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Marie-Louise Eta: erste Cheftrainerin der Fußball-Bundesliga

14. April 2026

Zum ersten Mal in der Bundesliga-Geschichte wird ein Männer-Team von einer Frau trainiert. Marie-Louise Eta von Union Berlin ist damit Vorbild für andere Frauen und als Profitrainerin eine von wenigen Ausnahmen.

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Trainerin Marie-Louise Eta in der Saison 2024/25
Mit ihr will Union Berlin den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga schaffen: Marie-Louise EtaBild: Soeren Stache/dpa/picture alliance

"Ich freue mich, dass der Verein mir diese anspruchsvolle Aufgabe anvertraut" - mit diesen Worten reagierte Marie-Louise Eta auf die Entscheidung des Bundesligaklubs 1. FC Union Berlin, sie zur Cheftrainerin zu machen. Sie folgt damit auf Steffen Baumgart, der gemeinsam mit seinen Co-Trainern nach der 1:3-Niederlage bei Tabellenschlusslicht 1. FC Heidenheim entlassen wurde.

Eta ist damit die erste Frau, die in hauptverantwortlicher Rolle in der Fußball-Bundesliga der Männer als Trainerin arbeitet. Sie soll das Team in den letzten fünf Spielen der laufenden Saison betreuen und den Abstieg verhindern.

"Natürlich habe ich die Überzeugung, dass wir mit dem Team die entscheidenden Punkte holen", so Eta, die am kommenden Samstag im Abstiegsduell gegen den vorletzten VfL Wolfsburg ihr Debüt als Chefin auf der Bank geben wird.

Von der Co- zur Cheftrainerin

Bislang war Eta für die männliche U19-Nachwuchsmannschaft des FC Union verantwortlich. Ab dem Sommer soll sie die Bundesliga-Mannschaft der Frauen bei den Berlinern übernehmen.

Doch auch die Aufgabe in der Männer-Bundesliga ist kein komplettes Neuland für die 34-Jährige. Bereits von November 2023 bis Mai 2024 hatte Eta als Co-Trainerin den Abstiegskampf von Union Berlin begleitet.

"Ich freue mich, dass Marie-Louise Eta sich bereit erklärt hat, diese Aufgabe interimistisch zu übernehmen, bevor sie im Sommer wie geplant Cheftrainerin der Profimannschaft der Frauen wird", sagte Unions Profifußball-Geschäftsführer Horst Heldt. 

Union gibt Contra auf Social Media

Auf seinen Social-Media-Kanälen erntete Union Berlin nach der Bekanntgabe von Etas Beförderung sexistische und abfällige Kommentare.

"Ich habe das mitbekommen, Aber ich weigere mich auch, das tatsächlich zu lesen und mich damit zu identifizieren oder mir irgendeinen Mist nur vor Augen zu führen", sagte Heldt am Montag bei einer Pressekonferenz. "Ich finde es wahnsinnig, dass wir uns damit auseinandersetzen und in der heutigen Zeit rechtfertigen müssen. Wir reden hier von einer hochkompetenten Führungspersönlichkeit."

Zuvor hatte der Verein bereits direkt auf ausfallende Posts reagiert und dafür noch mehr Kritik aber auch viel Beifall bekommen. Man habe sich ein "bisschen in die Social-Media-Schlacht hineingestürzt", sagte Unions-Kommunikationschef Christian Arbeit. Man müsse sich schämen, dass Menschen sich trauten, "sich öffentlich in einer Weise zu entblößen, dass man ja eigentlich kaum Worte dafür findet".

Marie-Louise Eta: Karriere als Fußballerin

Als Fußballerin feierte Eta in ihrer aktiven Karriere große Erfolge mit Turbine Potsdam. Damals noch unter dem Namen Marie-Louise Bagehorn gewann sie mit dem Verein dreimal die deutsche Meisterschaft und 2010 den Titel in der Champions League. Wegen mehrerer Verletzungen musste sie bereits mit 26 Jahren ihre Laufbahn als Spielerin beenden. 

