1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
PolitikEuropa

Frankreich stoppt Öltanker - Russland spricht von Piraterie

1. Juni 2026

Die französische Marine hat im Atlantik abermals einen Tanker aufgebracht. Er wird der russischen "Schattenflotte" zugerechnet. Der Kreml ist empört.

https://p.dw.com/p/5EffO
Atlantik 2026 | Blick auf den öltanker "Tagor" von einem Hubschrauber aus (31.05.2026)
Ein französischer Armeehubschrauber überfliegt den Öltanker "Tagor" im Atlantik Bild: French Army/AP Photo/picture alliance

Der Öltanker ist mehr als 400 Seemeilen (etwa 740 Kilometer) westlich der französischen Küste entfernt gewesen, als er gestoppt wurde. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron teilte mit, die "Tagor" sei am Sonntag auf offener See mit Unterstützung mehrerer Partner, darunter Großbritannien, kontrolliert worden. Das Schiff sei mit internationalen Sanktionen belegt. Der Einsatz im Atlantik sei unter strikter Einhaltung des Seerechts auf Höhe der nördlichen Region Bretagne erfolgt.

Von einem Hubschrauber abgeseilt

Macron veröffentlichte im Onlinedienst X ein kurzes Video von dem Vorfall - unterlegt mit Musik wie aus einem Agententhriller oder Actionfilm. Zu sehen ist, wie sich ​Einsatzkräfte von einem Hubschrauber aus auf das Schiff abseilen. "Es ist inakzeptabel, dass Schiffe internationale Sanktionen umgehen, gegen Seerecht verstoßen und den seit mehr als vier ​Jahren andauernden Krieg Russlands gegen die Ukraine finanzieren", machte der französische Präsident in seinem Post deutlich.

Russland setzt angesichts westlicher ​Sanktionen beim Öltransport ‌auf veraltete Schiffe - die sogenannte Schattenflotte. Die Regierungen in Paris und London haben angekündigt, solche Schiffe aufzuhalten. Die "Tagor" ist der vierte sanktionierte Tanker, der von Frankreich abgefangen wurde.

"Tanker unter falscher Flagge unterwegs"

Die für den Atlantik zuständige Präfektur teilte mit, mit dem Einsatz sei die französische Marine dem Verdacht nachgegangen, dass der Tanker unter falscher Flagge unterwegs sei. Inspektoren hätten an Bord die Dokumente geprüft. Der Verdacht habe sich bestätigt.

Das Schiff war den Angaben zufolge im russischen Arktishafen Murmansk ausgelaufen. Zum Zeitpunkt seiner Kontrolle sei es nahezu unbeladen gewesen.

Kapitän soll Anweisung ignoriert haben

Der russische Kapitän des Schiffes habe zunächst die Aufforderung der Marine zum Stopp ignoriert, teilte die Staatsanwaltschaft der nordwestfranzösischen Hafenstadt Brest mit. Man ermittle wegen des fehlenden Nachweises der Nationalität des Schiffes und der Weigerung, einer Aufforderung Folge zu leisten.

2026 | Emmanuel Macron bei einer Pressekonferenz (13.05.2026)
Frankreichs Präsident Macron: Einsatz unter strikter Einhaltung des Seerechts Bild: Amanuel Sileshi/AP Photo/picture alliance

Die französische Marine eskortiert den Öltanker nun zu einem Liegeplatz vor der Nordwestküste des Landes.

Scharfe Kritik aus Russland

Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach von einer "illegalen Aktion, die an internationale Piraterie grenzt". Russland werde seinerseits Maßnahmen ergreifen, um seine Frachtschiffe zu schützen, so der Sprecher von Präsident Wladimir Putin vor Journalisten weiter. Details nannte er nicht.

Dmitri Peskow (12.12.2025)
Russlands Pressesprecher Dmitri Peskow (Archivbild) Bild: Alexander Kazakov/TASS/ZUMA/picture alliance

Im April hatte Russland ​eine Fregatte entsandt, um zwei sanktionierte Schiffe ‌durch den Ärmelkanal zwischen dem Norden Frankreichs und der Südspitze Englands zu eskortieren. Der Kreml erklärte seinerzeit dazu, Russland habe das Recht, sich zu verteidigen.

Wenige Tage später sah Estland davon ab, Tanker der sogenannten Schattenflotte aufzuhalten. ​Die dortige Regierung äußerte die Sorge, ein ⁠solches Vorgehen könne eine militärische Reaktion Moskaus provozieren.

Russland ist einer der größten Ölproduzenten weltweit. Die Europäische Union verhängte wegen des Angriffskriegs in der Ukraine bislang 19 Sanktionspakete gegen das Land. Ungeachtet dessen verkaufte Russland bislang weiterhin Millionen Barrel Öl ⁠an Länder wie Indien und China.

Russland verbietet erstmals Export von Flugbenzin

Doch die anhaltenden Angriffe der Ukraine auf russische Raffinerien und andere Infrastruktur sorgen nun auch dort für Engpässe. So verbot die Putin-Regierung jetzt erstmals die Ausfuhr von Kerosin. Die Maßnahme gilt bis Ende November. Ziel sei es, die Stabilität auf dem heimischen Kraftstoffmarkt zu gewährleisten, hieß es in Moskau.

Zuvor hatte der Kreml bereits den Verkauf von Benzin und Diesel ins Ausland eingeschränkt.

se/AR (afp, rtr, dpa)

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen