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KulturGlobal

Ikone mit Brüchen: Neuer Film über Mutter Teresa

10. Dezember 2025

Indien in den 1940er Jahren: Der Film "Teresa - Ein Leben zwischen Licht und Schatten" zeigt die Ikone der katholischen Kirche zwischen Selbstzweifeln, Prinzipien und Opferbereitschaft. Und fragt: War Teresa Feministin?

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Eine Nonne schaut ernst in die Kamera.
Die schwedische Schauspielerin Noomi Rapace als 37-jährige TeresaBild: Vuelta Germany

Teresa war 19 Jahre alt, als sie als Novizin nach Indien ging - wo sie mit Elend, Hunger, und Krankheit konfrontiert wurde. Sie lebte als Nonne und Lehrerin in Kalkutta, im katholischen Loreto-Orden, der sich der Bildungs- und Missionsarbeit in Indien verschrieben hatte. Kalkutta war überfüllt, die staatliche Versorgung überlastet, das Gesundheitssystem kaum existent. Indien stand - kurz nach der Unabhängigkeit von Großbritannien nach rund 200-jähriger Kolonialherrschaft - vor großen Herausforderungen. Im Land herrschten Unruhen, tausende Menschen starben bei Gewaltexzessen.

In dieses Chaos führt der Film "Teresa. Ein Leben zwischen Licht und Schatten" hinein: keine Heiligenschein-Ästhetik, sondern ein Stadtbild aus Lärm, Enge, Menschenströmen. Teresa, 1910 geboren als Anjezë Gonxhe Bojaxhiu im heutigen Skopje, erscheint darin als Frau, die zwischen Ruinen und Not ihren Auftrag sucht. Während einer Zugfahrt soll sie ihre "Berufung innerhalb der Berufung" erfahren haben: nicht mehr nur für Gott leben, sondern unter den Ärmsten der Armen.

Eine Frau, die gegen ihre Kirche rebelliert

Der Film zeigt Teresa (überragend gespielt von Noomi Rapace) nicht als überirdische Lichtgestalt, sondern als Frau, die gegen ihre Kirche anrennt. Denn ihr Vorhaben war revolutionär: Das Kloster verlassen, einen eigenen Orden gründen, mitten in die Slums ziehen, kranken und sterbenden Menschen beistehen - als Ordensfrau außerhalb des Ordens. Die Kirche bremste, bedeutete Teresas Wunsch doch Bruch mit alten Traditionen und Gehorsam. Sie aber blieb hartnäckig. Erst 1948 gab der Vatikan nach, 1950 schließlich gründete sie den weltweiten Orden der "Missionarinnen der Nächstenliebe".

Visuell dicht, sprachlich zurückhaltend, untermalt von verzerrten E-Gitarren, zeigt der Film die Slums von Kalkutta mit von Armut und Krankheit gezeichneten Menschen, die heile Welt der Mädchenschule, in der die Schülerinnen rosa Kleider tragen, und die spartanischen Kammern der Ordensschwestern in den Klostermauern, in denen Teresa als Mutter Oberin ein strenges Regiment führt.

Eitelkeit oder Nächstenliebe?

Der Film nähert sich Teresa kritisch aber respektvoll, so werden manche Kontroversen eher angedeutet: In einer leisen Szene fragt sie sich, ob ihr Einsatz wirklich aus reiner Nächstenliebe oder aus Eitelkeit kommt - ein Moment, der den Mythos kurz zur Seite schiebt und eine Teresa zeigt, die sich selbst prüft. Später diskutiert sie mit dem Pater, der dem Kloster vorsteht, über Abtreibung. Er erinnert sie daran, nicht die Frauen zu verurteilen, sondern die Gründe zu bedenken, die die Frauen zu diesem Schritt treiben. Und plötzlich steht die Frage im Raum, ob Mitgefühl auch Widerspruch zulässt - gegenüber der Institution Kirche, die Abtreibung verurteilt.