Marie-Louise Eta, damals Bagehorn, von Turbine Potsdam hält 2011 lächelnd die Meisterschale in den Händen
Unter ihrem Mädchennamen Marie-Louise Bagehorn sammelte Eta mit Turbine Potsdam einige TitelBild: Christian Schroedter/IMAGO

Danach kam ihre Karriere als Trainerin schnell auf Touren. Zunächst arbeitete sie im Nachwuchsbereich von Werder Bremen, für den Klub hatte sie bis 2018 noch gespielt. 2021 wurde sie vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Co-Trainerin der weiblichen U15-Auswahl engagiert.

Ein Jahr später schloss sie erfolgreich den Pro-Lizenz-Lehrgang ab und darf seither offiziell auch als Cheftrainerin in der Bundesliga und 2. Liga arbeiten.

Eta als Vorbild für andere Frauen

Die Nachricht, dass es erstmals eine Cheftrainerin in der Männer-Bundesliga gibt, sorgte auch bei der Fußball-Nationalmannschaft der Frauen für Begeisterung. "Das ist ein super Zeichen", sagte Nationalspielerin Sjoeke Nüsken am Sonntag bei einer Medienrunde vor den anstehenden Spielen der WM-Qualifikation gegen Österreich. 

Nationalspielerin Sjoeke Nüsken feiert ihr Tor im EM-Viertelfinale gegen  Frankreich mit einem Jubelsprung
Sjoeke Nüsken spielt im Mittelfeld der deutschen Nationalmannschaft und möchte später als Trainerin arbeitenBild: Pedro Porru/SheKicks/SPP/IMAGO

"Tatsächlich fange ich jetzt an mit meiner B-Lizenz", fügte die Mittelfeldspielerin des FC Chelsea hinzu. "Es ist auf jeden Fall schön zu sehen, dass uns diese Chancen offenstehen."

Innenverteidigerin Jella Veit von Eintracht Frankfurt bezeichnete Eta als "großes Vorbild für andere, die diesen Beruf ausüben und vielleicht dann auch mal in diese Fußstapfen treten wollen".

"Ich finde es einen richtig, richtig coolen Schritt", sagte auch Alexandra Popp dem TV-Sender "Sport1". Die Ex-Nationalspielerin hatte in der Jugend mit Eta zusammengespielt. Daher wisse Popp, "was sie als Spielerin schon für eine intelligente Fußballerin war." Man sehe an ihren bisherigen Erfolgen, "dass sie es als Trainerin auch zeigen kann." Sie hoffe nun, so Popp, "dass in den kommenden Jahren die ein oder andere noch nachzieht."

Nur wenige Frauen mit UEFA Pro Lizenz

Zwar besitzen in Deutschland laut DFB rund 4000 Frauen eine Fußball-Trainerlizenz - zum 1. Juni 2024 gab der Verband die Zahl von 3901 an - jedoch verfügen die wenigsten über die sogenannte UEFA Pro Lizenz, die zur Arbeit als Cheftrainerin in der 1. und 2. Bundesliga berechtigt.

Insgesamt sind es bislang nur 33 - und auch mit dieser eher geringen Anzahl ist Deutschland im internationalen Vergleich noch führend.

Trainerin Sabrina Wittmann gibt den Spielern des FC Ingolstadt auf dem Trainingsplatz Anweisungen
Sabrina Wittmann ist seit knapp zwei Jahren Cheftrainerin des FC Ingolstadt in der 3. LigaBild: Daniel Löb/dpa/picture alliance

Eine von ihnen ist Sabrina Wittmann, die seit dem Frühjahr 2024 Cheftrainerin des FC Ingolstadt in der 3. Liga ist. Sie war damals die erste Trainerin eines männlichen Profiteams in Deutschland und ist neben Eta die einzige Frau in solcher Funktion in den obersten drei Ligen. 

Damit sich das künftig ändert, hat der DFB bereits 2021 ein Förderprogramm für Trainerinnen ins Leben gerufen. Mit Hilfe der "Strategie FF 27" soll die Anzahl von Trainerinnen bis 2027 um 25 Prozent gesteigert werden.

"Gleichzeitig sollen mehr Frauen im Fußball in haupt- und ehrenamtliche Führungspositionen gebracht werden, was die maßgebliche Führungsposition im Fußball - die der Trainerin - einschließt. Der DFB will dabei die Rahmenbedingungen für Frauen in den Ausbildungen verbessern", heißt es auf der Internetseite des Verbands.

Der Artikel wurde am 13. und am 14. April aktualisiert.

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