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In Deutschland mehr Waldschutz, in den USA mehr Ölbohrungen

5. Juli 2026

Der deutsche Hambacher Wald wird vor Kohleabbau geschützt. Gleichzeitig zerstören die USA unter Donald Trump immer mehr Naturschutzgebiete für Öl, Gas und private Interessen.

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Luftaufnahme des Hambacher Forsts mit Tagebau im Hintergrund
Nach jahrzehntelangen Protesten von Umwelt- und Klimaschützern vor der drohenden Abholzung wird der Hambacher Wald unter Naturschutz gestelltBild: Dreamstime/IMAGO

Der 12.000 Jahre alte Hambacher Wald hat viel erlebt, doch zum Schauplatz für den Kampf zwischen Natur- und Klimaschutz und Kohlebergbau wurde er erst in den letzten Jahrzehnten.

Anwohner und Umweltschützer kämpfen seit 50 Jahren dafür, dass das Waldgebiet zwischen den Städten Aachen und Köln im Westen Deutschlands nicht dem Braunkohletagebau zum Opfer fällt.

Zeitweise besetzten Demonstranten das Gebiet, um den Wald vor den Kettensägen zu schützen.

Inzwischen sind nur noch etwa 14 Prozent des ursprünglichen Walds intakt. Direkt daneben liegt die gigantische Hambacher Tagebaugrube, die über 400 Meter tief ist und etwa 85 Quadratkilometer umfasst, eine Fläche von mehr als 12.000 Fußballfeldern.

Im Juni gab die Kommunalverwaltung bekannt, dass das verbleibende Waldgebiet dauerhaft geschützt wird, damit sich Tiere und Pflanzen sich wieder ungestört entwickeln können.

"Die Klimabewegung hat den Kampf gewonnen", erklärt Dirk Jansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dem deutschen Zweig der Umweltorganisation Friends of the Earth.

Ein Baumhaus mit mehreren Etagen aus Holplanken und Planen steht zwischen hohen belaubten Bäumen im Hambacher Wald.
In Baumhäusern wie diesem campierten Umweltschützer immer wieder, um für den Erhalt des Hambacher Waldes zu demonstrierenBild: David Young/dpa/picture alliance

Er hat sich jahrzehntelang für den Hambacher Wald eingesetzt. Ähnliche Konflikte zwischen Regierungen, privaten Bauträgern und Bürgern spielen sich weltweit ab – auch in den USA.

Dort werden derzeit öffentliche Flächen in beispiellosem Ausmaß für die Öl- und Gasförderung geöffnet.

"Wir scheinen uns mit großen Schritten in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen", so Lincoln Larson gegenüber der DW. Der Biologe forscht an der North Carolina State University in den USA zum Verhältnis zwischen Menschen, Natur und Ressourcenmanagement.  

Wie Hambach zum Schauplatz des Konflikts wurde  

Der Streit um den Hambacher Wald begann Mitte der 1970er Jahre, als der deutsche Energiekonzern RWE das Genehmigungsverfahren für den Braunkohletagebau in der Nähe des Waldes einleitete.

Um Platz für den Braunkohletagebau zu schaffen, sollten mehr als 5200 Menschen aus den umliegenden Dörfern umgesiedelt werden. Das führte schon früh zu lokalem Widerstand wegen Landrechten.

In den folgenden Jahren setzten sich Umweltschützer für den Hambacher Wald und die Anwohner ein.

Ab 2012 errichteten Demonstranten wiederholt Baumhäuser und Camps im Wald, um die Abholzung des "Hambi" zu verhindern. Sie wurden von den Behörden immer wieder vertrieben. 

Der Konflikt erreichte im Oktober 2018 einen Wendepunkt, als mehr als 50.000 Demonstranten in den Wald strömten.

Im selben Monat erwirkte die Umweltschutzorganisation BUND eine gerichtliche Verfügung, mit der die Rodung gestoppt wurde.

Im folgenden Jahr empfahl die deutsche Kohlekommission, die sich aus Energieunternehmen, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und Bürgern zusammensetzt, den Schutz des Hambacher Waldes und den Beginn des Kohleausstiegs in Deutschland bis zum Jahr 2038.  

