Mutter Teresa wird heilig gesprochen | Europa | DW | 02.09.2016
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Europa

Mutter Teresa wird heilig gesprochen

Die in Skopje geborene Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin war für viele bereits zu Lebzeiten eine Heilige. Doch es gibt auch Menschen, die Mutter Teresa und ihre Arbeitsweise scharf kritisieren.

Wunder gibt es immer wieder? Nicht immer und nicht so oft, wie man manchmal wünscht. Und erst recht nicht alle werden als solche anerkannt.

Zwar reichen dem Vatikan inzwischen ein bis zwei verbürgte Wunder, um jemanden heilig zu sprechen. Dennoch fällt es der katholischen Kirche immer noch schwer Ereignisse zu bestätigen, die sich erstens mit wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht erklären lassen und die zweitens mit Gebeten in Verbindung stehen, die an eine verstorbene Person gerichtet wurden. Im Falle von Mutter Teresa jedoch scheint die katholische Kirche überzeugt zu sein, dass die Nonne, die ihr Leben den Ärmsten der Armen widmete, imstande war, Wunder zu bewirken.

Zwei anerkannte Wunder

Bereits 2003, nur sechs Jahre nach ihrem Tod, sprach Papst Johannes Paul II. die Nonne selig. Grundlage dafür war der Fall einer Inderin: Sie behauptete, von einem Tumor geheilt worden sein, indem sie Gebete an Mutter Teresa richtete und ein von ihr gesegnetes Amulett auflegte. Trotz der Zweifel einiger Ärzte erkannte der Vatikan das Wunder an.

Mutter Teresa mit einem kranken Kind in Kalkutta - Foto: picture-alliance/ZUMA Press

Mutter Teresa in Indien (1979): Sie widmete ihr Leben Gott - und den Armen

Im Dezember 2015 stimmte Papst Franziskus einer Empfehlung der zuständigen Kongregation zu - und schrieb Mutter Teresa das für eine Heiligsprechung nötige zweite Wunder zu. Es handelt sich dabei um die medizinisch unerklärliche Heilung eines brasilianischen Mannes, der einen bösartigen Hirntumor hatte. Angehörige sollen Mutter Teresa zuvor im Gebet um Hilfe gebeten haben.

Schwestern im Gewand der Armen

Mutter Teresa wurde als Anjeza Gonxhe Bojaxhiu am 26. August 1910 in Skopje geboren. Die Tochter einer wohlhabenden albanischen Familie wurde von ihren Eltern streng katholisch erzogen. Mit 17 Jahren verließ Anjeza Gonxhe ihre Heimat und trat in Irland dem Orden der Jungfrau von Loreto bei. Kurz darauf fuhr sie zum ersten Mal nach Indien und begann ihr Noviziat im Loreto-Konvent.

"Gottes Ruf" vernahm die junge Nonne im September 1946, auf einer langen Zugreise nach Kalkutta: Ihre Mission sei es, den Ärmsten der Armen zu helfen und ihnen beizustehen. Überzeugt, dass in jedem armen Menschen Jesus lebt, verließ sie zwei Jahre später mit der Erlaubnis von Papst Pius XII. den Konvent, um in der indischen Metropole einen neuen Schwesternorden zu gründen. Sie legte einen weißen Sari mit drei blauen Streifen an - das Gewand der Armen in Bengalen. Ihr Orden "Missionaries of Charity" ("Missionarinnen der Nächstenliebe) wurde zwei Jahre später vom Vatikan anerkannt.

Straßenbild Kalkutta - Foto: DW/S. Bandopadhyay

Indische Metropole Kalkutta: Hier fand Mutter Teresa ihre Lebensaufgabe

Mutter Teresa gründete ein Haus, in dem Freiwillige, Nonnen und Mönche die Sterbenden versorgten. Dieses Haus der Sterbenden, das sie "Kalighat" oder "Nirmal Hriday" nannte, lag neben dem Kali-Tempel in Kalkutta (offiziell heute Kolkata). Kali ist die meist geehrte und gefürchtete Göttin der Hindus. Sie besitzt die Macht, Leben zu geben und zu zerstören. Seit der Gründung des Hauses verbrachten über 45.000 Menschen ihre letzten Tage dort. "Der Tod ist die höchste Entwicklung des menschlichen Lebens, denn wenn ein Mensch in Frieden mit Gott stirbt, dann hat er die höchste Entwicklung erreicht", sagte Mutter Teresa.

Tropfen auf den heißen Stein?

Aus westlichen Ländern kamen bald großzügige Spenden für ihre Arbeit mit den Bedürftigen. Doch die Nonne sah sich nie als Sozialarbeiterin. Sie handele nur im Auftrag der Religion, speziell im Sinne von Jesus Christus, beteuerte sie immer wieder: "Die Arbeit ist nicht die Berufung, es ist das Beten."

Mutter Teresa bekommt den Friedensnobelpreis in Oslo - Foto: Getty Images/AFP

Auszeichnung: 1979 erhielt Mutter Teresa den Friedensnobelpreis

Nach dem "Kalighat" gründete Mutter Teresa weitere Häuser, um Bedürftigen zu helfen. In Kalkutta, wo Millionen Menschen in Slums leben und mehr als 500.000 auf der Straße schlafen, war diese Hilfe nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch Mutter Teresa arbeitete unermüdlich weiter für die Ärmsten der Armen. 1979 erhielt sie dafür den Friedensnobelpreis.

Umstrittene Heilige

Allerdings erntete die Nonne nicht nur Lob sondern auch Kritik: Übel nahm man ihr, dass sie sich mit Diktatoren wie dem Haitianer François Duvalier traf. Zudem soll sie bei der Verwaltung der Spendengelder nicht sorgfältig buchgeführt haben. Kritisiert wurde sie auch, weil sie sich weigerte, Leidenden schmerzlindernde Medikamente zu verabreichen. "Zu sehen wie sie ihr Schicksal ertragen, hat auch etwas ganz Wundervolles", zitierte ein französisches Wissenschaftsmagazin Mutter Teresa in einer Studie über ihr Lebenswerk. "Sie leiden damit so wie Jesus Christus am Kreuz und kommen ihm damit näher." Der US-Schriftsteller Christopher Hitchins bezeichnete sie sogar als "Hell's Angel", als "Engel der Hölle".

Mutter Teresa selbst kümmerte sich wenig um ihre Kritiker. Die Religion war ihr Leben: "Jeder Mensch leidet auf dieser Welt. Gerade dieses Leid sollte in der richtigen Seele genutzt werden, damit es zur Liebe Jesus Christus verwandelt wird. Vor allem heute, wo soviel Sünde herrscht."

1997 starb Mutter Teresa im Alter von 87 Jahren. Bis heute streiten sich Albanien und Mazedonien, ob sie als Albanerin oder Mazedonierin anzusehen ist. Beide Länder haben ihr zu Ehren Denkmäler errichtet.

Ihre Arbeit wird fortgeführt

Heute gehören ihrem Orden weltweit mehr als 5000 Nonnen an. Es gibt rund 600 Häuser der "Missionarinnen der Nächstenliebe" in 130 Ländern.

Das wäre ganz im Sinne Mutter Teresas gewesen. "Es gibt leider viel Armut der Seele, vor allem in westlichen Ländern", sagte sie. "Ich bitte alle das Gebet erneut in die Familien zurückzuführen. Betet gemeinsam, dass wir uns gegenseitig so lieben, wie Gott uns liebt."

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