NBA erobert Berlin: Wagner-Brüder feiern Basketball-Party
16. Januar 2026
"Da ist eine große Dankbarkeit und Freude, dass wir das erleben dürfen, weil das etwas sehr Besonderes ist", sagte Moritz Wagner und strahlte immer noch. Er und sein Bruder Franz würden "erstmal ein bisschen Distanz brauchen, um zu checken, was da eigentlich passiert", meinte der Basketballer der Orlando Magic nach dem ersten regulären Saisonspiel der nordamerikanischen Profiliga NBA (National Basketball Association) auf deutschem Boden.
Sichtlich gerührt hatte der 2,11 große Center zuvor seine (sehr viel kleinere) Oma am Spielfeldrand in den Arm genommen, danach waren seine Eltern dran. 150 bis 200 Tickets hatten die Wagner-Brüder, die gemeinsam mit Tristan Da Silva, einem weiteren deutschen Nationalspieler für die Magic auflaufen, für Freunde und Familienmitglieder besorgt.
Es sollten möglichst viele Bekannte dabei sein, wenn ausgerechnet in Berlin, der Heimatstadt der Wagners, die große Basketball-Party steigt.
Viel Prominenz am Spielfeldrand
Tatsächlich wurde es ein rundum gelungenes Event. Die besseren Plätze waren mit zahlreichen Prominenten besetzt. Neben internationalen Basketballgrößen wie Steve Nash oder Tony Parker und der deutschen Basketball-Legende Dirk Nowitzki saßen dort unter anderem auch die beiden Fußball-Weltmeister Thomas Müller und Mats Hummels sowie Trainer-Ikone Jürgen Klopp.
Die Stimmung war gut, die Arena an der Spree trotz der saftigen Eintrittspreise von durchschnittlich mehreren hundert Euro pro Karte mit 13.738 Zuschauern ausverkauft, und auch das Endergebnis stimmte: Nach schwachem Start ins Spiel steigerten sich die Magic und bezwangen die Memphis Grizzlies mit 118:111 (58:67).
"Man spürt die Energie. Ich bin ja selbst Fan. Da kriege ich Gänsehaut, wenn ich das sehe", sagte Moritz, der vier Jahre älter und deutlich extrovertierter ist als sein jüngerer Bruder. "Danach kommt der Gedanke, dass ich Teil dessen bin. Das ist eine riesige emotionale Überforderung. Deswegen hoffe ich, dass es die nächsten Wochen ein bisschen ruhiger wird und ich das verdauen kann."
Comebacks nach Verletzungen
Rund um die Wagners und ihre Heimkehr nach Berlin war in den Tagen vor dem Spiel ein riesiger Marketing-Marathon veranstaltet worden. Gleichzeitig hatten die beiden Brüder in der Vorbereitung auf ihren Deutschland-Besuch hoffen müssen, überhaupt vor den heimischen Fans spielen zu können.
Für Moritz war die Partie gegen die Grizzlies erst das zweite Spiel nach einem Kreuzbandriss und 386 Tagen Wettkampfpause. Franz gab in Berlin sein Comeback, nachdem er sich Anfang Dezember den Knöchel verstaucht hatte und mehrere Wochen draußen war.
Entsprechend holprig verliefen die ersten Minuten des jüngeren Wagner-Bruders auf dem Feld, und es dauerte einige Zeit, bis er einen Wurf traf. "Das war mehr mental", sagte der 24-Jährige hinterher. "Von einer Verletzung zurückzukommen, ist nie leicht. Und dann ist das noch dieses Spiel. Es war eine emotionale und fordernde Woche. Ich war froh, dass ich am Ende ein paar Würfe getroffen habe."
Franz Wagner kam am Ende auf 18 Punkte, Bruder Moritz auf sieben. Tristan Da Silva steuerte acht Zähler bei. Für das Highlight des Abends sorgte aber einer ihrer Teamkollegen: Der 21-jährige Anthony Black stürmte am Ende des vierten Viertels alleine auf den gegnerischen Korb zu und setzte sich mit einem krachenden Dunking gegen vier Grizzlies-Verteidiger durch.
Nun zieht der NBA-Tross weiter nach London, wo am Sonntag das Rückspiel der beiden Teams ansteht. Für die Wagners wird es dort um einiges ruhiger werden. Schließlich sind sie in der britischen Hauptstadt wieder zwei unter vielen und nicht die beiden Brüder, die als Spieler der besten Basketballliga der Welt in ihre Heimatstadt zurückkehren.
Europa wichtiger Markt für NBA
Europa gewinnt für die NBA rasant an Bedeutung. Nach dem Willen von NBA‑Chef Adam Silver sollen echte Punktspiele bald zur Regel werden.
Gleichzeitig soll die neu zu gründende NBA Europe ab Oktober 2027 den europäischen Basketball neu ordnen und wirtschaftlich deutlich stärker aufstellen. Sie soll - analog zu bestehenden Europapokal-Wettbewerben - ein paneuropäischer Wettbewerb sein, der parallel zu den nationalen Ligen läuft.
Europa bringe "weiterhin mit die besten Spieler der Welt hervor", sagte Silver in einer Pressekonferenz vor dem Spiel in Berlin, doch das kommerzielle Potenzial bleibe ungenutzt.
Gemeinsam mit dem Basketball-Weltverband FIBA arbeitet die NBA seit Längerem an dem Projekt, das in ihren Augen enormes Potential hat. "Unsere Gespräche mit verschiedenen Stakeholdern in Europa haben uns in der Überzeugung bestärkt, dass die Gründung einer neuen Liga auf dem Kontinent eine enorme Chance bietet", hieß es von Seiten der NBA.
Konflikte mit der EuroLeague
Dass es dabei zu Interessenkonflikten kommen wird, ist vorprogrammiert. Denn derzeit ist die EuroLeague die sportlich beste Liga in Europa. Sie ist außerhalb der FIBA privatwirtschaftlich organisiert und bestimmt selbst, wer mitspielen darf und wer nicht.
Klubs wie Olympiakos Piräus, Panathinaikos Athen, Fenerbahce Istanbul oder Real Madrid haben millionenschwere Starensembles zusammengestellt, die es sportlich auch mit vielen NBA-Teams aufnehmen könnten.
Berlin als "Modell eines Klubs"
Aus Deutschland ist nur Meister Bayern München mit dabei und auch Anteilseigner der Liga. Der Spitzenklub ALBA Berlin, der mehrere Jahre eine sogenannte Wildcard erworben hatte und damit startberechtigt war, zog sich vor der laufenden Saison aus finanziellen Gründen zurück.
Ein Wechsel in die NBA Europe wäre attraktiv. "Die NBA Europe wird kommen, und wir wollen dabei sein", erklärte ALBA-Geschäftsführer Marco Baldi.
Die Chancen stehen gar nicht schlecht, dass Berlin als etablierte Marke und Metropole Teil der neuen Liga wird. "Sie sind das Modell eines Klubs, den wir gerne in einer potenziellen Europa-Liga sehen würden", sagte NBA-Boss Silver und lobte die Berliner als "ein Paradebeispiel, wie ein Topklub organisiert sein sollte".