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Ukraine wehrt sich mit Angriff auf St. Petersburg

3. Juni 2026

Russlands Präsident Wladimir Putin hat Gäste aus aller Welt zu einem Wirtschaftsforum nach St. Petersburg eingeladen. Rauchwolken nach ukrainischen Drohnenangriffen trüben den Auftakt.

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Russland Sankt Petersburg 2026 | Eine Fußgängerzone, schwarzer Rauch steigt am Horizont auf  (03.06.2026)
Innenstadt von St. Petersburg nach Drohnenangriff auf ein ÖllagerBild: Ali Cura/Anadolu/picture alliance

Langstreckendrohnen aus der Ukraine haben ein Öllager in St. Petersburg angegriffen und in Brand gesetzt. Dies teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Seitdem ziehen Rauchwolken über die Metropole an der Ostsee.

Und zwar just zu dem Zeitpunkt, als in der russischen Stadt das jährliche internationale Wirtschaftsforums SPIEF beginnt. Präsident Wladimir Putin ist Gastgeber bei dem glanzvoll für Gäste aus aller Welt inszenierten Forum, das eigentlich zeigen soll, wie gut es in Russland läuft.

Die ukrainischen Drohnen legten eine Flugstrecke von mehr als 1000 Kilometern zurück, um das Ölterminal im Petersburger Hafen zu treffen, so Selenskyj. Die russischen Behörden teilten lediglich mit, der ukrainische Drohnenangriff habe der städtischen Infrastruktur gegolten, ohne jedoch weitere Einzelheiten zu nennen.

Russland Sankt Petersburg 2026 | Rauch steigt pber der Skyline von St. Petersburg auf (03.06.2026)
Angegriffener Petersburger OstseehafenBild: Stringer/REUTERS

Der Flughafen von St. Petersburg stellte den Flugbetrieb aufgrund des Angriffs über Nacht vorübergehend ein. Zudem unterbrachen die Behörden die mobilen Internetdienste.

Nach Parade-Blamage Angriff auf Putins Prestigeprojekt

Putin wird voraussichtlich am Freitag auf dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg sprechen - einer Veranstaltung, die der Kreml als Prestigeprojekt betrachtet, auch wenn bedeutende westliche Investoren und Regierungsvertreter ihr seit der russischen Invasion in der Ukraine vor mehr als vier Jahren fernbleiben.

Das SPIEF (St. Petersburg International Economic Forum) findet seit 1997 statt. Nach eigener Darstellung ist es eine Plattform für den "Dialog zwischen Geschäftskreisen aus Russland, aufstrebenden Märkten und der ganzen Welt". In diesem Jahr kommen Vertreterinnen und Vertreter aus mehr als 130 Ländern, darunter den USA. Saudi-Arabien ist in diesem Jahr Ehrengastland und wird voraussichtlich eine große Wirtschaftsdelegation entsenden.

Russland Sankt Petersburg 2026 | Rauch hinter SPIEF-Banner nach ukrainischem Drohnenangriff
SPIEF-Banner vor Rauchwolken in St. PetersburgBild: Stringer/REUTERS

Auch deutsche Unternehmer sind erstmals wieder dabei, was in Deutschland auf Kritik stößt. Dazu zählen laut der Zeitung "Handelsblatt" der Globus-Gesellschafter Thomas Bruch und der Unternehmer Stefan Dürr, der seit vielen Jahren in Russland als Milchproduzent aktiv sei und auch die russische Staatsbürgerschaft besitze.

Aus Deutschland reisen auch zwei Bundestagsabgeordnete der in Teilen als rechtsextrem eingestuften AfD zu Putins Wirtschaftsforum an. Ein Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag sagte, es sei sinnvoll, Kontakte mit allen Seiten zu pflegen sowie Gesprächskanäle offenzuhalten.

