Fußball-WM 2026 und Ethik: USA-Iran-Konflikt als Wendepunkt?
20. März 2026
Im Sommer findet in den USA, Kanada und Mexiko die Fußball-WM statt. Mit der Mannschaft des Iran ist auch ein Team für das Turnier qualifiziert, gegen dessen Heimatland Co-Gastgeber USA gerade einen Krieg führt. Zwar sagte US‑Präsident Donald Trump zuletzt, das Team des Iran sei dennoch weiterhin willkommen, bei der WM mitzuspielen, meinte aber gleichzeitig, dass sie das vielleicht aus Sicherheitsgründen nicht tun sollten.
Der Iran antwortete, dass die USA aus dem Turnier ausgeschlossen werden sollten, wenn sie nicht für die Sicherheit aller Teilnehmer garantieren könne. FIFA‑Präsident Gianni Infantino, der stets versucht, Trump zu gefallen, hielt sich bedeckt und sagte, die Weltmeisterschaft könne Menschen zusammenbringen.
In den FIFA‑Regeln steht nicht, dass ein Gastgeberland keinen Krieg führen darf. Allerdings besagt Artikel 3, dass die FIFA internationale Menschenrechte schützen muss. Außerdem verlangt Artikel 4 der Statuten "Neutralität in politischen Fragen".
Trotzdem hat Infantino Trump den ersten und eigens für ihn gestifteten FIFA‑Friedenspreis verliehen, und er war auch bei der Gründung von Trumps Board of Peace mit dabei und kasperte dort mit einer roten Baseball-Kappe mit der Aufschrift "USA" herum.
"Beide Männer tun, was sie wollen, ohne ernsthafte Verpflichtung zu den demokratischen Prinzipien der Organisationen, die sie vertreten", sagt Alan Tomlinson, Professor an der University of Brighton, dazu im Interview mit der Deutschen Welle (DW).
Ist der Iran‑Krieg ein ethischer Wendepunkt?
Die Entscheidung der USA, zusammen mit Israel den Iran anzugreifen, ist nicht das erste Problem, das Fans verunsichert. Viele fragen sich nun, ob sie zur WM in die USA reisen sollten oder ob das Turnier überhaupt dort stattfinden sollte.
Schon in den vergangenen Monaten gab es viele Diskussionen: über die mit Gewalt verbundenen Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE, über Einreiseverbote, Visa‑Probleme und hohe Ticketpreise.
Ende Januar, als Trump immer wieder andeutete, dass er möglicherweise Grönland annektieren wolle, wurde sogar ein europäischer Boykott gefordert. Deshalb fragen sich viele: Wird nun der Iran‑Krieg der entscheidende Moment für die WM 2026?
"Ich glaube nicht, dass Iran der Wendepunkt sein wird, aber vielleicht sollte es so sein", sagt Jake Wojtowicz sagte der DW. Er ist Forscher zur Philosophie des Sports und Experte für die Ethik von Fans. Vieles hänge davon ab, wie Menschen Länder wahrnehmen, meint er.
"Im Westen hat Amerika einen enormen kulturellen Einfluss, während Katar, der Gastgeber der WM 2022, kulturell nicht wichtig ist. Wenn also ein Land wie Katar an der WM teilnimmt und man merkt, dass Dinge getan werden, die wir nicht gewohnt sind, ist Kritik leichter. Die Vereinigten Staaten tun auch schlechte Dinge, aber daran sind wir gewöhnt."
Der internationale Sport wird oft mit ethischen Problemen konfrontiert. Die Fußball-Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar haben das gezeigt. Aber der Krieg der USA gegen Iran schafft eine neue Art von Problem.
"Ein Gastgeberland im Krieg, geführt von einem politischen Führer, der stolz einen fragwürdigen Friedenspreis annimmt und nur wenige Monate vor einem fünfwöchigen globalen Sportereignis steht, überschreitet ohne Zweifel eine moralische Grenze, die nicht überschritten werden sollte", sagt Alan Tomlinson. "Aber moralische Grenzen sind keine wirtschaftlichen oder kommerziellen Überlegungen."
"Ich denke, das Problem beginnt, wenn man glaubt, dass der Krieg im Iran schlecht ist, aber dann zur WM fährt oder sie anschaut und denkt: Amerika ist eigentlich ziemlich gut", warnt auch Wojtowicz, der sich Sorgen macht, dass das Interesse am sportlichen Ausgang der WM bei vielen Fans politische Bedenken überlagert.
FIFA - viele Wahrheiten gleichzeitig
Die Deutsche Welle hat auch bei den Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch und Amnesty International angefragt, aber beide haben nicht geantwortet. Schon Ende 2025 hatten beide Organisationen öffentlich kritisiert, dass die FIFA zu wenig für Menschenrechte tut.
"Infantinos Handlungen sind in vielerlei Hinsicht politisch und ethisch ohne Beispiel", sagte Tomlinson. "Infantino hat nach der WM 2018 in Russland eine Auszeichnung von Wladimir Putin angenommen. Er hat Katar unterstützt und sogar dort gewohnt, während sich das Land auf die umstrittene WM 2022 vorbereitete. Und er hat die WM 2034 ohne große Debatte an Saudi‑Arabien vergeben. Vor der WM 2026 ist er nach Miami gezogen, fast direkt vor die Haustür seines Mentors Trump."
Findet die WM trotzdem statt?
Viele große Sportereignisse haben politische oder ethische Probleme. Trotzdem werden sie fast immer ausgetragen. Jake Wojtowicz wünscht sich, dass die Fans kritisch bleiben.
"Wenn jemand sagt: 'Trump hat doch eine großartige WM organisiert, oder?' sollte die richtige Antwort sein: 'Wovon redest du? Er hat nichts damit zu tun und nutzt das nur, um besser dazustehen'".
Man müsse darüber nachdenken und sicherstellen, "dass man es nicht vergisst, nur weil die WM stattfindet", sagt er. "Ich glaube, kleine Akte des ethischen Widerstands können helfen."
Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "World Cup 2026: Is the US-Iran war an ethical tipping point?" adaptiert.