Trumps WM 2026 wird kein Turnier für Fußball-Fans
31. März 2026
Der Zug nach Stuttgart ist gut gefüllt. Immer wieder steigen Menschen im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ein. Es wird diskutiert - über das DFB-Team und die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko.
Am Montagabend findet das zweite Testspiel der Nationalmannschaft in diesem Jahr statt und viele Fans haben sich bereits morgens auf dem Weg zum Spielort gemacht.
Auch Dennis und Kai haben sich schick gemacht, ihre Nationaltrikots angezogen und sind früh in den Zug gestiegen. Die beiden Freunde kommen aus dem Norden Deutschlands und wollen das DFB-Team vor Ort in Stuttgart unterstützen.
Vor allem für Dennis sind solche Reisen Routine, er begleitet die Nationalmannschaft bereits seit 2015 - so gut wie kein Spiel hat der 40-Jährige seitdem verpasst. Kai ist seit der Heim-EM 2024 regelmäßig mit dabei.
"Den Adler auf der Brust zu tragen und die Nationalhymne zu singen ist etwas Besonderes", sagt Dennis der DW. "Man trifft sich immer mit anderen Fans, fährt zu Turnieren - das ist immer Gänsehautfeeling." Die beiden sind so genannte "Alles-Fahrer", begleiten das Team bei jedem Spiel - egal wohin auf der Welt.
Das Kribbeln vor dem Turnier
Kein Wunder also, dass auch die bevorstehende WM fest im Kalender eingetragen ist. "Ich freue mich sehr darauf", sagt Kai mit leuchtenden Augen im Gespräch mit der DW. "Ich möchte alles aufsaugen, was in den Städten los ist. Dennis hat immer so viel davon erzählt."
Die Vorfreude starte bereits lange vor dem Turnier, ergänzt Kumpel Dennis: "Das Kribbeln fängt schon zwei Jahre vorher an, man fängt an zu sparen und überlegt, wie die Reise aussehen könnte.
Beide haben bereits Tickets für die Gruppenspiele der DFB-Elf gekauft, die Reiseroute ist durchgeplant. Die Vorfreude ist groß - und wird auch nicht durch die aktuelle politische Lage in den USA getrübt.
"Eigentlich sollte sich die Politik aus dem Sport raushalten. Der Sport soll Brücken bauen und Menschen zusammenbringen, aber oft nutzt die Politik so ein Turnier auch ganz gerne aus", weiß Dennis. Sorgen mache er sich aber nicht, betont er.
Joachim Löw warnt vor Reise in die USA
Das sehen nicht alle so entspannt wie die beiden Fans. Zuletzt warnte sogar der ehemalige Bundestrainer Joachim Löw vor einer Reise nach Nordamerika.
"Wir hatten schon vor der WM 2018 in Russland Debatten, Boykott‑Aufrufe vor der WM 2022 in Katar. Aber in einem Land zu spielen, das sich gerade aktiv im Krieg befindet, ist noch einmal gefährlicher", warnte Löw auf einer Veranstaltung in Köln.
Der 66-Jährige sprach damit die Politik von US-Präsident Donald Trump an, der vor wenigen Wochen den Iran angegriffen hat, dazu kommen Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE und weitere geopolitische Konflikte, die für Unruhe und Unsicherheit sorgen. Die politische Lage überlagere "das Turnier komplett", so Löw.
Boris Mijatovic: "Übergriffe in die persönliche Freiheit"
Auch aus der Politik kam und kommt deutliche Kritik. "Das was die FIFA zusammen mit Donald Trump dort veranstaltet ist nichts, was mein Herz höherschlagen lässt", sagt Politiker und Menschenrechtler Boris Mijatovic im Interview mit der Deutschen Welle (DW).
"Die Offenlegung von persönlichen Daten, wie E-Mail-Adresse, das Handy, den Computer oder die Social-Media-Accounts sollten nicht ignoriert werden. Das sind alles Übergriffe in die persönliche Freiheit, die ich nicht mitgehen würde", so der Politiker, der für die Partei Bündnis 90/Die Grünen im deutschen Bundestag sitzt. "Ein Staat, der derart in deiner Privatsphäre schnüffelt, sollte nicht mit einem Besuch belohnt werden."
