Ein Hauch von Chanel | Kultur | DW | 28.02.2014
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Kultur

Ein Hauch von Chanel

Was wäre die heutige Mode ohne Coco Chanel? Sie entwarf das zeitlose "kleine Schwarze", ihre Kostüme trug die internationale Prominenz. Eine Ausstellung in Hamburg geht dem "Mythos Chanel" auf den Grund.

Mangelndes Selbstvertrauen konnte man Coco Chanel sicher nicht vorwerfen. "Dieses schlichte Kleid wird eine Art von Uniform für alle Frauen mit Geschmack werden", verkündete die französische Modeschöpferin 1926 selbstbewusst den Leserinnen der amerikanischen Modezeitschrift "Vogue". Chanel meinte nichts Geringeres als das legendäre "kleine Schwarze". Ein Kleid, das bis heute in unzähligen Varianten in vielen Kleiderschränken der Damenwelt zu finden ist.

Zwar hatte Chanel das "kleine Schwarze" nicht erfunden - doch sie machte dieses schlichte, aber elegante Kleidungsstück zum Mode-Klassiker. Knapp geschnitten und ganz in schwarz gehalten, rüttelte Chanel mit diesem Kleidungsstück zudem an gesellschaftlichen Tabus - bislang hatten sich Frauen möglichst bedeckt zu zeigen, und schwarz galt zudem als Farbe der Dienerschaft. Die "Vogue" selbst war überzeugt und schrieb: "Das Kleid, das die ganze Welt tragen wird."

Der Mythos "Chanel"

Ein Gemälde des amerikanischen Künstlers Alex Katz zeigt Frauen, die das kleine Schwarze tragen (c) VG Bildkunst & bpk/Bayerische Staatsgemäldesammlung

Das "kleine Schwarze" genießt Kultstatus: Hier ein Gemälde des amerikanischen Künstlers Alex Katz

Tatsächlich trugen bald Frauen auf dem ganzen Globus Kleider von Chanel. Und nicht nur Kleider, sondern auch Kostüme, Handtaschen und Schmuck. Wer von Chanel immer noch nicht genug bekommen konnte, griff zu einem kleinen, schlichten Flakon. Darin war der Duft von Chanel - das berühmte Parfüm "Chanel N° 5". Coco Chanel und ihre Kreationen erfreuten sich allgemeiner Beliebtheit, wie kaum ein anderer Modeschöpfer genoss sie Ansehen und Ruhm - bis heute.

Diesem "Mythos Chanel" spürt nun eine Wanderausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe nach. Vom 28. Februar bis 18. Mai 2014 wird hier der "Hauch von Chanel" mehr als greifbar - über 70 Kreationen von Coco Chanel haben die Ausstellungsmacher zusammengetragen. Dazu kommen dutzende weitere Ausstellungsobjekte von anderen Modedesignern, die sich in ihren Entwürfen vom Vorbild Chanels inspirieren ließen.

Mit Hüten fing es an

Porträt von Coco Chanel (c) VG Bildkunst & bpk/Bayerische Staatsgemäldesammlung

Coco Chanel in einer Aufnahme von Man Ray

Der Aufstieg in den Mode-Olymp war der 1883 als Gabrielle Chanel geborenen Designerin keineswegs in die Wiege gelegt worden. Nach dem Tod ihrer Mutter 1895 wuchs die junge Frau im Waisenheim auf. Dort erwarb sie die Fähigkeit, die sie berühmt machen sollte - das Nähen. Ihren berühmten Spitznamen "Coco" sollte sie allerdings erst einige Zeit später erhalten. Und zwar als sie in einem Café auftrat - als Sängerin. Ihre Liebe galt allerdings von jeher eher der Mode als der Musik. 1910 tat sie ihren ersten großen Schritt in diesen Beruf: Coco Chanel eröffnete in Paris ein Hutgeschäft. 1913 folgte bereits eine Modeboutique, zwei Jahre später ein ganzes Modehaus. Spätestens als in den 1920er Jahren die Kundinnen Coco Chanel das "kleine Schwarze" aus den Händen rissen, hatte die Modeschöpferin finanziell ausgesorgt.

Die Schaffung der "Neuen Frau"

Ausstellung Mythos Chanel Kostüm (c) Maria Thrun

Ein Kostüm von Chanel

Doch warum kamen ausgerechnet Chanels Kreationen so gut an? "Ich habe dem Körper der Frauen seine Freiheit wiedergegeben", meinte die Designerin selbst einmal. In den 1920er Jahren zeigten Frauen mehr Haut, und strahlten Selbstbewusstsein aus. Mieder und Korsett gehörten der Vergangenheit an. Chanel traf mit ihren Kreationen die Bedürfnisse ihrer Geschlechtsgenossinnen und prägte den Geschmack der Zeit. Schlicht und elegant, bequem und stilvoll waren ihre Erzeugnisse. Vor allem aber war Chanel authentisch. Ihr Modehaus verließ kein Entwurf, den sie nicht selbst getragen hätte.

Kleider machen Leute", sagt das Sprichwort. Gemäß dieser Devise trug Coco Chanel in den 1920er Jahren erheblich zur Schaffung der "Neuen Frau" bei, die mit dem verstaubten und sittenstrengen Gesellschaftsbild der Vorkriegsjahrzehnte nichts mehr gemein hatte. Die Rocklänge schrumpfte von den Knöcheln hinauf bis knapp unterhalb des Knies - wenn die Frauen überhaupt noch Röcke trugen. Coco Chanel selbst trug bisweilen Hosen.

Karl Lagerfeld als Erbe

Karl Lagerfeld präsentiert eine goldene Münze von Coco Chanel (c) Francois Guillot/AFP/Getty Images

Der deutsche Designer Karl Lagerfeld führte das Haus Chanel zu neuem Glanz

Mit dem Tod der Modeikone Coco Chanel im Jahr 1971 endete der Mythos ihres Hauses keineswegs. Allerdings geriet die Marke Chanel erst einmal ins Trudeln - bis 1983 der deutsche Designer Karl Lagerfeld die künstlerische Leitung des Hauses übernahm. Dabei nimmt er immer wieder Ideen der Gründerin in seine Kreationen auf. Vor allem aber beherzigt Lagerfeld Coco Chanels Erfolgsrezept, das die Modedesignerin einmal in einem einzigen Satz zusammengefasst hat: "Ein gutgeschnittenes Kleid steht jeder Frau. Punktum!" So einfach erklärt sich auch ihr Mythos.