Kommentar: Klares Zeichen gegen Rassismus im Fall Torunarigha blieb aus | Sport | DW | 05.02.2020
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Meinung

Kommentar: Klares Zeichen gegen Rassismus im Fall Torunarigha blieb aus

Nach den rassistischen Anfeindungen gegen Hertha-Profi Torunarigha hätte Schiedsrichter Osmers anders reagieren müssen, meint Stefan Nestler. Und auch das Berliner Team hätte ein deutlicheres Zeichen setzen können.

Rassistische Anfeindungen gehören sich nicht. Weder im Fußball noch sonst wo. Darüber kann und sollte es in einem demokratischen Staat wie Deutschland keine zwei Meinungen geben. Jene Dumpfbacken, die von den Tribünen in Gelsenkirchen aus den dunkelhäutigen Hertha-Verteidiger Jordan Torunarigha mit Affenlautenbedachten, sollten einen Blick ins Grundgesetz werfen. Sie brauchen nicht mal weiter als Artikel 3 zu lesen. Dann müsste ihnen eigentlich klar sein, dass sie sich mit ihrem Verhalten außerhalb der demokratischen Grundordnung gestellt haben. Der FC Schalke 04 als Gastgeber des DFB-Pokalspiels ist aufgerufen, den Worten "Null Toleranz für Vorfälle während des Hertha-Spiels" nun auch Taten folgen zu lassen und die Verantwortlichen für die rassistischen Ausfälle von seinen Tribünen zu verbannen. Und auch der Deutsche Fußball-Bund darf jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

FIFA-Vorgabe nicht umgesetzt

Spieler und Betreuer von Hertha BSC machten nach eigenen Angaben Schiedsrichter Harm Osmers und seine Assistenten auf die rassistischen Beschimpfungen gegen Torunarigha aufmerksam. Osmers habe es lediglich "zur Kenntnis genommen", sagte Hertha-Kapitän Niklas Stark. Seit 2017 hat der Fußball-Weltverband FIFA alle seine Mitglieder angehalten, in einem solchen Fall die "Drei-Schritte-Prozedur" einzuleiten: Der Schiedsrichter soll nach einem rassistischen Vorfall zunächst das Spiel unterbrechen und den Stadionsprecher zu einer Durchsage auffordern. Bei weiteren Vorfällen soll er die Teams vorübergehend in die Kabinen schicken. Fruchtet auch dies nicht, hat er die Partie abzubrechen. Die Begründung des DFB - Osmers habe nicht reagiert, weil der Vorfall sich in der zweiten Halbzeit ereignet, Hertha-Sportchef Michael Preetz ihn aber erst nach Ende der regulären Spielzeit darüber informiert habe - erscheint etwas konstruiert.

Kein Fingerspitzengefühl

DW Kommentarbild Stefan Nestler

Stefan Nestler, DW Sport

Stattdessen schickte Osmers in der Verlängerung den - wie selbst die Schalker Spieler registrierten - von den rassistischen Beschimpfungen stark mitgenommenen Torunarigha mit Gelb-Rot vom Platz. Nachdem ihn der Schalker Omar Mascarell rüde über die Außenlinie gedrückt hatte, war der junge Hertha-Profi in Schalkes Trainer David Wagner hineingerauscht und hatte daraufhin wütend eine Getränkekiste auf den Boden geworfen. Ein Ausraster, der wohl dem emotionalen Ausnahmezustand Torunarighas zuzuschreiben war und ihm unter normalen Umständen möglicherweise nicht passiert wäre. Hier wäre Fingerspitzengefühl gefragt gewesen statt kompromissloser Regelauslegung - zumal Osmers ja über die Affenlaute von den Tribünen gegen Torunarigha informiert war.Dass Schalke nach dem Platzverweis gegen die dezimierten Herthaner auch noch der Siegtreffer gelang, gibt dem Ganzen auch noch eine sportliche Relevanz. Diese sollte in diesem Zusammenhang aber nicht im Vordergrund stehen.

Schiedsrichter Osmers hätte schon vor dem Platzverweis ein klares Zeichen setzen können und auch müssen, dass rassistische Ausfälle wie jene gegen Torunarigha nicht als "Kavaliersdelikt" hingenommen werden. Hertha BSC muss sich fragen lassen, warum die Mannschaft nicht - wie kürzlich das U16-Team des Vereins in einem ähnlichen Fall - geschlossen den Platz verlassen hat. Auch das wäre ein deutlicheres Zeichen gewesen als die Solidaritätsbekundungen für Torunarigha im Nachhall des Spiels.

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