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KonflikteIran

Trump bläst Iran-Angriffe ab und spricht von Deal

12. Juni 2026

US-Präsident Donald Trump erklärt, ein Rahmenabkommen mit dem Iran sei in greifbarer Nähe. Die Führung in Teheran reagiert vorsichtig. Streitpunkte bleiben Irans Atomprogramm, die Sanktionen und die Straße von Hormus.

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USA Washington D.C. 2026 | Donald Trump spricht im Oval Office des Weißen Hauses
US-Präsident Donald Trump hat bereits 39 Mal erklärt, ein Deal mit dem Iran sei kurz vor einem AbschlussBild: Julia Demaree Nikhinson/AP Photo/picture alliance

US-Präsident Donald Trump hat einmal mehr ein baldiges Rahmenabkommen mit dem Iran zur Beilegung des Krieges in Aussicht gestellt. "Wir haben gerade eine großartige Einigung im Krieg mit dem Iran erzielt", behauptete Trump im Weißen Haus. Die Dokumente sollten in Kürze fertiggestellt und vielleicht schon an diesem Wochenende in Europa unterzeichnet werden. Er werde mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sprechen.

Vorsichtige Zustimmung aus dem Iran

Auch die Islamische Republik spricht von einem möglichen bevorstehenden Verhandlungsabschluss. Ein entsprechender Text sei überwiegend finalisiert, sagte der iranische Außenamtssprecher Esmail Baghaei nach Angaben der staatlichen Agentur Irna in einem TV-Programm. Zugleich drückte Baghaei erneut fehlendes Vertrauen Teherans in Washington aus. Das Problem sei, dass die US-Seite ihre Positionen immer wieder verändere, sagte Baghaei demnach weiter.

Iran Teheran 2026 | Pressekonferenz von Außenamtssprecher Esmail Baghaei
Irans Außenamtssprecher Esmail Baghaei hat sich im TV vorsichtig optimistisch geäußert (Archivbild)Bild: Foad Ashtari/SOPA Images/Sipa USA/picture alliance

Trump hat schon mehrere Male behauptet, eine Einigung auf einen Deal mit dem Iran sei nahe - der US-Fernsehsender CNN zählte genau 39 Mal. Doch die Verhandlungen gerieten später immer wieder ins Stocken.

Diesmal entgegnete Trump auf Nachfrage von Reportern, nach seinem Verständnis habe das iranische Staatsoberhaupt Modschtaba Chamenei einem Rahmenabkommen bereits zugestimmt. Es beinhalte unter anderem eine sofortige Öffnung der Straße von Hormus sowie das Ende der US-Seeblockade iranischer Häfen. Die US-Seeblockade gegen iranische Schiffe und Häfen werde bis zum endgültigen Abschluss einer Vereinbarung vollständig bestehen bleiben, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Die USA hatten damit auf die faktische Blockade der Straße von Hormus durch den Iran reagiert. 

Iran Teheran 2024 | Irans neuer Oberster Führer Modschtaba Chamenei bei einem Treffen
Hat Irans neuer Oberster Führer Modschtaba Chamenei dem Abkommen zugestimmt? (Archivbild)Bild: Hamed Jafarnejad/ISNA/WANA/REUTERS

Neue Angriffe kurzfristig abgesagt

Nur Stunden zuvor hatte der US-Präsident seine eigentlich für Donnerstagabend angekündigten neuen Angriffe auf den Iran abgesagt. Auf Truth Social hatte er gedroht, das US-Militär werde das Land "sehr hart" treffen und in nicht allzu ferner Zukunft die für Irans Ölindustrie wichtige Insel Charg einnehmen. Die USA würden die "vollständige Kontrolle" über Irans Öl- und Gasmärkte erlangen, kündigte er an. Nach Einschätzung von Militärexperten würde eine Einnahme von Charg Bodentruppen erfordern. Einen solchen riskanten Einsatz hatte Trump bisher nicht befohlen.

Charg liegt im Persischen Golf und ist von strategisch großer Bedeutung. Auf der Insel befindet sich Irans wichtigster Ölhafen, über den fast der gesamte Ölexport der Islamischen Republik umgeschlagen wird.

Bereits Mitte März hatte Trump erklärt, die US-Luftwaffe habe militärische Ziele auf der Insel angegriffen und "vollständig ausradiert". Der Iran dementierte kühl. Nach Angaben der örtlichen Behörden lief der Exportbetrieb uneingeschränkt weiter.

Ägypten richtet Apell an Kriegsparteien

Dass er die Angriffe wieder abblies, begründete Trump auf Truth Social mit Gesprächen, die die höchste Ebene der iranischen Führung erreicht hätten. Einzelheiten seien von allen beteiligten Parteien gebilligt worden, also von den Vereinigten Staaten, Israel, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, der Türkei, Pakistan, Bahrain, Kuwait, Jordanien, Ägypten und anderen Staaten. Details nannte Trump nicht. 

