Kommentar: Nur die Wahrheit zählt gegen Corona | Kommentare | DW | 31.03.2020
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COVID-19

Kommentar: Nur die Wahrheit zählt gegen Corona

Das Ausmaß der Pandemie ist auch eine Folge verlogener Politik. Der Kampf gegen Corona kann nur gelingen, wenn alle wissenschaftlichen Tatsachen auf den Tisch kommen, meint Rodion Ebbighausen.

Die wichtigste Waffe im Kampf gegen das Coronavirus ist die Wahrheit.

Das zeigt der Fall China, wo das Virus zum ersten Mal aufgetreten ist. Ganz zu Beginn des Ausbruchs, als die Chancen zur Eindämmung noch hoch waren, schüchterten Kader der Kommunistischen Partei Chinas und Sicherheitskräfte Mediziner ein. Beweise wurden vernichtet, Fakten geleugnet. Das Ergebnis: erst eine nationale Epidemie, dann eine globale Pandemie.

Regierungen, denen niemand traut

Das beweist auch der Fall Iran. Das Regime belügt seine Bevölkerung seit Jahren. Als die Regierung nach langem Zögern und gegen den Widerstand einiger Mullahs Maßnahmen gegen das Virus ergriff, nahm die Bevölkerung diese nicht ernst. Eine fatale Bestätigung für das Sprichwort "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er die Wahrheit spricht". Die Folge: Bisher mehr als 2500 offiziell bestätigte Tote. Niemand traut dieser Zahl. 

Ebbighausen Rodion Kommentarbild App

DW-Redakteur Rodion Ebbighausen

In den USA, wo die Regierung "alternativen Fakten" huldigt wurde die Bedrohung durch das Virus erst geleugnet, dann kleingeredet. Als die Auswirkungen der Epidemie unübersehbar wurden, ergriff US-Präsident Donald Trump widerwillig einige Maßnahmen. Er lässt aber keinen Zweifel daran, dass er letztlich die Wirtschaft über die Gesundheit der Bevölkerung stellt. Die Folge: Mehr Infektionen als jedes andere Land der Welt.

Ein Virus kümmert sich nicht um Politik. Rhetorik und Phrasen beeindrucken es nicht. Das Einzige, was zählt, sind Tatsachen. Besiegen lässt es sich nur mit wissenschaftlichem Sachverstand und Augenmaß.

Rechtspopulisten haben nichts beizusteuern

Dass sich die Politiker in Europa und Deutschland in der Krise von Fachleuten beraten lassen und deren Einschätzungen bei ihren Entscheidungen einbeziehen, ist ein gutes Zeichen. Überwunden scheinen die zurückliegenden Monate und Jahre, in denen Rechtspopulisten - die AfD in Deutschland, Viktor Orban in Ungarn, Matteo Salvini in Italien, um nur einige zu nennen - die Politik vor sich hertrieben. Die aktuelle Lage macht deutlich: Wenn es ernst wird, haben sie nichts beizusteuern.

Die Pandemie zeigt, dass Politik, die die Tatsachen ignoriert und stattdessen nur Meinungsmache betreibt, einen hohen Preis hat. Nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt. Viele bezahlen ihn nun mit ihrem Leben.

Wenn das Virus in einigen Monaten besiegt ist - und mit Hilfe der Wissenschaft wird das gelingen -, dann wird hoffentlich auch die Einsicht bleiben, dass die Wahrheit zählt. Gerade in der Politik.

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