Facebook-Skandal: Datenklau kennt keine Landesgrenzen | Deutschland | DW | 06.04.2018
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Deutschland

Facebook-Skandal: Datenklau kennt keine Landesgrenzen

Nicht nur amerikanische User sind betroffen: Auch Daten von 310.000 deutschen Facebook-Nutzern wurden gestohlen. Politiker fordern strengere Regeln. Dabei gingen die Deutschen mehr zufällig ins Netz, sagen Experten.

Der Facebook Datenskandal zieht weiter seine Kreise. Nachdem es zuerst hieß, dass die Daten von 50 Millionen Nutzern des sozialen Netzwerks weitergegeben und von der Analysefirma Cambridge Analytica missbraucht wurden, sollen jetzt 87 Millionen Mitglieder betroffen sein. Die Daten vieler dieser Nutzer wurden im US-Wahlkampf genutzt, aber auch deutsche User sind betroffen – rund 310.000 von ihnen.

"Es gibt bei Facebook keine Grenzen", sagt der Kölner Social Media Experte Hendrik Unger im DW-Gespräch. "Das ist ein globales Netzwerk."

Die hunderttausenden deutschen User haben nicht alle die Umfrage ausgefüllt, über die Cambridge Analytica an persönliche Daten von Facebook Mitgliedern gekommen ist. Das haben tatsächlich nur 65 deutsche Nutzer getan. Aber der Datenklau funktionierte wie ein Schneeballsystem. Gestohlen wurden nicht nur die Daten der Mitglieder, die auf die Umfrage klickten, sondern auch die ihrer Freunde. Unter anderem sollen die Benutzerdaten an das Wahlkampfteam von Donald Trump weitergegeben worden sein.

Barley fordert europaweite Regeln für Facebook

Berlin Bundesjustizministerin Katarina Barley nach Treffen mit Facebook-Delegation (picture-alliance/dpa/K. Nietfeld)

Barley will Unternehmen wie Facebook bestrafen, wenn sie sich nicht an Datenschutzrichtlinien halten

Facebook wusste über Datenmissbrauch von Cambridge Analytica in Grundzügen bereits seit 2015 Bescheid. Trotzdem kommen die Informationen erst jetzt scheibchenweise ans Licht. 

"Facebook ist ein Netzwerk der Intransparenz", sagte Bundesjustizministerin Katarina Barley am Donnerstag in Berlin. "Ethische Überzeugungen fallen kommerziellen Interessen zum Opfer."

Barley fordert für das soziale Netzwerk Konsequenzen auf internationaler Ebene. "Wir werden überprüfen, ob die Möglichkeiten der neuen europäischen Datenschutzverordnung ausreichen", sagte sie. "Wir müssen klare Anforderungen an die Betreiber sozialer Netzwerke auf europäischer Ebene gesetzlich festschreiben." Außerdem solle Facebook gegenüber Behörden in der EU die Funktionsweise seiner Algorithmen offen legen.

Auch das Bundeskartellamt kritisierte das soziale Netzwerk scharf. Facebook habe seine Marktmacht durch die Art und Weise missbraucht, wie Daten aus Drittquellen gesammelt und verwertet werden, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt der "Rheinischen Post". Bleibe das Kartellamt bei diesem Befund, werde Facebook seine Praxis anpassen müssen.

Betroffene deutsche User ein "Streuverlust"

In Deutschland sind mit 309.815 Usern in etwa so viele Menschen betroffen, wie in Karlsruhe leben. Das klingt viel, aber im Vergleich zu den 70,6 Millionen betroffenen Mitgliedern in den USA ist es eine "verschwindend geringe Zahl", so der Social Media Experte Unger.

"Ich gehe davon aus, dass die 310.000 deutschen Nutzer eher ein Streuverlust sind", sagt der Inhaber einer Werbeagentur. "Es sollten ja wahlberechtigte Amerikaner angesprochen werden."

Journalist Martin Giesler sagt, dass es trotz des Schneeballeffekts nicht allein durch die 65 Deutschen, die die Facebook-Umfrage ausfüllten, zu 310.000 Betroffenen in Deutschland kam. "Man muss noch all jene dazurechnen, die befreundet sind mit zum Beispiel amerikanischen Facebook-Usern, die diese App genutzt haben und deren Profile dann darüber mit abgesaugt wurden", erklärt Giesler, der hauptsächlich über Social Media Themen berichtet, der DW. "Dann kommt man auf diese Hausnummer von 310.000 Accounts."

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Facebook: Datenskandal weitet sich aus

Die Daten einer Bremerin könnten beispielsweise abgezweigt worden sein, wenn ein Freund in New York die präparierte Umfrage ausfüllte und so unwissentlich die Daten all seiner Kontakte weitergab.

"Man geht bei Facebook-Nutzern von einem Mittelwert von rund 300 Freunden aus", sagt Giesler. "Das potenziert sich dann entsprechend."

Facebook-Nutzung hat ihren Preis

In einer Telefonkonferenz mit Journalisten am Mittwoch zeigte sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg selbstkritisch: Facebook habe nicht genug unternommen, um seine Nutzer zu schützen. "Das war unser Fehler. Das war mein Fehler", sagte Zuckerberg. Bis zum heutigen Tage "wissen wir nicht, welche Daten Cambridge Analytica hat", gestand die für das operative Geschäft zuständige Facebook-Managerin Sheryl Sandberg gegenüber der Financial Times ein.

Das soziale Netzwerk hat die Suche nach Mitgliedern über Email Adressen oder Telefonnummern abgeschafft und den Zugang zu Nutzerdaten für App-Entwickler eingeschränkt. Zuckerberg wird am 11. April vor dem US-Kongress aussagen und betonte in der Telefonkonferenz, er fände die neue europäische Datenschutzverordnung, die am 25. Mai in Kraft tritt, gut: "Die Regulierungen sind etwas sehr Positives."

Trotz dieser Aussagen glaubt Hendrik Unger nicht, dass sich in Zukunft viel an Facebooks Umgang mit Nutzerdaten ändern wird.

"Zuckerberg musste sich entschuldigen, für seine Börsenaktionäre", sagt Unger. "Aber Facebook ist ein kostenloses Netzwerk. Man bezahlt statt mit Geld mit seinen Daten und damit, dass man von Werbenden angesprochen werden kann."

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