Die Angriffe auf St. Petersburg sind eine erneute Blamage für den russischen Machthaber Putin. Aus Furcht vor ukrainischen Drohnenangriffen fiel schon die jährliche Siegesparade in Moskau im Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor wenigen Wochen  deutlich kleiner aus als sonst.

Kriegsparteien setzen auf Langstreckenwaffen

Die Angriffe der Ukraine auf St. Petersburg jetzt erfolgten einen Tag, nachdem russische Streitkräfte einen massiven Drohnen- und Raketenangriff auf Kyjiw und andere ukrainische Städte gestartet hatten. Dabei wurden mindestens 22 Zivilisten getötet und 138 verletzt - ein Schritt, mit dem die Führung in Moskau ihre Drohung wahr machte, die regelmäßigen Angriffswellen zu eskalieren.

Da sich die Frontlinie in Russlands Angriffskrieg kaum verschiebt und Drohnenschwärme ein Vorrücken auf dem Schlachtfeld erschweren, versuchen beide Seiten, sich einen Vorteil zu verschaffen, indem sie verstärkt Angriffe mit Langstreckenwaffen durchführen. Die ukrainischen Angriffe zielen darauf ab, die russische Ölproduktion - eine der wichtigsten Finanzierungsquellen Russlands - zu beeinträchtigen und die Waffenproduktion des Aggressors zu stören.

Die Ukraine hat wiederholt Ölanlagen in St. Petersburg sowie in nahegelegenen Häfen ins Visier genommen. Bei den ukrainischen Drohnenangriffen in der Nacht wurde zudem der Marinestützpunkt Kronstadt getroffen - ein traditioneller Stützpunkt der russischen Ostseeflotte. Nach Angaben des ukrainischen Militärs hat der Treffer an Bord der Korvette "Boikij" einen Großbrand ausgelöst.

Auch eine Produktionsstätte für Rüstungsgüter in der russischen Region Tambow wurde zum Ziel. Die Waffenfabrik liegt gut 800 Kilometer von Kyjiw entfernt. Die Einschläge bezeichnete der ukrainische Präsident als "gutes Resultat" der gemeinsamen Arbeit von Drohneneinheiten verschiedener Truppengattungen und Geheimdienste.

Tödlicher Angriff auf Krim-Bus

Das russische Verteidigungsministerium gab an, die Flugabwehr habe in der Nacht 354 ukrainische Drohnen abgeschossen. Im von Russland kontrollierten Teil der ukrainischen Region Donezk traf ein ukrainischer Angriff einen Bus, der auf dem Weg von Moskau auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim war. Dabei kamen nach Angaben des vom Kreml eingesetzten Donezker Verwaltungschefs Denis Puschilin in der Stadt Jenakijewe sieben Menschen ums Leben. Elf wurden verletzt.

Russisch besetzte Ostukraine Jenakijewe 2026 | Ein ausgebrannter Reisebus (03.06.2026)
Durch ukrainischen Angriff zerstörter Krim-Bus in JenakijeweBild: Dmitry Yagodkin/ZUMA/IMAGO

In der Region Smolensk wurden laut dem Regionalgouverneur Wassili Anochin zwei Feuerwehrleute bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet. Er teilte mit, dass zwei weitere Feuerwehrmänner sowie ein Anwohner verletzt wurden.

Russland attackiert Sumy und Cherson

Russland feuerte in der vergangenen Nacht nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe 198 Langstreckendrohnen auf die Ukraine ab, wobei die Flugabwehr der Ukraine 189 davon abfangen konnte. Die Behörden in der nordukrainischen Region Sumy melden, dass durch russische Angriffe innerhalb von 24 Stunden ein Zivilist getötet und 15 weitere verletzt wurden - darunter drei Kinder.

In der südlichen Region Cherson kamen nach Angaben der Regionalbehörden bei russischem Artilleriebeschuss und Drohnenangriffen in der Nacht eine 86-jährige Frau ums Leben. Fünf weitere Menschen wurden verletzt.

AR/se (ap, dpa, rtr, afp)

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