Die Braunkohleförderung aus dem Hambacher Tagebau soll bis 2029 eingestellt werden. Und erst kürzlich haben die Regierung und RWE ihre Vereinbarung zum Schutz der verbleibenden Waldflächen beschlossen.

Öffentliche Flächen in den USA sind bedroht 

In den USA sind solche Auseinandersetzungen um öffentliches Land an der Tagesordnung, vom Kupfer-Nickel-Bergbau in den Boundary Waters in Minnesota bis hin zu Öl- und Gasbohrungen in New Mexico in der Nähe der heiligen Stätten der Pueblo- und Navajo-Indianer.

Land in öffentlichem Besitz macht etwa 30 Prozent der US-Fläche aus, rund 260 Millionen Hektar.

Berge hinter hohen Bäumen vor einem klaren See im Yosemite National Park
Der Yosemite-Nationalpark in den USA steht seit über 160 Jahren unter Schutz und ist bei Besuchern extrem beliebtBild: robertharding/picture alliance

Sie reichen von den beliebtesten Nationalparks der USA - wie Yosemite und Yellowstone - bis hin zu weniger bekannten Wäldern und Naturschutzgebieten.

Sie fielen durch den "Antiquities Act" von 1906 unter die Kontrolle der Bundesregierung. Damit kann der US-Präsident Gebiete unter Schutz stellen.

Doch US-Präsident Donald Trump versucht, dieses Erbe rückgängig zu machen, indem er den Bestand an staatlichen Flächen verkleinert. Eine wachsende Zahl bisher geschützer Gebiete wird damit für Bohrungen, Bergbau und private Erschließung geöffnet.

"Seit 100 Jahren haben die Präsidenten diese Befugnis ausschließlich dazu genutzt, geschützte Gebiete um neue Flächen zu erweitern," sagt Larson. "Trump ist der Erste, der aktiv versucht hat, das Gegenteil zu tun. So etwas hat es bisher noch nie gegeben."  

Im Juni gab Trump 1,3 Millionen Quadratkilometer (500.000 Quadratmeilen) geschützter Gewässer im Pazifik für die kommerzielle Fischerei frei.  

Die sogenannte "One Big Beautiful Bill", also die große Steuerrechtsreform des US-Präsidenten von 2025, sieht unter anderem vor, dass das Innenministerium zügig neue Pachtverträge für öffentliche Grundstücke zur Öl- und Gasförderung vergeben soll.

USA: Nationalparks unter Druck

Zudem hat Trump eine Ausweitung der Holzproduktion gefordert. So will der US-Forest Service, eine Bundesbehörde, die riesige Waldgebiete verwaltet, in den nächsten vier bis fünf Jahren den Holzverkauf um 25 Prozent steigern.

Nicht nur die Natur verliert wenn öffentliches Land nicht mehr geschützt wird 

Der Verkauf von staatlichem Land für die Ausbeutung von Bodenschätzen und andere kommerzielle Zwecke hat Auswirkungen, die weit über ein einzelnes Ökosystem hinausreichen.

Die deutlichsten Auswirkungen betreffen das Klima. In Deutschland hatte RWE den Hambacher Wald immer weiter gerodet, um Braunkohle abzubauen, also die Kohle, die am meisten klimaschädliche Emissionen erzeugt.

Die Förderung fossiler Brennstoffe verursacht nicht nur einen Anstieg der globalen Temperaturen, was weltweit zu immer heftigeren Stürmen, Dürren, Überschwemmungen und extremen Wetterereignissen führt.

Staatliche Flächen sind zudem von entscheidender Bedeutung für die Wasserversorgung. In den USA liegen viele staatliche Flächen in höheren Lagen. Sie dienen als Wassereinzugsgebiete, auf die die flussabwärts gelegenen Gemeinden für ihr Trinkwasser angewiesen sind. 

