Facebook sucht die verlorenen Daten | Aktuell Welt | DW | 06.04.2018
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Datenschutz-Skandal

Facebook sucht die verlorenen Daten

Keine Ahnung, sagt Facebook-Managerin Sandberg auf die Frage, welche Nutzerdaten nun eigentlich genau abgefischt worden sind. In Deutschland zeigen sich immer mehr Menschen verunsichert. Und das Kartellamt macht Druck.

Top-Managerin Sheryl Sandberg zählt zu den reichsten – und einflussreichsten – Frauen der Welt. Derzeit verantwortet sie als Geschäftsführerin das operative Geschäft im Facebook-Konzern. Demnach müsste sie immer und überall wissen, was mit dem Rohstoff ihres Unternehmens, den Nutzerdaten, passiert. Müsste.

"Bis zum heutigen Tage wissen wir nicht, welche Daten Cambridge Analytica hat", sagte Sandberg nun der "Financial Times". Bei dem Datenschutz-Skandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App vor mehr als vier Jahren Informationen von Nutzern an die Analyse-Firma Cambridge Analytica weitergereicht, die später unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gearbeitet hatte. Dabei ging es nicht nur um die Daten der Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde.

Das Vertrauen ist weg

Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg hat inzwischen Fehler eingeräumt und auch Sandberg sagt nun, Facebook habe zu langsam reagiert. Nach Einschätzung des Netzwerk-Konzerns könnten die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit betroffen sein, darunter potenziell knapp 310.000 Mitglieder aus Deutschland. Cambridge Analytica selbst erklärte, man habe Informationen zu 30 Millionen Nutzern erhalten.

Fast zwei von drei Internetusern in Deutschland haben bereits große oder sehr große Sorge vor einem Missbrauch ihrer persönlichen Daten. Und das Vertrauen in Facebook ist gering. Das geht aus dem ARD-"DeutschlandTrend" hervor. Nach dem Datenskandal gaben 59 Prozent der Internetnutzer an, das soziale Netzwerk gar nicht zu nutzen. 12 Prozent sagten, sie nutzten Facebook weniger als früher. 88 Prozent erklären, wenig oder gar kein Vertrauen in das soziale Netzwerk zu haben.

"Facebook hat seine Marktmacht missbraucht"

Das Bundeskartellamt erhöht nun den Druck auf den US-amerikanischen Internetkonzern. Das Unternehmen habe seine Marktmacht durch die Art und Weise missbraucht, wie Daten aus Drittquellen gesammelt und verwertet werden, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt der "Rheinischen Post". Die Behörde erwartet in Kürze eine Stellungnahme des US-Konzerns zu einem seit zwei Jahren laufenden Verfahren.

Das Kartellamt hält Facebook in dem Verfahren vor allem vor, Daten auch auf Drittseiten ohne Wissen der Nutzer zu sammeln und zu verwerten. "Bleiben wir bei diesem Befund, wird Facebook seine Praxis anpassen müssen", sagte Mundt. Bundesjustizministerin Katarina Barley erwägt eine Verschärfung der Regeln für soziale Netzwerke.

rb/ml (afp, dpa, rtr)

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