Neymar spielt sich ins Abseits | Sport | DW | 02.07.2018
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Achtelfinale

Neymar spielt sich ins Abseits

Er hätte der gefeierte Matchwinner sein können. Doch Neymar machte sich beim Achtelfinalsieg der Brasilianer gegen Mexiko erneut lächerlich. Nicht sein Tor und seine Vorlage werden von diesem Spiel in Erinnerung bleiben.

Die Uhr im WM-Stadion von Samara zeigte die 71. Spielminute. Die Partie war unterbrochen. Neymar lag auf dem Boden, den Ball zwischen den Beinen eingeklemmt, als der Mexikaner Miguel Layun herantrat, um das Spielgerät an sich zu nehmen. Dabei trat Layun dem brasilianischen Superstar leicht auf den Knöchel - ob aus Unachtsamkeit oder absichtlich war nicht erkennbar -, worauf Neymar mit schmerzverzerrtem Gesicht seinen Fuß umfasste und sich zuckend auf dem Boden hin- und herwarf.

Trainer Osorio: "Eine Schande für den Fußball"

Erste Ferndiagnose aufgrund dieser Szene: Für den teuersten Fußballspieler der Welt ist die WM wohl beendet. Doch nach kurzer Behandlungspause war der 222-Millionen-Mann zurück auf dem Feld, lauf- und sprintstark, wie man ihn kennt. Die Zeitlupenwiederholung zeigte: Layun war in der Szene auch dem Schiedsrichter auf den Fuß getreten, doch der hatte das offenbar noch nicht mal bemerkt. Zumindest ließ der Unparteiische, Gianluca Rocchi aus Italien, die Karten stecken.

Neymar und seine Mitspieler beschwerten sich darüber nicht - dafür schäumte Mexikos Trainer Juan Carlos Osorio. "Es ist eine Schande für den Fußball. Es ist ein Negativbeispiel für die Welt, für Kinder und für den Fußball", schimpfte der kolumbianische Coach nach dem Abpfiff. Für Osorio war Neymars Schauspieleinlage eine Schlüsselszene des Spiels. Durch die lange Unterbrechung habe sein Team Rhythmus und Faden verloren, klagte er.

Spott und Häme in den sozialen Medien

Neymar verteidigte sein Verhalten. "Der Tritt war unsportlich. Wir mussten leiden, es war sehr schwer", sagte der Stürmer von Paris St. Germain und trat gegen den Kontrahenten aus Mittelamerika noch nach: "Sie haben schon vor dem Spiel zu viel gemeckert. Jetzt fahren sie nach Hause." Auch die Kritik Osorios konterte der 26-Jährige: "Ich denke, es ist mehr ein Versuch, mich zu beschädigen", lautete Neymars Schlussfolgerung.

Beschädigt hat sich Neymar mit seiner Schmierenkomödie aber wohl eher selbst. In den sozialen Medien erntete er Häme und Spott vieler User.

Ze Roberto: "Das regt die Leute auf"

Und selbst sein Landsmann Ze Roberto ging als Experte beim ZDF hart ins Gericht mit Brasiliens Nummer 10. "Das regt die Leute auf, das wollen sie nicht sehen. Er rollt sich herum, als hätte er einen offenen Bruch, aber es war nun wirklich kein harter Tritt. Er hat das nicht nötig, so müsste er nicht schreien", sagte der ehemalige Bundesliga-Spieler und riet Neymar: "Er sollte die Leute lieber mit seiner Qualität überraschen, nicht so."

Das hatte er zuvor beim Führungstreffer (51. Minute) getan, den er selbst per Hackentrick auf Wilian vorbereitete. Der Antreiber des FC Chelsea flankte von der Grundlinie zurück auf Neymar, der nur noch einzuschieben brauchte. Und auch beim 2:0 ließ er sein Können aufblitzen, als er mit dem Ball am "lädierten" Fuß den Sprint anzog und den Treffer des eingewechselten Ex-Hoffenheimer Roberto Firmino (88.) zum Endstand einleitete.

Fußball WM 2018 Brasilien vs Mexiko Tor (Reuters/C.G. Rawlins)

Neymars Pass zum 2:0-Endstand - vorbei an Mexikos Keeper Guillermo Ochoa auf Roberto Firmino

Doch über seine fußballerische Klasse wurde in den Analysen nach dem Spiel weniger gesprochen als über die Szene in der 71. Minute, in der sich Neymar ins Abseits schauspielte.

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