz des Iran-Kriegs. In den vergangenen drei Jahren lag die Teilnehmerzahl jeweils zwischen 1,7 und 1,8 Millionen.

Historikern zufolge wurde die Hadsch im Laufe von mehr als 14 Jahrhunderten nur etwa 40 Mal abgesagt oder eingeschränkt; letzteres geschah zuletzt während der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020.

Der Umstand, dass über eine Million Pilger innerhalb weniger Tage an einem einzigen Ort zusammenkommen, stellt seit jeher eine logistische Herausforderung dar. Saudi-Arabien organisiert dafür Sicherheitsmaßnahmen, Unterkünfte, Versorgung und medizinische Betreuung unter extremen klimatischen Bedingungen. Immer wieder kommt es während der Pilgerfahrt zu hitzebedingten Zwischenfällen; in den vergangenen Jahren starben zahlreiche Menschen infolge extremer Temperaturen.

Zusätzlich erschwert wird dies in diesem Jahr durch den militärischen Konflikt mit dem Iran. Der Krieg begann Ende Februar, als die USA und Israel Ziele im Iran attackierten. Der Iran reagierte darauf mit Angriffen auf Israel und die Golfstaaten, darunter mehrfach auch Saudi-Arabien.

Zwar gilt derzeit eine Waffenruhe. Unklar bleibt jedoch, wie stabil diese tatsächlich ist und bleiben wird. Am vergangenen Wochenende etwa fing Saudi-Arabien drei Drohnen ab, die nach Angaben des Königreichs vermutlich von pro-iranischen Milizen aus dem Irak gestartet worden waren.

 Hadsch-Pilger in Saudi-Arabien, Juni 2025
Hadsch-Pilger in Saudi-Arabien, Juni 2025Bild: Esra Hacioglu/Anadolu/picture alliance

Reisewarnungen ausgesprochen

In diesem Jahr hat die US-Regierung ihre eigenen muslimischen Staatsbürger erstmals dazu aufgerufen, eine Teilnahme an der Pilgerfahrt zu überdenken. Sie begründete dies damit, dass Anfang März nicht unbedingt notwendige Mitarbeiter der US-Regierung angewiesen worden seien, Saudi-Arabien zu verlassen.

Deutschland, Großbritannien und andere europäische Staaten haben ebenfalls Reisewarnungen für Saudi-Arabien herausgegeben. Sie raten ihren Bürgern dazu, die Sicherheitslage aufmerksam zu verfolgen und Reisen in die Region sorgfältig abzuwägen. Mehrere in Deutschland ansässige und auf Hadsch-Reisen spezialisierte Reisebüros ließen entsprechende Anfragen der DW unbeantwortet.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland erklärte auf Anfrage, die Pilger blieben von aktuellen Ereignissen meist unberührt. Die Pilger würden davon motiviert, eine religiöse Pflicht zu erfüllen, sagte ein Sprecher des Rates gegenüber der DW. "Für sie ist dies weit mehr als eine reine Erholungsreise. Da die Reiseplanung meist über ein Jahr dauert und oft mit erheblichen finanziellen Verpflichtungen verbunden ist, ist die Hürde für eine Absage sehr hoch."

Ihm seien keine Fälle bekannt, in denen Personen aus Deutschland ihre Reise aufgrund des Iran-Krieges abgesagt hätten, so der Sprecher. Zwar habe es Unsicherheit über die weitere Entwicklung gegeben. Dennoch hätten die Pilger an ihren Plänen festgehalten.

Auch jene Länder, die üblicherweise die größten Pilgerkontingente entsenden, zeigten sich zunächst zurückhaltend. Indonesien riet seinen Bürgern im März dazu, ihre Abreise aufzuschieben, bis mehr Klarheit über den weiteren Verlauf des Krieges herrsche. Aus Indonesien sollen nun rund 221.000 Pilger zur Hadsch kommen. Indonesien betont, für den Notfall seien Evakuierungspläne vorbereitet. Auch andere mehrheitlich muslimische Staaten haben ihren Pilgern zwischenzeitlich grünes Licht gegeben.

Muslime mit Sonnenschirmen nahe der Großen Moschee vor der Hadsch, Mai 2026
Hitze als ständiger Begleiter: Muslime mit Sonnenschirmen, wenige Tage vor Beginn der Hadsch, Mai 2026Bild: Ibraheem Abu Mustafa/REUTERS

Könnte der Iran gezielt angreifen?

Experten halten es für äußerst unwahrscheinlich, dass der Iran Angriffe auf Mekka verüben könnte. Die dortigen heiligen Stätten sind auch für iranische Muslime von höchster Bedeutung und der Iran versteht sich selbst als Islamische Republik. Zudem werden sich trotz des Krieges auch iranische Pilger in Mekka aufhalten.

Dennoch bestehen kriegsbedingte Befürchtungen, vor allem mit Blick auf fehlgeleitete Raketen oder Unfälle. Die saudische Regierung veröffentlichte kürzlich Bilder von rund um die heiligen Stätten stationierten Patriot-Raketenbatterien und verwies auf ihr mehrstufiges Luftverteidigungssystem.

Analysten des Online-Magazins "House of Saud" warnen jedoch vor möglichen Risiken durch Trümmerteile abgefangener Raketen oder fehlgeleitete Drohnen. Noch gravierender wären nach Ansicht des Magazins mögliche Folgen eines Angriffs auf den iranischen Kernreaktor in Buschehr oder eines dortigen Unfalls. Radioaktiver Niederschlag könnte in einem solchen Fall bis nach Saudi-Arabien getragen werden, warnt "House of Soud".

Blick auf Öl-Pipelines im saudischen Yanbu
Der Krieg setzt auch die Wirtschaft unter Druck. Blick auf Öl-Pipelines im saudischen YanbuBild: Mehmet Biber/dpa/picture alliance

Wirtschaftliche Auswirkungen

Der Konflikt im Nahen Osten hat für die diesjährige Haddsch auch wirtschaftliche Folgen. Aufgrund gestiegener Flugtreibstoffpreise wird die Pilgerreise teurer. Zudem haben zahlreiche Fluggesellschaften ihre Routen in den Nahen Osten gestrichen oder müssen bestimmte Lufträume meiden. Das kann längere und teurere Flüge zur Folge haben.

Auch Versicherungen spielen eine größere Rolle als in früheren Jahren. Saudi-Arabien schreibt ausländischen Pilgern den Abschluss einer Reiseversicherung vor. Viele Policen decken allerdings Schäden infolge militärischer Konflikte nicht ab. Versicherungen für Konfliktgebiete sind deutlich teurer, so dass Pilger im Ernstfall häufig wohl selbst für zusätzliche Kosten aufkommen müssten.

Aus dem Englischen adaptiert von Kersten Knipp. 

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