Massive nächtliche Angriffe auf Kyjiw
Veröffentlicht 24. Mai 2026Zuletzt aktualisiert 24. Mai 2026
Bei den schweren Angriffen mit Kampfdrohnen und Raketen auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw sind laut Behörden mindestens zwei Menschen getötet worden. Es gab zudem etwa 70 Verletzte - viele von ihnen wurden in Krankenhäuser gebracht, wie Bürgermeister Vitali Klitschko am Sonntagmorgen im Nachrichtendienst Telegram mitteilte. Der Zivilschutz veröffentlichte Fotos und Videos von massiven Zerstörungen an ziviler Infrastruktur und großen Bränden, die von der Feuerwehr gelöscht wurden. Auch das Büro der Deutschen Welle und das ARD-Auslandsstudio im Zentrum von Kyjiw wurden bei den massiven Angriffen beschädigt.
In der umliegenden Region wurden nach Angaben von Verwaltungschef Mykola Kalaschnyk zwei weitere Menschen getötet. Verletzte gab es auch in anderen ukrainischen Regionen wie Tscherkassy und Dnipropetrowsk, die ebenfalls von russischen Angriffen betroffen waren.
Nach Angaben der Luftwaffe griff Russland die Ukraine mit insgesamt 600 Drohnen und 90 Raketen an. 549 Drohnen und 55 Raketen konnten demnach abgefangen werden. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, es habe sich um "einen der größten Terrorangriffe auf Kyjiw" seit Kriegsbeginn gehandelt.
Einsatz von Oreschnik-Rakete
Russland setzte nach eigenen Angaben in der Ukraine erneut die wegen ihrer Zerstörungskraft besonders gefürchtete Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik ein. Es handle sich um eine Antwort auf die "terroristischen Angriffe" der Ukraine auf zivile Objekte in Russland, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit.
Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj unter Berufung auf Geheimdienstberichte aus der Ukraine, den USA und Europa vor dem möglichen Einsatz dieser neuen russischen Hyperschall-Mittelstreckenrakete gewarnt. Ukrainische Medien berichteten am Sonntag unter Berufung auf den Sprecher der Luftwaffe, dass eine solche Rakete tatsächlich die Region Kyjiw getroffen habe.
Russland hat die Oreschnik, die nach Angaben von Präsident Wladimir Putin wegen ihrer mehrfachen Schallgeschwindigkeit nicht abgefangen werden kann, damit schon zum dritten Mal gegen die Ukraine eingesetzt. Die Rakete hat eine Reichweite von mehreren tausend Kilometern und kann mit einem nuklearen Sprengkopf bestückt werden. Laut Putin fliegt sie mit mehr als zehnfacher Schallgeschwindigkeit.
Bundesregierung sieht "weitere Eskalation"
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz verurteilte die massiven russischen Angriffe scharf. Er schrieb auf der Plattform X, Deutschland stehe "weiter fest an der Seite der Ukraine". Außenminister Johann Wadephul sprach von einem schockierenden "Raketenterror" und fügte hinzu: "Der Einsatz einer Oreschnik ist eine weitere Eskalation."
Russland hatte mit der neuen Angriffswelle als Vergeltung für den ukrainischen Angriff auf eine Berufsschule in dem von Moskau besetzten Gebiet Luhansk gedroht. Dabei waren am Freitag 21 Studentinnen und Studenten getötet und viele weitere verletzt worden. Das ukrainische Militär wies die Vorwürfe zurück und erklärte, man habe eine russische Drohnen-Kommandoeinheit ins Visier genommen.
gri/pg (dpa, afp, rtr, dw)