Trump und Europas Rechte: Wie eng ist die Freundschaft?
16. Februar 2026
Gleich nach der Münchner Sicherheitskonferenz ist US-Außenminister Marco Rubio in die Slowakei und weiter nach Ungarn gereist. Das ist kein Zufall, denn in beiden Ländern regieren Ministerpräsidenten ganz nach dem Geschmack von Donald Trump: Sie sind EU-skeptisch, migrationsfeindlich, Klimawandel ist für sie kein Thema. Die Trump-Administration unterstützt auch andere rechte Regierungen und Parteien in Europa. Einige sind allerdings auf Distanz zu Trump gegangen, als er drohte, die zu Dänemark gehörende Insel Grönland notfalls mit Waffengewalt einzunehmen.
Ungarns Regierungschef Viktor Orban: der "Bruder im Geiste"
Victor Orban ist seit 2010 im Amt, also schon zu Zeiten der ersten Amtszeit von Donald Trump (2017-2021). Ihn hat Orban einen ideologischen "Bruder im Geiste" genannt. Das gilt für praktisch alle Bereiche ihrer Politik. Während der frühere US-Präsident Joe Biden Orbán vorwarf, nach einer Diktatur zu streben ("looking for dictatorship"), weil er unabhängige Medien unterdrücke und gegen LGBTQ-Rechte vorgehe, lobte ihn Trump kürzlich als "wahren Freund, Kämpfer und Sieger". Trump und Rubio unterstützen Orban besonders jetzt im Wahlkampf für die Parlamentswahl im April, die er zu verlieren droht.
Orban unterstützt auch Trumps Kurs, die militärische Hilfe für die Ukraine deutlich zu reduzieren oder einzustellen – im Gegensatz etwa zur italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Wie Trump hat er keine Scheu, sich mit Russlands Präsident Wladimir Putin zu treffen und will Russland keine eindeutige Schuld am Krieg geben. In der EU ist Orban ein Außenseiter. Er hat gute Kontakte zur deutschen AfD, die der Verfassungsschutz in Teilen als rechtsextrem einstuft. Orban empfing vor einem Jahr AfD-Chefin Weidel in seinem Amtssitz und sagte, es sei klar, "vollkommen klar, dass die AfD die Zukunft" sei. Beim Grönland-Thema hat sich Orban zurückgehalten. Eine direkte Verurteilung Trumps vermied er und sagte, das Problem solle innerhalb der NATO gelöst werden.
Slowakischer Ministerpräsident Robert Fico: widersprüchliche Figur
Rubio machte gleich nach der Sicherheitskonferenz dem Slowaken Robert Fico seine Aufwartung. In der Hauptstadt Bratislava sagte er, unter Präsident Trump würden die USA "nicht nur die Slowakei, sondern ganz Mitteleuropa zum zentralen Bestandteil unseres Engagements auf dem Kontinent und in der Welt machen". Konkreter wurde er nicht. Zusammen mit Orban gilt Fico als einer der engsten Verbündeten von Donald Trump in der EU. Fico fährt einen scharfen Anti-Migrationskurs. 2016 sagte er: "Der Islam hat keinen Platz in der Slowakei." Die Waffenlieferungen an die Ukraine stoppte er, nannte die von Russland überfallenen Ukrainer "Nazis und Faschisten".
Doch Ficos Politik gegenüber den USA ist widersprüchlich. Während seiner ersten Regierung 2006 bis 2010 suchte er die Nähe etwa von Russland, China, Venezuela und Kuba, allesamt nicht gerade die größten Freunde Washingtons. Ende Januar 2026 sorgte ein Bericht im Magazin "Politico" für Aufsehen, der sich auf ungenannte europäische Diplomaten berief. Danach soll Fico am Rande eines EU-Gipfels gesagt haben, Trump habe "den Verstand verloren". Der Bericht wurde sowohl von Fico als auch vom Weißen Haus scharf als "Lüge" und "fake news" zurückgewiesen.
AfD-Chefin Alice Weidel: die Ausgestoßene wird aufgewertet
Es ist ein Jahr her, dass US-Vizepräsident JD Vance den Europäern bei der Münchener Sicherheitskonferenz 2025 die Leviten las: Sie unterdrückten Meinungsfreiheit und ließen eine zerstörerische Migration zu, die die europäischen Bevölkerungen nicht wollten. Dann beging Vance noch eine ungeheure Provokation für die Parteien der politischen Mitte in Deutschland: Er traf sich demonstrativ mit der AfD-Co-Vorsitzenden Alice Weidel, die nicht zur Sicherheitskonferenz eingeladen war, während er den damaligen SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz ignorierte. Es war eine bemerkenswerte Aufwertung der in Teilen rechtsextremen Partei, mit der alle anderen im Bundestag vertretenen Parteien nichts zu tun haben wollen.
Kampf gegen Einwanderung, Ablehnung des Klimaschutzes, Betonung der Nation, das teilt Weidel mit Trump. Keineswegs geschadet hat ihr sogar, dass Trump offenbar bereit ist, für einen Frieden in der Ukraine dem Angreifer Russland weit entgegenzukommen; es ist auch die Position der AfD. Schwierig wurde es erst, als Trump unbedingt Grönland haben wollte, also Territorium eines NATO-Verbündeten. Seitdem rückt die Partei rhetorisch ein wenig von Trump ab.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni: die Vermittlerin
Giorgia Meloni ist nicht nur Parteichefin der oft als postfaschistisch bezeichneten Fratelli d'Italia, der Brüder Italiens, sondern auch erste Frau an der Spitze einer italienischen Regierung. Ideologisch steht sie Donald Trump nahe und hat früh seine Nähe gesucht – zum Entsetzen anderer Europäer. Als Regierungschefin der drittstärksten Volkswirtschaft der EU nach Deutschland und Frankreich hat ihr das eine wichtige Vermittlerposition bei Konflikten zwischen der EU und den USA eingebracht.
