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Deutsche haben kein Verständnis für US-Einsatz in Venezuela

8. Januar 2026

Im ARD-Deutschlandtrend äußern die Deutschen wenig Zuversicht, dass 2026 ein friedliches und gutes Jahr wird. Das Ansehen der USA ist auf einem historischen Tiefstand.

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Deutschland Berlin 2026 | Vor dem Brandenburger Tor in Berlin steht eine Gruppe von warm angezogenen Demonstranten. Sie halten ein großes, weißes Tuch in den Händen, auf dem in den Farben Gelb, Blau und Rot PEACE steht. Es ist dunkel, auf dem Boden liegt Schnee.
Protest am Brandenburger Tor in Berlin gegen die US-Militärintervention in VenezuelaBild: Zaira Biagini/ZUMA/picture alliance

Es hatte sich schon länger angedeutet, dass die USA es auf Venezuela abgesehen hatten. Die Militärintervention in dem südamerikanischen Land kam für viele Menschen aber doch überraschend. In der Nacht zum 3. Januar wurden Machthaber Nicolás Maduro und seine Frau wegen angeblicher Drogengeschäfte gefangen genommen und in die USA gebracht. 

Fragt man die Deutschen, dann betrachten sieben von zehn Bundesbürgern den Einsatz als nicht gerechtfertigt. Das geht aus dem ARD-Deutschlandtrend hervor, für den das Meinungsforschungsinstitut infratest-dimap zwischen dem 5. und 7. Januar 1323 wahlberechtigte Deutsche repräsentativ befragt hat. 

Jeder zweite Deutsche ist danach der Meinung, dass Deutschland und die Europäische Union das Vorgehen der USA deutlich kritisieren sollten - auch wenn das US-Präsident Donald Trump verärgern könnte. Blickt man auf die Parteipräferenzen der Befragten, dann plädieren allein die Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD) mehrheitlich für Zurückhaltung.

Das Recht des Stärkeren

Kritik an der Militärintervention kommt in Deutschland bisher nur von Oppositionspolitikern, die von einem völkerrechtswidrigen Vorgehen sprechen. Die Regierung hält sich zurück. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach in einer ersten Reaktion von einer "komplexen Lage". Der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Markus Söder bezeichnete die Kritik an der Militärintervention gar als "Hysterie". Es sei gut, "dass Maduro weg ist", betonte er. 

Bei den Bundesbürgern hat die Militärintervention das Ansehen der USA weiter sinken lassen. Mit der politischen Arbeit des US-Präsidenten sind acht von zehn Befragten nicht zufrieden. So viele sind zugleich auch beunruhigt, dass in der Weltpolitik zunehmend das Recht des Stärkeren gilt. 69 Prozent machen sich Sorgen über die Sicherheit in Europa und 62 Prozent um das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA.

Kann sich die NATO noch auf die USA verlassen?

Nur knapp jeder siebte Bundesbürger betrachtet die USA derzeit als vertrauenswürdigen Partner Deutschlands, so wenige wie nie zuvor im ARD-Deutschlandtrend. Weniger Ansehen genießt allein Russland, das 83 Prozent als nicht vertrauenswürdig einstufen. Gelitten hat auch das Ansehen der Ukraine. Im Vergleich zum Deutschlandtrend vor einem halben Jahr sind statt 48 nur noch 40 Prozent der Befragten der Meinung, dass das Land ein vertrauenswürdiger Partner sei. 

Große Zweifel bestehen bei den Bundesbürgern daran, ob man sich weiterhin darauf verlassen sollte, dass die USA Schutzmacht innerhalb des NATO-Bündnisses ist. Gut die Hälfte der Bundesbürger unterstützt die Idee eines von der NATO unabhängigeren europäischen Militärbündnisses.

Mit wenig Zuversicht ins neue Jahr

Die krisenhafte Weltlage, aber auch die Probleme in Deutschland stellen eine Herausforderung für die schwarz-rote Bundesregierung aus CDU/CSU und den Sozialdemokraten im neu begonnen Jahr dar. Wie schon in den vergangenen Monaten ist eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger mit der Arbeit der Regierung unzufrieden. Insgesamt überzeugt die Bundesregierung auch zu Jahresbeginn nur jeden fünften Wahlberechtigten (20 Prozent; +/-0 zu Dezember) mit ihren Leistungen.

Die Deutschen gehen mit wenig Zuversicht in das neue Jahr. Wie unmittelbar zur vorgezogenen Bundestagswahl vor knapp einem Jahr sehen aktuell gut acht von zehn Wahlberechtigten (84 Prozent; +1) in den bundesdeutschen Verhältnissen Anlass zur Sorge.

Wirtschaft und Migration bleiben wichtige Themen

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland wird von aktuell 20 Prozent der Befragten nur leicht besser bewertet als vor einem Jahr (+4 zu Februar 2025). Auch der Umgang mit der Zuwanderung nach Deutschland bleibt eine Herausforderung für die Regierung. Zwar sind die Zweifel an der Fähigkeit des Staates, die Zuwanderung kontrollieren und steuern zu können, insgesamt deutlich zurückgegangen. Doch immer noch 61 Prozent sind der Meinung, dass die Regierung die Lage nicht im Griff hat.

Allein bei den Parteianhängern der Grünen ist eine deutliche Mehrheit der Ansicht, dass die Zuwanderung gut oder sehr gut gesteuert wird. Bei SPD, CDU/CSU und Linkspartei hält sich die Beurteilung in etwa die Waage. Von den Anhängern der in Teilen rechtsextremen AfD sind unverändert fast alle der Meinung, dass die Steuerung der Zuwanderung nicht gelingt. 

Hält die Koalition aus CDU, CSU und SPD?

Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung spiegelt sich in den Umfragewerten wider. CDU-Kanzler Merz punktet im Januar bei etwa jedem vierten Wahlberechtigten (24 Prozent; +1), ebenso SPD-Vizekanzler Lars Klingbeil (26 Prozent; -4).

Die Unzufriedenheit mit der Regierung rührt vor allem auch aus den Streitereien zwischen den Parteien. Dass das schwarz-rote Bündnis die kommenden zwölf Monate übersteht, betrachtet nur etwa die Hälfte (48 Prozent) als wahrscheinliches Szenario für 2026, faktisch ebenso viele (45 Prozent) rechnen derzeit mit einem Scheitern.  

Welche Parteien nach Neuwahlen in welcher Konstellation regieren könnten, ist unklar. Fakt ist, dass auf Grundlage der derzeitigen Umfrageergebnisse die amtierende Koalition aus Union und SPD keine Mehrheit mehr hätte.

Die Union verbessert sich zu Dezember um einen Punkt auf 28 Prozent. Die Unterstützung für die SPD gibt im gleichen Umfang nach und bewegt sich wie zuletzt im vergangenen Sommer bei 13 Prozent. Die AfD käme weiter auf 25 Prozent. Grüne und Linke liegen mit zwölf beziehungsweise zehn Prozent unverändert. Andere Parteien, darunter das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) mit drei (-1) und die Freien Demokraten (FDP) mit ebenfalls drei Prozent (+/-0) würden den Einzug in den Bundestag nicht schaffen.

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