"Kriegsähnlich" - Sorge um Fußball-WM wegen Gewalt in Mexiko
25. Februar 2026
"Es bleibt zu hoffen, dass sich diese kriegsähnliche Situation schnell entspannt und es nicht zu einer weiteren Eskalation kommt", sagte Andreas Rettig, der Geschäftsführer des Deutschen Fußballbundes (DFB), angesichts der Gewalt auf Mexikos Straßen nach der Tötung des Drogenbosses Nemesio "El Mencho" Oseguera Cervantes durch die Armee.
Rund 100 Tage vor dem Beginn der Fußball-WM (11. Juni bis 19. Juli) werden die Zweifel am Co-Gastgeber immer größer. Mittlerweile steht die Frage im Raum, ob in Mexiko tatsächlich WM-Spiele abgehalten werden können. Der Druck auf den Fußball-Weltverband FIFA steigt.
"Meine Gedanken sind bei allen Mexikanerinnen und Mexikanern, die unter den Unruhen leiden", so Rettig im Interview mit der Tageszeitung "Augsburger Allgemeine" weiter. Mindestens 73 Tote gab es bisher, 10.000 Soldaten wurden entsandt, es herrsche eine "kriegsähnliche Situation". Auf die Frage, ob er Vorfreude auf die Endrunde verspüre, antwortete Rettig: "Wenn ich ehrlich bin, aktuell nicht."
Gegend um Spielort Guadalajara betroffen
Besonders betroffen ist der Bundesstaat Jalisco, in dessen Hauptstadt Guadalajara vier WM-Spiele stattfinden sollen. Schon in einem Monat stehen dort Partien der ausstehenden Play-offs auf dem Programm.
Insgesamt sollen 13 WM-Begegnungen in Mexiko ausgetragen werden, darunter das Eröffnungsspiel zwischen dem Co-Gastgeber und Südafrika im Azteken-Stadion von Mexiko-City. Der dritte Spielort ist Monterrey. Zudem wollen mehrere Mannschaften ihr WM-Quartier in Mexiko aufschlagen. Die deutsche Mannschaft wird weder in Mexiko wohnen noch in der Vorrunde Partien dort austragen.
Die FIFA hofft, dass sich Lage wieder beruhigt. "Bei der FIFA in Mexiko beobachten wir die Lage in Jalisco sehr genau und stehen in ständigem Austausch mit den Behörden", teilte der Weltverband mit. "Wir werden den Maßnahmen und Anweisungen der verschiedenen Regierungsstellen weiterhin folgen, die darauf abzielen, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten und die Normalität wiederherzustellen - und wir bekräftigen unsere enge Zusammenarbeit mit den Behörden auf Bundes-, Landes- und lokaler Ebene."
Bundesregierung sieht FIFA in Verantwortung
Die deutsche Bundesregierung will den Veranstalter beim Wort nehmen. "Die FIFA muss in Zusammenarbeit mit den Regierungen Kanadas, der USA und Mexikos sicherstellen, dass Fans nicht gefährdet und die Sicherheitsvorgaben durch die Gastgeberländer eingehalten werden", sagte der CDU-Politiker Christoph Ploß, der die Funktion des Tourismuskoordinators der Bundesregierung bekleidet, der Zeitung "Handelsblatt".
Mexikos Präsidentin betonte, dass die Regierung die Lage unter Kontrolle habe. "Alle Behörden der Republik haben sich koordiniert, alle Kräfte der Bundesregierung, Sicherheitskräfte und Staatsanwaltschaft stehen für jede Situation bereit", so Claudia Sheinbaum: "Das Wichtigste ist, dass wir wieder Frieden und Ruhe herstellen." Sie versicherte, dass für die Fans "keinerlei Risiko" bestehe und "alle Sicherheitsvorkehrungen" getroffen würden.
Experten bezweifeln das allerdings. Schließlich haben auch früher Schläge der Behörden gegen den organisierten Drogenhandel oft zu langen, blutigen Machtkämpfen bei den Kartellen geführt. Alleine in Jalisco werden laut offiziellen Zahlen knapp 13.000 Menschen vermisst.