Neuer Ebola-Impfstoff bringt Hoffnung in den Kongo | Wissen & Umwelt | DW | 11.10.2019
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Afrika

Neuer Ebola-Impfstoff bringt Hoffnung in den Kongo

Auf diesen Moment haben viele Menschen in der Demokratischen Republik Kongo gewartet: Eine Impfkampagne mit einem neuen Impfstoff beginnt. Dieser könnte breitere Bevölkerungsschichten als bisher erreichen.

Seit über einem Jahr wütet die bisher weltweit zweitgrößte Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo. Mehr als 3200 Menschen haben sich mit dem Virus angesteckt. Bislang sind 2144 Infizierte daran gestorben.

Doch nun gibt es zweierlei gute Nachrichten: Einerseits meldet die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass die Anzahl an gemeldeten Neuinfektionen zurückgehe. Nur noch 14 Menschen seien in der ersten Oktoberwoche bestätigt worden. Das wäre die niedrigste Zahl seit einem Jahr. Zum Höhepunkt der Epidemie im April 2019 lag die Zahl der Neuinfektionen bei 126 pro Woche.

Alle jüngst gemeldeten Fälle liegen demnach in einem relativ begrenzten Gebiet, nahe der ugandischen Grenze. Es handelt sich um ein geographisches Dreieck zwischen den Städten Mambasa/Mandima, Komanda und Oicha. Ausgerechnet dort herrscht allerdings Bürgerkrieg, was Ärzten und Helfern die Arbeit erschwert. 

Mehr dazu: Ringen um die richtige Impf-Strategie

Porträt der Tropenärztin Marylyn Addo (Uniklinik Hamburg-Eppendorf/C.D.Ketels)

Tropenärztin Marylyn Addo ist zuversichtlich, dass der neue Impfstoff hilft, die Epidemie einzugrenzen.

Große Bevölkerungsteile in Gefahrengebieten profitieren

Die zweite gute Nachricht betrifft vor allem die südlich davon gelegenen Großstädte Beni und Goma: Ab Freitag, den 18. Oktober bekommen Ärzte dort einen neuen Impfstoff der Firma Johnson & Johnson, der sich besser als der bisherige Impfstoff VSV-EBOV der Firma Merck für eine breitangelegte Prophylaxe eignet.

"Die Impfstoffe unterscheiden sich in der Strategie doch sehr eindrücklich," erklärt Marylyn Addo. "Mit dem momentan verwendeten Impfstoff muss man nur einmal impfen und der Impfschutz tritt sehr schnell ein. Der neue Impfstoff besteht aus zwei Komponenten, die in einem Abstand von acht Wochen verabreicht werden müssen."

Die Professorin leitet die Sektion Infektiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und beschäftigt sich am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin mit neu auftretenden Infektionskrankheiten. 

Mehr dazu: Deutschland unterstützt weiter Ebola-Bekämpfung in Afrika

"Der neue Impfstoff bietet sich für einen akuten Ebola-Verdachtsfall oder Erkrankungsfall eigentlich nicht so gut an. Er wird vermutlich eher in Gebieten eingesetzt werden, die grundsätzlich gefährdet sind und in denen man dann die ganze Bevölkerung prophylaktisch impfen könnte." 

Obwohl der neue Impfstoff nicht so schnell wirkt, hat er jedoch andere Vorteile. "Er kann einfacher hergestellt werden und muss auch nicht so stark gekühlt werden." Während der bisherige, schnell wirksame Impfstoff von Merck auf minus 60 bis 70 Grad gekühlt werden muss, reichen bei dem neuen Impfstoff minus 20 Grad. "Das sind alles Vorteile. Insofern haben wir die Hoffnung, dass wir damit mehr Leute erreichen kann," sagt Dr. Addo. 

Mehr Impfdosen verfügbar

Wegen der einfacheren Herstellung lassen sich mit dem neuen Impfstoff voraussichtlich auch viel mehr Menschen impfen: Bis jetzt wurden mit dem ersten Impfstoff etwa 235.000 Menschen immunisiert. Etwa nochmal so viele Impfdosen sind derzeit verfügbar.

Vom neuen Impfstoff stehen schon jetzt etwa anderthalb Millionen Impfdosen zur Verfügung. Auch wenn der Impfstoff erst noch die Phase III der Zulassung durchlaufen muss, sich also noch bewähren muss. "Das ist natürlich eine Möglichkeit, jetzt herauszufinden, ob der Impfstoff auch wirklich in der Phase III eine Wirksamkeit zeigt. Er hat eine sehr, sehr gute Verträglichkeit und auch eine sehr gute Immunantwort gezeigt. Deswegen gehen wir davon aus, dass er auch schützt, aber das ist noch nicht belegt," gibt Infektionsforscherin Addo zu bedenken. 

Gerade deshalb bietet es sich jetzt an, möglichst viele Menschen in den betroffenen vier Städten sowie in Beni und Goma zu impfen. Bislang hätten diese Menschen keine Chance auf eine Impfung gehabt, weil sie nicht zum Kreis jener gehören, die unmittelbaren oder mittelbaren Kontakt zu Ebola-Erkrankten haben oder hatten. "Wenn man jetzt eine Stadt für den Ernstfall vorbereiten möchte oder wenn man  Gesundheitspersonal impfen will – dafür bietet sich diese Impfung durchaus an," meint Dr. Addo. 

Mehr dazu: WHO: Ebola in Tansania?

Buschfleisch Afrika Zubereitung Fleisch (Getty Images)

Ebola kann durch die Jagd und den Verzehr von Wildtieren auf den Menschen überspringen.

Kompletter Impfschutz der Bevölkerung bleibt unrealistisch

Selbst wenn der jetzige Ebola-Ausbruch hoffentlich in naher Zukunft überwunden sein wird, bleibt die Frage, wie in Zukunft gegen Ebola geimpft werden soll, um für neue Ausbrüche vorbereitet zu sein.

Das Problem dabei: Ebola wird von Wildtieren übertragen. Seit 1967 sind Ebola-Fälle in einem riesigen Gebiet in Subsahara-Afrika aufgetreten, von Uganda im Osten bis nach Guinea und Sierra Leone ganz im Westen des Kontinents. Dazwischen liegen fast 5000 Kilometer. Das potentielle Ebola-Gefahrengebiet umfasst somit hunderte Millionen Menschen. Damit ist klar: Die Gesundheitsbehörden werden dort nie alle Menschen prophylaktisch impfen, sondern immer nur auf akute Ausbrüche reagieren können.

Mit den beiden Impfstoffen haben sie nun aber ein gutes Waffenarsenal gegen den Virus. Hinzu kommen bessere Medikamente für die Patienten, die bereits infiziert sind. Mit zwei Antikörpertherapien ist es den Ärzten inzwischen gelungen, die Sterblichkeit bei Ebola von 67 Prozent auf 35 Prozent zu senken.

"Dafür dass wir Ebola erst seit 1967 kennen, sind das doch große Forstschritte und daran müssen wir anknüpfen," sagt die Tropenmedizinerin Marylyn Addo zuversichtlich.

Ebenso wichtig ist ihr aber auch, angesichts der Angst vor Ebola die geläufigeren Infektionskrankheiten nicht zu vergessen. Diese kosteten nämlich viel mehr Menschen das Leben. "Wir haben viele Herausforderungen, wenn es um das Thema Impfen geht. Im Kongo läuft gerade auch der weltgrößte Masernausbruch ab und es gibt einen sehr großen Choleraausbruch." 

In einer früheren Fassung dieses Artikels war als Beginn der Impfkampagne mit dem neuen Impfstoff Montag, der 14. Oktober 2019, genannt worden. Dieser Termin wurde mittlerweile verschoben. Nach AFP-Informationen wird der Impfstoff am 18. Oktober in Goma eintreffen und mutmaßlich ab Anfang November eingesetzt.

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