Die Schattenseiten des Mythos

Das Bild der echten - 2016 von Papst Franziskus heiliggesprochenen - Teresa hat trotz Verehrung schon vor langer Zeit Risse bekommen. Schon zu Lebzeiten war sie eine umstrittene Person. Menschenrechtsorganisationen warfen ihr vor, in ihren Heimen herrsche Mangel an Schmerzmitteln und Hygiene, zudem seien sie eher Hospize statt Krankenhäuser. Sie bekäme hunderte Millionen Dollar an Spenden aus teilweise dubiosen Quellen, der medizinische Standard ihrer Einrichtungen aber sei unterirdisch.

Der britische Journalist Christopher Hitchens fasste es so zusammen: "Sie liebte die Armut, nicht die Armen". Sie habe es beim "Leiden als einem Geschenk Gottes" belassen und nichts getan, um das Leiden zu beenden. Sie setzte das Elend der Armen mit dem Leiden Christi gleich; ihr wird der Satz zugeschrieben: "Es ist etwas Schönes, Arme zu sehen, die ihr Schicksal akzeptieren und es wie Christus erleiden."

Mutter Teresa von Kalkutta, Porträt.
Die echte Mutter Teresa auf einem Foto von 1986Bild: Heritage-Images/picture alliance

Besonders scharf wurde Teresa in der Frage der Abtreibung. In ihrer Nobelpreisrede (1979) bezeichnete sie den Schwangerschaftsabbruch als "Mord" und "größten Zerstörer des Friedens". Dadurch wurde sie zu einer moralischen Leitfigur konservativer Bewegungen - und zugleich Ziel feministischer Kritik, die ihr vorwarf, Frauenrechte dem Ideal der Opferbereitschaft unterzuordnen.

Dennoch hatte Teresa für die Regisseurin des Films, Teona Strugar Mitevska, feministische Züge: "Sie hat sich die Freiheit genommen, so zu sein, wie sie war, um ihr Ziel zu erreichen. Das macht sie in meinen Augen zu einer äußerst feministischen Figur", so Mitevska in einem Interview mit dem Kinomagazin"filmdienst".

Wie feministisch war Teresa?

Als Frau, die in einer patriarchalen Kirche Autorität gewann, ein eigenes Werk gründete und weltweit Gehör fand, lässt sich Teresa sicher als starke weibliche Figur lesen. Sie widersetzte sich Vorgaben, verließ das Kloster, führte tausende Schwestern - eine Form von Handlungsmacht, die nicht selbstverständlich war. Gleichzeitig vertrat sie ein Frauenbild, das Mutterschaft, Verzicht und Gehorsam ins Zentrum stellte. Ihr Wirken galt den Leidenden, nicht der Veränderung von Strukturen. Feministisch im emanzipatorischen Sinn war sie kaum - aber im Sinne weiblicher Präsenz und Führungskraft durchaus.

Eine Frau in roter Sporthose sitzt lässig auf einem Sessel.
Die Regisseurin Teona Strugar Mitevska stammt wie Teresa aus dem nordmazedonischen SkopjeBild: Sönke Dannemann

Teresa litt in ihren letzten Jahrzehnten unter starken Zweifeln. In ihren Briefen und Tagebuchnotizen, die 2007 veröffentlicht wurden, steckt viel Einsamkeit und immer wieder die Frage, ob Gott überhaupt existiert. Die Frau, die weltweit Hoffnung versinnbildlichte, schrieb, in ihrem Inneren sei es "eiskalt", der Himmel bedeute für sie nichts mehr: "Für mich schaut er wie ein leerer Platz aus." Vielleicht macht gerade das ihre Figur so menschlich.

Warum der Film zur richtigen Zeit kommt

Abtreibungsdebatten, Armut, religiöse Konflikte, weibliche kirchliche Autorität - vieles ist erschreckend aktuell. Der Film konfrontiert mit der Frage: Kann eine Frau heilig sein - und gleichzeitig politisch problematisch? Er zeigt Teresa als Figur mit Grenzen. Vielleicht liegt darin ihre heutige Bedeutung: nicht als heilige Lichtgestalt, sondern als Figur, die Fragen aufwirft. So ist dieser Film, der nichts erklärt, sondern nur beobachtet, vielleicht ein guter Anlass, über Teresa neu zu sprechen.

Wuensch Silke Kommentarbild App
Silke Wünsch Redakteurin, Autorin und Reporterin bei Culture Online
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