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"Mehr Liebe" - Kritik aus Bundesliga an Trump wegen Grönland

8. Januar 2026

Bayer Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand sorgt sich um Grönland. Als Däne hat er eine Beziehung zu dem Land, aber auch seine Partnerin stammt von dort. Ohne ihn zu nennen, richtet er sich dabei an US-Präsident Trump.

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Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand
Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand kommt aus Dänemark und ist mit einer ehemaligen grönländischen Politikerin liiertBild: Revierfoto/dpa/Revierfoto/picture alliance

"Ich hoffe auf mehr Menschlichkeit, Empathie und Liebe. Mehr Wissen und Verständnis. Mehr Zuhören", schreibt Kasper Hjulmand in seinem Neujahrspost auf dem Internet-Portal LinkedIn vom 6. Januar.

Allerdings spricht der dänische Trainer von Bundesliga-Klub Bayer 04 Leverkusen dabei nicht über seine Mannschaft, sondern über die US-Politik und die Ansichten von Präsident Donald Trump in Bezug auf die zu Dänemark gehörende Insel Grönland. "Meine wärmsten Gedanken gehen an die wunderbaren Menschen in Grönland", heißt es weiter.

Die Welt als "Jagdrevier"

Zwar erwähnt Hjulmand den US-Präsidenten nicht namentlich, schreibt aber, dass "für manche politische Führer Wissen, internationale Strukturen, Dialog und der Respekt vor kulturellen Unterschieden zum Feind geworden" seien. "Für Menschen wie sie ist die Welt ein Jagdrevier. Doch es gibt einen anderen Weg."

Demonstranten vor dem US-Konsulat in Nuuk auf Grönland protestieren gegen US-Ansprüche
"Wir stehen nicht zum Verkauf" - Demonstranten auf Grönland wehren sich gegen die Besitzansprüche der USABild: Christian Klindt Soelbeck/Ritzau Scanpix/IMAGO

Die Aussagen Hjulmands haben sicher auch ihren Grund darin, dass er seit einiger Zeit mit der ehemaligen Sozial- und Finanzministerin Grönlands Maliina Abelsen liiert ist. Hjulmand und Abelsen sind dem Vernehmen nach seit 2024 ein Paar, machten ihre Beziehung aber erst im Herbst 2025 öffentlich.

Zuvor war Hjulmand 30 Jahre lang mit seiner Ehefrau Vibeke verheiratet, von der er sich im Sommer 2024 scheiden ließ. Die beiden haben drei Kinder.

Maliina Abelsen: "Sehr besorgniserregend"

Abelsen hatte sich bereits im vergangenen Jahr immer wieder öffentlich und sehr kritisch zu Trumps Sicht auf Grönland geäußert. Unter anderem in der investigativen US-TV-Sendung "60 Minutes".

Nun wird sie auf dem spanischen Internetkanal von Radio Prague International zitiert. "Es wirkt wie ein Déjà-vu vom letzten Jahr", sagt die 49-Jährige dort. "Es ist genau ein Jahr her, seit der Sohn von Trump in Grönland angekommen ist, nun scheint es, als würde das dieses Jahr von Neuem beginnen." Sie fragt, wie man sich vor der größten und mächtigsten Nation der Welt schützen könne.

"Es gibt auch große Verwunderung darüber, wie diese Situation überhaupt entstehen konnte, wenn man bedenkt, dass wir innerhalb der NATO Verbündete sind und die Vereinigten Staaten offen sagen, dass sie den Einsatz militärischer Macht in Grönland in Betracht ziehen könnten, um die Kontrolle zu übernehmen", so Abelsen weiter. "Das ist sehr besorgniserregend."

Trump: "Wir müssen Grönland haben"

Trump hatte in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder einen Anspruch der USA auf Grönlandformuliert - allerdings nicht wegen der dort vorhandenen Bodenschätze wie seltene Erden, Uran und Öl, sondern, wie er behauptete, wegen der strategisch wichtigen Lage als Zugang zum Nordpolarmeer und als Brückenkopf gegen den Einfluss Russlands und Chinas in der Region. "Wir brauchen es für die nationale Sicherheit", sagte Trump. "Wir müssen es haben."

Vor der Winterpause war Hjulmand in einem langen Interview mit der Tageszeitung "Kölner Stadtanzeiger" (KSTA) gefragt worden, ob er mit seiner Partnerin über Weihnachten mehr über Fußball oder über Politik reden werde.

"Wir sind beide sehr neugierig auf das Leben, auf viele Dinge", hatte der 53-Jährige geantwortet und angekündigt: "Wir werden nicht über Fußball und ganz wenig über Politik reden." Offenbar war die Situation in Abelsens Heimat aber dennoch Thema.

Mann der leisen Töne

Zudem passt der Aufruf Hjulmands zu mehr Frieden und Ausgleich zu seinem Charakter. Seit dem ersten Tag in Leverkusen tritt der Däne freundlich, verbindlich und ohne Eitelkeit auf. Er ist kein Mann der lauten Töne, übt fast nie öffentlich Kritik und sieht seine Aufgabe vor allem darin, seinen Spielern dabei zu helfen, jeden Tag ein bisschen besser zu werden.

Bayer Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand umarmt nach einem Spiel seinen Spieler Arthur
Familiäre Atmosphäre - Hjulmand (2.v.r.) ist als Trainer nahbar und nimmt seine Spieler stets gegen Kritik in SchutzBild: Rolf Vennenbernd/dpa/picture alliance

"Fußball ist ein Teamsport, Führung ist ein Teamsport, das Leben ist ein Teamsport", sagte Hjulmand im KSTA-Interview. Um sich persönlich bestmöglich zu entwickeln, brauche man einen guten Rahmen, ein familiäres Umfeld.

"Ich habe das auch bei meinen Kindern gemerkt: Je besser der Rahmen ist, in dem du lebst, desto größer ist die Chance, sich persönlich zu entwickeln", sagte Hjulmand. "Wir versuchen also, bei Bayer eine Atmosphäre zu schaffen, in der wir ein großes Gemeinschaftsgefühl haben, das jedem eine Grundlage für Wachstum verschafft."

Für Hjulmand und seine Mannschaft startet die Bundesliga nach der Winterpause am Samstagabend. Es gibt direkt ein Spitzenspiel und eine schwere Aufgabe - zu Hause geht es gegen DFB-Pokalsieger VfB Stuttgart.

Unterstützung aus Europa

Grönland bekommt im Streit mit den USA in den vergangenen Tagen mehr und mehr Unterstützung aus Europa. Donald Trump und die USA wurden vor einer mögliche Annexion der arktischen Insel mit deutlichen Worten gewarnt.

"Grönland gehört seinem Volk", heißt es in der Erklärung, die von der dänischen Regierung ebenso wie von Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Polen unterzeichnet wurde. Es sei "allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden", die sie selbst beträfen.

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