Aufstand im Kloster – drei Nonnen fliehen aus Seniorenheim
Drei Augustiner-Chorfrauen verweigern die Rückkehr in die Seniorenresidenz - und besetzen ihr Kloster, das jahrzehntelang ihr Zuhause war. Trotz Auflösung des Klosters und kirchlicher Anordnungen wollen sie bleiben.

Zurück zur Gewohnheit
Die Ordensschwestern Bernadette, Regina und Rita sorgen mit einer ungewöhnlichen Rebellion nicht nur in Österreich für Aufsehen. Die über 80-jährigen Damen sind aus dem Seniorenheim ausgezogen und haben sich Zutritt in ihr altes Kloster Goldenstein bei Salzburg verschafft, in dem sie bis vor zwei Jahren gelebt haben. Nun wollen sie nicht mehr weg.
Kloster statt Stift
Die drei Augustiner-Chorfrauen widersetzen sich mit der Besetzung des Klosters den Anordnungen der Kirche. Propst Markus Grasl, Leiter des Stifts Reichersberg und zuständig für die Nonnen, forderte ihre Rückkehr ins Pflegeheim - bisher ohne Erfolg. Die Ordensschwestern seien pflegebedürftig und das Gebäude für sie nicht mehr geeignet, heißt es. Die Schwestern sehen das freilich anders.
Wohnrecht auf Lebenszeit
Die drei Frauen lebten jahrzehntelang im Kloster nahe der bayerischen Grenze und unterrichteten an der angeschlossenen Schule. Nachdem die Gemeinschaft schrumpfte, wurde das Kloster 2024 aufgelöst. Schon 2022 war es an das Erzbistum Salzburg und das Stift Reichersberg übergegangen. Den Schwestern blieb zwar das Wohnrecht - jedoch nur, solange es "gesundheitlich und geistlich vertretbar" sei.
Unfreiwilliger Auszug
Nach Klinikaufenthalten wurden die Ordensfrauen im Dezember 2023 in ein Caritas-Heim verlegt. "Wir konnten nicht zurück in unsere Zimmer, die Schlösser waren ausgetauscht, wir hatten keinen Zugang mehr zu unseren Habseligkeiten", berichtet Schwester Bernadette über den erzwungenen Umzug. Sie selbst war einst Schülerin der Schule, an der sie später lehrte.
"Sind keine Einbrecher"
"Wir fühlen uns nicht als Besetzer oder Einbrecher", sagte Schwester Bernadette gegenüber der Kronenzeitung und erklärte, dass sie nicht in dem Pflegeheim leben und auch nicht dort sterben will. Mittlerweile macht ihre Geschichte weltweit Schlagzeilen und einige Helfer der Ordensschwestern haben sogar einen Instagram-Account für die Nonnen angelegt, mit inzwischen mehr als 40.000 Followern.
Vom Kloster zur Internetberühmtheit
Mehrere Personen unterstützen die Ordensschwestern in ihrem Alltag und produzieren fleißig Social Media Content. Schwester Rita lernt sogar noch Englisch für die internationalen Follower. Man sieht die betagten Nonnen beim Beten, Essen oder Putzen. Wie es in dem Fall weitergeht, ist unklar, die Fronten sind verhärtet.
Was nun?
Stiftsleiter Grasl hat seit Beginn der Besetzung nicht direkt mit den Nonnen gesprochen. Die drei Ordensschwestern hingegen wünschen sich ein konstruktives Gespräch. Die Präsidentin der Föderation der Augustiner-Chorfrauen, Schwester Beate Brandt, sagte zur Besetzung gegenüber der kirchlichen Medienplattform "katholisch.de": "Das kann ich nicht dulden". Es bleibt spannend im Kloster Goldenstein.