Von denen gibt es viele. Im Zollstreit im vergangenen Jahr hat sie ihren Einfluss eingebracht, im Streit um Grönland zumindest angeboten. Ihre Vermittlerrolle ist wohl sehr begrenzt, aber sie wird auf beiden Seiten ernstgenommen. Trumps Grönland-Forderung bezeichnete sie als "Fehler"; einem Großteil der italienischen Öffentlichkeit ging Trump damit zu weit. So ging sie in die Offensive und sagte: "Es gibt viele Dinge, bei denen ich nicht mit Trump übereinstimme. Wenn ich nicht einverstanden bin, sage ich es ihm." Auch beim Thema Ukraine bewahrt sie sich eine unabhängige Position: Sie ist immer für eine Unterstützung des bedrängten Landes eingetreten.
Reform-UK-Chef Nigel Farage: Trumps britischer Hoffnungsträger
Seit einiger Zeit sagen alle Umfragen in Großbritannien einen Wahlsieg der rechtspopulistischen Partei Reform UK voraus. Dann dürfte ihr Chef Nigel Farage Premierminister werden. Farage, das Schreckgespenst des britischen Establishments, war maßgeblich an der Brexit-Kampagne beteiligt, was ganz im Sinne von Donald Trump war. Beide sind seit langem enge Verbündete. Farage wurde auch zu einer exklusiven Wahlparty am 5. November 2024 auf Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Florida geladen. Er bezeichnete Trumps Grönland-Ambitionen allerdings als "übergriffig".
Interessant ist, dass Farage für Trumps zeitweiligen engen Berater Elon Musk offenbar noch nicht radikal genug war. Musk unterstützte statt Farage den rechtsradikalen Aktivisten Tommy Robinson und forderte Reform UK auf, Farage als Parteichef abzulösen. Donald Trump äußerte sich hingegen nicht negativ über Farage. Seit einiger Zeit scheinen Musk und Farage ihren Streit beigelegt zu haben.
Polnischer Staatspräsident Karol Nawrocki: der Enttäuschte
Eigentlich dürften Politiker der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) gedacht haben, sie seien Donald Trumps Musterknaben in Europa. Unter ihren nationalkonservativen Regierungen (2005-2007 und 2015-2023) galten besonders Law-and-Order, Kampf gegen Migration, eine gehörige Portion EU-Skepsis und ein enges Verhältnis zu den USA zum Programm. Vor allem hat Polen heute die prozentual zur Wirtschaftskraft höchsten Verteidigungsausgaben der NATO, noch vor den USA. Inzwischen regiert zwar der liberale und EU-freundliche Donald Tusk in Warschau, doch Staatspräsident wurde der Konservative Karol Nawrocki, den die PiS ins Rennen geschickt und den Donald Trump demonstrativ im Wahlkampf im Weißen Haus empfangen hatte.
Umso enttäuschter dürfte der Trump-Bewunderer Nawrocki inzwischen von ihm sein, auch wenn er das bisher nicht offen gesagt hat. Denn Trump sät immer stärkere Zweifel, ob die USA NATO-Länder wie Polen im Fall eines russischen Angriffs wirklich verteidigen würden – trotz hoher Verteidigungsausgaben. Außerdem kommt in Polen, einem der engsten Verbündeten der Ukraine, die russlandfreundliche Haltung Trumps sehr schlecht an.
RN-Chefin Marine Le Pen: die stolze Französin hält auf Abstand
Frankreich ist Frankreich. Es hat es nicht nötig, sich als Verbündeten von irgendwem anzudienen. Diesen Eindruck vermittelt Staatspräsident Emmanuel Macron. Und das scheint auch für Marine Le Pen vom rechten Rassemblement National zu gelten, die Macron bei der nächsten Wahl 2027 beerben möchte. Sie hatte Trumps ersten Wahlsieg 2016 noch als "gute Nachricht für Frankreich" bezeichnet und seinen Fokus auf nationale Souveränität, den Kampf gegen Globalisierung und seine restriktive Einwanderungspolitik gelobt. Bei Trumps zweitem Wahlsieg hielt sie sich auffallend zurück. Seine Aussetzung der Militärhilfe für die Ukraine nannte sie "grausam". Le Pen bemüht sich seit einiger Zeit, ihrer Partei ein gefälligeres Image zu geben, um für breite Schichten wählbar zu sein.
Ob Le Pen überhaupt bei der nächsten Wahl antreten kann, ist zweifelhaft, da sie durch ein Gerichtsurteil, gegen das sie allerdings vorgeht, von öffentlichen Ämtern gesperrt ist. Aber der Alternativkandidat, RN-Chef Jordan Bardella, bewertet Trumps Politik ähnlich. Auch Bardella hatte Trump zunächst bejubelt, nannte seine Drohungen mit Blick auf Zölle und Grönland aber "nicht akzeptabel" und seine Wiederwahl "eine schlechte Nachricht für die Interessen Frankreichs". Bardella betont regelmäßig, dass Trump "nicht sein Modell" sei und er lediglich französische Vorbilder verfolge. Er erklärte Ende 2025: "Ich brauche keinen großen Bruder wie Trump".