Menschen stehen an einem Aussichtspunkt und schauen auf eine Berglandschaft
Die mehr als 60 US-Nationalparks sind einzigartige Gebiete für den Schutz von einzigartigen Naturlandschaften, die auch durch steigende Temperaturen und Waldbrände gefährdet sindBild: Courtesy of U.S. National Park Service/REUTERS

Die staatlich verwalteten Wälder im Westen der USA machen etwa 20 Prozent der gesamten Landfläche aus, trugen jedoch laut einer Studie des US Forest Service aus dem Jahr 2022 zu 46 Prozent zur Versorgung mit Oberflächenwasser bei.

Dazu kommt der mögliche Verlust von Artenvielfalt, wenn privatisiertes Land intensiv genutzt wird. Wälder, Feuchtgebiete und Meeresschutzgebiete sind empfindliche Ökosysteme. Das Fällen von Bäumen oder Überfischung können das gesamte System aus dem Gleichgewicht bringen.

Der Verlust der biologischen Vielfalt kann die Nahrungsketten stören, von denen auch Milliarden von Menschen abhängig sind. Und sie kann zu einer Ressourcenknappheit führen, die politische Instabilität zur Folge haben kann.

Das Vereinigte Königreich hat in diesem Jahr anerkannt, dass der weltweite Verlust der Artenvielfalt erhebliche Auswirkungen auf die nationale Sicherheit hat.  

Warum Gemeinden dafür kämpfen, dass öffentliche Flächen öffentlich bleiben 

Zudem berichten Menschen oft, dass sie eine innere Verbundenheit mit der Natur um sich herum spüren.

Das gilt insbesondere für indigene Gemeinschaften, die oft an vorderster Front für den Schutz der Natur vor Öl- und Gasförderung kämpfen.

Einer der größten Konflikte um staatliche Grundstücke in den USA fand in Alaska statt, dem Bundesstaat mit dem höchsten Anteil an indigenen Völkern.

Die dortigen Gemeinden lehnen Ölbohrungen größtenteils ab, denn viele von ihnen sind nach wie vor auf traditionelle Jagd und Fischfang als Lebensgrundlage angewiesen.

Dieses persönliche Interesse geht über Parteigrenzen hinweg. US-Umfragen zeigen, dass rund drei Viertel der Befragten gegen die Schließung staatlicher Naturgebiete und deren Verkauf an den Meistbietenden sind.

Die Nationalparks des Landes, die oft als "Amerikas beste Idee" bezeichnet werden, verzeichneten im Jahr 2024 einen Besucherrekord von 331,9 Millionen Besuchern. 

"Die Verbundenheit mit diesen einzigartigen Orten ist es, die die Menschen dazu inspiriert, für deren Schutz zu kämpfen", sagt Larson.

Auch wirtschaftlich steht viel auf dem Spiel. Outdoor-Tourismus und Freizeitaktivitäten im Freien sichern in den USA einen Umsatz von 1,2 Billionen Dollar und fünf Millionen Arbeitsplätze. 

In vielen Gemeinden ziehen öffentliche Wälder und Parks Touristen an, sichern den Fortbestand kleiner Unternehmen und halten die lokale Wirtschaft in Schwung.

Zukunft für den Hambacher Wald 

In Hambach wird der verbliebene Wald ab 2035 zu einem öffentlich verwalteten Wildnisgebiet.

Um die lokale Artenviefalt und Ökosysteme besser zu schützen, entstehen außerdem zwei neue Waldkorridore als Verbindung mit benachbarten Waldgebieten.

Außerdem wird ein Rad- und Fußweg angelegt, damit die Anwohner den Wald sicher besuchen können. In der Tagebaugrube soll nach der Stilllegung ein See entstehen. 

"Es wird kein einziger Baum gefällt, keine einzige Straße wird durch das Gebiet gebaut. Und die verbleibenden Wälder werden ebenfalls zu Naturschutzgebieten erklärt", sagt Jansen vom BUND. Und fügt hinzu, dass die gesamte Region nun eine ökologische Zukunft habe.

"Es ist Zeit für Frieden und Zeit, dass der Wald wieder ein Wald ist und nichts weiter."  

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch und wurde von Anke Rasper adaptiert.