Ägypten hat unterdessen an die USA und den Iran appelliert, mögliche Chancen zur Beendigung ihres Krieges nicht verstreichen zu lassen. Das Außenministerium in Kairo erklärte, es hoffe, "dass die bestehende Gelegenheit genutzt wird, um eine Einigung über die verschiedenen offenen Fragen zu erreichen und das Klima für ein Ende des Krieges sowie den Beginn einer neuen Phase regionaler Stabilität vorzubereiten".

Israels Regierung: Haben Trumps Zusicherung

Die israelische Regierung hat nach eigenen Angaben von Washington die Zusicherung bekommen, dass die Sicherheitsinteressen des jüdischen Staates bei einem späteren endgültigen Abkommen mit der Islamischen Republik berücksichtigt werden. Das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu teilte mit, Trump habe versprochen, dass ein Deal die Entfernung des vom Iran angereicherten Urans sowie den Abbau seiner Anlagen zur Urananreicherung umfassen werde.

Trump habe Netanjahu auch zugesichert, dass eine endgültige Vereinbarung auch Irans Raketenherstellung einschränken sowie die Unterstützung des Erzfeinds für dessen Stellvertreter in der Region beenden werde. Gemeint sind damit unter anderem die palästinensische Terrororganisation Hamas sowie die libanesische Hisbollah-Miliz. Den israelischen Angaben zufolge sprachen Trump und Netanjahu über eine "sich abzeichnende Absichtserklärung" zwischen den USA und dem Iran zur Aufnahme von Verhandlungen. Israel sei daran nicht beteiligt.

Iran Buschehr 2010 | Iranische Flagge vor dem Reaktorgebäude des Kernkraftwerks
Ist der Iran tatsächlich bereit, auf die Anreicherung von Uran zu verzichten? Hier das Reaktorgebäude in Buschehr (Archivbild)Bild: Vahid Salemi/AP Photo/dpa/picture alliance

Zähes Ringen um Einigung

Seit Wochen bereits verhandeln Vertreter aus Washington und Teheran über ein dauerhaftes Ende des Krieges, den die USA und Israel Ende Februar mit ihren Angriffen auf den Iran begonnen hatten. Seit gut zwei Monaten gilt eigentlich eine Waffenruhe, doch kam es seit Inkrafttreten der Feuerpause mehrfach zu gegenseitigem Beschuss, zuletzt erst in der Nacht zum Donnerstag.

Zuletzt lagen die Positionen vor einem möglichen Rahmenabkommen deutlich auseinander. Allgemein wird erwartet, dass ein Rahmenabkommen den Grundstein für vertiefte Verhandlungen über die großen Streitpunkte legen dürfte. Zentraler Konfliktpunkt ist dabei Irans Atomprogramm und der Umgang mit dem hochangereicherten Uran des Landes, das nach Befürchtungen der israelischen Regierung für den Bau einer Atombombe genutzt werden könnte. Medienberichten zufolge könnte über diese Frage im Rahmen eines 60-Tage-Zeitraums vertieft verhandelt werden.

Oman Chasab 2026 | Schiffe vor der Straße von Hormus
Streitpunkt bleibt die Straße von Hormus: Wird sie wieder passierbar sein?Bild: AFP

Streit gibt es auch um die für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtige Straße von Hormus sowie um den Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon. Zudem fordert der Iran die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen und die Freigabe eingefrorener Vermögen im Ausland. 

Reist JD Vance für Deal nach Europa?

Laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars war ein Rahmenabkommen bereits vor etwa zwei Wochen weitgehend fertiggestellt. Militärische Spannungen, darunter Israels Angriffe auf die libanesische Hauptstadt Beirut, hätten jedoch dazu geführt, dass die Verhandlungen zunächst auf Eis gelegt wurden, berichtete die Agentur. Nach erfolgreicher Vermittlung durch das Golfemirat Katar seien dann am Mittwoch wieder Fortschritte erzielt worden. 

USA Washington D.C. 2026 | Vizepräsident JD Vance spricht bei Pressekonferenz im Weißen Haus
Möglicherweise soll US-Vizepräsident JD Vance zur Unterzeichnung des Abkommens nach Europa reisen (Archivbild)Bild: Kevin Lamarque/REUTERS

Derweil sagte Trump im Weißen Haus, für eine mögliche Unterzeichnung eines Deals am Wochenende könnte US-Vizepräsident JD Vance nach Europa reisen. Einen genauen Ort oder ein Land nannte der Republikaner nicht. Er selbst werde nicht dabei sein können, sagte Trump. Er feiert an diesem Sonntag in Washington D.C. seinen 80. Geburtstag und will danach zum G7-Gipfel der Gruppe führender demokratischer Wirtschaftsmächte nach Frankreich fliegen.

as/AR (dpa, rtr, afp, ap)