Zudem befürchtet Mijatovic weitere "bizarre Fremdschäm-Momente" wie die Überreichung des FIFA-Friedenspreises durch FIFA-Präsident Gianni Infantino an Trump währen der WM-Auslosung. "Ich finde es sehr grotesk, in welcher Weise man diesem Präsidenten huldigen muss, um in seine Gunst zu kommen. Das gilt für Gianni Infantino genauso wie für Bundeskanzler Friedrich Merz", sagt der Politiker und schließt auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf in seine Kritik mit ein.
Mijatovic vermisst mehr Mut, Kritik gegenüber der FIFA zu äußern. "Mir fehlt die Haltung", sagt er. "Das, was wir mal auf die Beine gestellt haben, mit Respekt und Fairplay, gerät aktuell derart unter die Räder."
Zuletzt hatte auch ein Report der Menschenrechtsorganistion Amnesty International auf Missstände in den WM-Gastgeberländern, insbesondere in den USA, hingewiesen.
DFB-Vorsänger Bengt Kunkel: "Sehe die WM kritisch"
Auch für DFB-Fan und Stimmungsmacher Bengt Kunkel wird die Weltmeisterschaft in diesem Jahr nicht im Stadion, sondern vor dem Fernseher in Deutschland stattfinden. Der Vorsänger, der seit einigen Jahren für gute Stimmung bei Spielen der Nationalmannschaft sorgt, wird nicht in die USA reisen.
"Ich sehe die WM total kritisch", sagt er. Trump sei dabei ein riesiges Problem, denn dieser versuche sich die WM zu eigen zu machen und für seine Politik zu missbrauchen. "Hinzu kommt die Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit plus die politische Anbiederung der FIFA mit der Vergabe des Friedenspreises für Donald Trump", so Kunkel.
Zusätzlich kritisiert der Fußball-Fan die hohen Kosten, die auf die Fans zukommen, wenn sie an der WM teilnehmen wollen. "Wir hatten es für uns mal durchgerechnet, dass alleine für die Gruppenphase wahrscheinlich 5000 bis 8000 Euro hätten bezahlt werden müssten", erklärt Kunkel. "Das ist doch kein fan-freundliches Turnier. Nichts an dieser WM ist attraktiv für mich, deswegen war klar, dass ich nicht hinfahre."
Auch die verschärften Einreisebedingungen für Fans bereiten dem 27-Jährigen Sorgen. "Wenn es darum geht zu sagen: 'Wir überprüfen alle Social-Media-Aktivitäten der Menschen, die in die USA einreisen wollen und kontrollieren, ob jemand einen Post, der gegen Donald Trump ist, geliked oder gepostet', dann hat das nichts mehr damit zu tun, dass man sich die Welt nach Hause einlädt und ein Fußball-Fest feiern will."
Als Team gemeinsam zum WM-Titel?
Das Thema WM spalte aktuell die Fans, weiß Kunkel. "Ich verstehe aber jeden, der dort hinfährt." Von einem Boykott - wie zu Beginn des Jahres von einigen Politikern und Fans gefordert - will der DFB-Vorsänger jedenfalls nichts wissen.
"Es muss trotz allem OK sein, die Nationalmannschaft zu supporten. Dann machen wir eben das Beste draus und haben einen geilen WM-Sommer", so Kunkel.
Auch für die beiden Fußball-Kumpel Dennis und Kai ist es "alles zusammengenommen keine fan-freundliche WM", geben sie zu. Dennoch vertrauen sie darauf, dass die USA die Sicherheit für alle gewährleisten und dass es ein tolles Fußball-Fest wird.
"Wir wollen Weltmeister werden, der fünfte Stern ist fällig", sagt Dennis. "Wir müssen ein Team sein und als Team auftreten und wenn wir Fans dann auch hinter der Mannschaft stehen, dann kann unser Weg sehr weit gehen."
Es werde das Team Weltmeister, welches am besten funktioniert - und da gehören die Fans auch dazu, egal ob in Deutschland oder vor Ort in den USA.