Tag 9: Brasilien zittert sich zum Sieg | Sport | DW | 22.06.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

WM 2018

Tag 9: Brasilien zittert sich zum Sieg

Erst in der Nachspielzeit erzielt der fünfmalige Weltmeister die Tore. Deren Superstar Neymar mimt zuerst den Schwalbenkönig, dann fließen die Tränen. Die Schweiz dreht das Spiel in einem politisch brisanten Duell.

Neymar sank am Mittelkreis auf die Knie, schlug sich die Hände vors Gesicht und schluchzte hemmungslos. Erst seine peinliche Schwalbe und der zurückgenommene Foulelfmeter, dann sein Treffer zum 2:0 (0:0)-Endstand für Brasilien gegen Costa Rica: Nach dem Ende einer nervenaufreibenden Nachspielzeit übermannten den teuersten Fußballer der Welt die Emotionen.

"Nicht alle wissen, was ich durchgemacht habe, um es bis hierher zu schaffen", schrieb der 26-Jährige kurz nach dem Spiel auf Instagram: "Gut reden kann jeder, selbst ein Papagei. Aber es dann auch machen - das schaffen nur wenige!" Die Tränen seien daher einzig und allein "aus Freude, aus Überwindung, wegen des Durchhaltens und des Siegeswillens" geflossen.

Zuvor hatte der Angreifer mit einer plumpen Schauspieleinlage in der giftigen Partie vermeintlich einen Foulelfmeter herausgeholt. Er stellte sich am Punkt bereits zur Ausführung auf - und wurde dann vom Videoschiedsrichter doch noch völlig zurecht zurückgepfiffen. Es brodelte in ihm, vor allem mit Schiedsrichter Björn Kuipers legte er sich mehrfach an.

"Er ist unser Superstar. Und es ist nicht leicht, das ganze Gewicht alleine zu schultern", sagte der ehemalige Bayern-Profi Douglas Costa verständnisvoll: "Wir versuchen, den ganzen Druck auf alle zu verteilen und von ihm zu nehmen. Aber Neymar macht nun mal den Unterschied aus." Während das Aus Costa Ricas bei der WM in Russland nach der zweiten Niederlage schon besiegelt ist, hat der Rekord-Weltmeister mit vier Punkten Kurs in Richtung Achtelfinale genommen. Voraus ging dem Ganzen allerdings eine Zitterpartie: Philippe Coutinho erzielte erst in der ersten Minute der Nachspielzeit die erlösende Führung, Neymar setzte den Schlusspunkt (90.+7).

Politisch brisantes Duell

Russland WM 2018 l Serbien vs Schweiz – 1:2 Tor Xherdan Shaqiri (Getty Images/C. Rose)

Xhakak kreuzt nach seinem Tor die Arme vor der Brust als Symbol für den Doppeladler auf der albanischen Flagge.

Serbien hätte sich in der selben Gruppe E vorzeitig für das Achtelfinale qualifizieren können. Aber dafür wäre ein Sieg gegen die Schweiz nötig gewesen. Trotz Führung gingen die Weißen Adler jedoch als Verlierer vom Platz. Nach einer starken zweiten Halbzeit drehten die Schweizer noch die Partie in ein 2:1 (0:1) um. Granit Xhaka (52.) und Xherdan Shaqiri (90.) waren die umjubelten Torschützen. Aleksandar Mitrovic (5.) traf für die Serben. 

Das wegen der albanischen Wurzeln einiger Schweizer Spieler politisch brisante Duell zwischen den Eidgenossen und Serben hatte in Felix Brych einen aufmerksamen und umsichtigen Schiedsrichter. Für den Deutschen war es die erste Partie bei dieser WM. Für die Serben, die auch vom russischen Publikum unterstützt wurden, war es fast ein Heimspiel. Die Schweizer Spieler wurden bei Ballbesitz lautstark ausgepfiffen. 

Ahmed Musa nigerianischer WM-Rekordtorschütze

Russland WM 2018 l Nigeria vs Island – 2:0 Tor - Musa (Getty Images/C. Ivill)

Musa: zwei sehenswerte Tore

Mit einem Doppelpack hat Wirbelwind Ahmed Musa Nigeria und seinem deutschen Trainer Rohr gute Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale eröffnet und Island fast schon das frühzeitige WM-Aus beschert. Die Super Eagles bezwangen in der Gruppe D die enttäuschenden Nordeuropäer mit 2:0 (0:0) und können im besten Fall schon mit einem Remis zum Abschluss gegen Vizeweltmeister Argentinien die Gruppenphase überstehen.

Nigeria konnte sich nach dem 0:2 (0:0) gegen Kroatien schwer vom Druck befreien und kam offensiv zunächst überhaupt nicht in Gang. Gerade mal ein Torschuss gelang dem afrikanischen Team in den ersten 45 Minuten. In der zweiten Halbzeit schockte dann Musa mit seinen beiden Treffern (49./75. Minute) die vor allem offensiv wenig überzeugenden Wikinger. Island, das durch Gylfi Thór Sigurdsson sogar noch einen Foulelfmeter (83.) vergab, hat das Weiterkommen nicht mehr in der eigenen Hand und muss zum Abschluss in Gruppe D auf jeden Fall gegen Kroatien siegen, um vielleicht doch noch die K.o.-Phase zu erreichen. "Wir sind zurück. In der ersten Hälfte waren wir nicht gut, in der zweiten aber schon", sagte Rohr: "Meine Spieler haben verstanden, dass sie kämpfen müssen. Wir haben den Sieg verdient.“

sw (dpa, sid)

Die Redaktion empfiehlt